Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Qualität & Preise - woran erkennt man eine gute Gitarre?

Gitarren sind nicht so teuer. Daraus folgern viele Menschen, dass sie ruhig extrem billig sein können. Das macht Gitarrenlehrer nicht glücklich, denn ein vernünftiges Instrument, das gut klingt und technisch einwandfrei funktioniert, ist für den Erfolg des Unterrichts ein wichtiger Faktor.

Wenn man in einer Gitarrenmanufaktur Instrumente herstellen möchte, braucht man Gitarrenbauer, Material, Know-how, ein Haus mit Heizung, Maschinen und Zeit. Man kann Gitarren billiger machen, wenn man minderwertiges, schlecht abgelagertes Holz einkauft, billigstes Material für Bünde und schlechte Mechaniken verwendet, die (ungelernten) Angestellten schlecht bezahlt (Instrumentenbau ist ja eigentlich ein Lehrberuf mit Gesellenprüfung als Abschluss und später möglicher Meisterprüfung) und die Arbeit so schnell ausführt, dass sie nicht wirklich gut wird.
Heraus kommt oft ein Gegenstand, der wie eine Gitarre aussieht, den Namen aber kaum verdient.

Eine gute Gitarre zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass ein Mensch mit beruflicher Ausbildung und Können (oder handwerklich-künstlerischer Begabung - große Könner gehen manchmal nicht durch die konventionellen Lehrbetriebe) sie hergestellt hat. Die schönste 1A Fichtendecke nützt nichts, wenn die Balken unsinnig angeordnet sind, der Begriff "massive Decke" in der Werbung ist keine Qualitätsgarantie. Bei gleicher Bauart ist die Verwendung von massiven Hölzern wahrscheinlich ein klanglicher Faktor, wichtig ist aber vor allem die Bauweise und auch die technische Funktion des Instruments.

Gerade das technische Funktionieren erfordert teilweise viel Zeit. Eine schlechte oder eine gut laufende Mechanik anzubringen, dauert gleich lang, aber die Saitenlage vernünftig einzustellen, dafür zu sorgen, dass die Saiten weder zu niedrig noch zu hoch über den Bünden schweben - dafür muss ein Mensch überprüfend und nachbessernd eingreifen, was die Sache garantiert teurer macht.

Nachhaltigkeit

Tun Sie es nicht! Oder überlegen Sie noch mal, bevor Sie es tun: die Gitarre mit Tasche, Fußbank und Stimmgerät für 39 Euro aus dem Supermarkt kaufen...

Mir ist sehr bewusst, dass es den meisten Menschen völlig unvernünftig scheint, für ein Kind, von dem man noch nicht weiß, ob es musikalisch ist und länger bei der Sache bleiben wird, zum Start ein Instrument für über 300 Euro zu kaufen. Vielleicht kann man bei der Musikschule zunächst ein Instrument leihen, und möglicherweise auf Nachfrage eine gute, passende Gitarre gebraucht kaufen. Dann kann man durch Nachfragen herausfinden, ob eine gute Gitarre wertgeschätzt wird, also ob Sie eine teure Gitarre im Umfeld des Lehrers oder der Musikschule zu einem vernünftigen Preis "weitergeben" können.

Wie bei Autos ist es unwahrscheinlich, dass Sie nach zwei Jahren von 300 € noch 280 wieder bekommen - der Neukäufer macht immer den größten Verlust. Aber eine gute Gebrauchte für 150 €, die nicht viele Gebrauchsspuren dazu bekommen hat, kann durchaus für 130 € weitergehen - sie klingt ja noch genauso gut, funktioniert immer noch, es gibt also wenig Gründe, sie viel zu billig zu machen.

Ein gutes Instrument stellt einen Wert dar. Eine "Gitarre", bei der die Mechanik beim zweiten Stimmen anfängt zu wackeln, die scheppert, wenn man sie streng anguckt ... tun Sie es nicht!
Nachhaltigkeit hieß doch, Ressourcen effektiv zu nutzen, und so zu nutzen, dass man lange etwas davon hat. In diesem Sinne dürfte eine Stradivari Spitzenwerte erlangen: ein bisschen Holz, ein bisschen Knochenleim (nicht so modernes Zeug), ein bisschen Geheimnis und ab und zu frische Saiten, und man hat mehrere Jahrhunderte Glück!

Die Medien, das Internet, der Markt

Noch vor relativ kurzer Zeit war eine Gitarre eine Gitarre, eine Geige eine Geige, und Flügel waren alles, aber nicht gläsern. Das ist passé: überall in den Medien sieht man merkwürdig geformte und lackierte Musikinstrumente, und dadurch, dass die Aufmerksamkeit für populäre Künstler übergroß ist, verschiebt sich die Normalität.

Wenn Manager entdecken, dass es einen Markt für rosa lackierte Gitarren gibt, dann lassen sie rosa lackierte Gitarren bauen!
Nein, anders: Manager der Spielzeugindustrie wissen, dass Barbie und Hannah Monatana sei Dank kleine Mädchen rosa toll finden, also lassen sie Gitarren in dieser Farbe bauen.

Die Lackierungen von Westerngitarren zum Vorbild nehmend, gibt es schwarze "Konzertgitarren" und solche in "blue sunburst". Gemeinsam ist diesen Dingern, dass sie meist in der untersten Qualitätskategorie angesiedelt sind, und ein Pendant zu den Quengelsüßigkeiten an der Supermarktkasse. Viele Unterrichts-Vorgespräche enthalten die Sequenz von der kleinen Gitarre, die das Kind schon mit 4 geschenkt bekommen hat - das ist dann fast immer ein Spielzeug in der Optik des Barbie-Pferdchens.

In solchen Gesprächen habe ich immer behauptet, es gäbe keine gute Konzertgitarre in schwarz - kein Instrumentenbauer würde hochwertiges Holz dicht lackieren! Tja, Irrtum: vor kurzem sah ich eine "Thomann-Sonderedition" einer massiven Hanika in schwarz.
Die Jungs wollen cool sein, die Jungs wollen eine schwarze Konzertgitarre? - Sie kriegen eine! Wenn es einen Markt gibt, stellt es jemand her!

Die Onlineshops und Ebay quellen über von Billigware in allen Farben, die Musikgeschäfte müssen nachziehen, innerhalb weniger Jahre ist etwas normal geworden, was es ursprünglich gar nicht gab, und der Laden, in dem es nur Gitarren, aber solche minderer Qualität schlicht nicht gibt, ist eine wohltuende Ausnahme!

Der Klang

Das eigentliche Qualitätskriterium sollte der Klang sein. Hoffen wir mal, dass sich technische Probleme aus der Welt schaffen lassen (wenn das bei Billigprodukten auch schnell mehr Geld kostet, als das ganze Instrument), aber man kauft doch sein Instrument, weil es einem vor allem klanglich am besten von mehreren gefällt.

Tatsächlich ist guter Klang mit vielem Geld nur bedingt gleichzusetzen. Gerade bei teuren Gitarren kommt irgendwann der Geschmack dazu, und natürlich bezahlt man den Namen. Eine Gitarre für 5000 Euro kann durchaus kaum wahrnehmbar "schlechter" klingen als eine, die mit dem Vier- bis Fünffachen gehandelt wird. Und auch bei den günstigsten massiven Instrumenten gibt es "Ausreisser" nach oben, Instrumente, die verboten gut klingen.

Selten klingen auch Supermarktgitarren fast so gut wie Gitarren mit Sperrholzdecke für 150 Euro, oder Sperrholzdecken für 150 Euro nicht so viel anders, als Gitarren mit massiver Decke für das Doppelte; aber wenn man genauer hinhört stimmt das meist doch nicht wirklich. Wenn man aus finanziellen Gründen meint, auf einen motivierenden Klang verzichten zu müssen, sollte man aber Spielbarkeit (siehe unten) und Größe nicht außer Acht lassen!

Besonders wenn man das erste Instrument aussucht, ist Hilfe nützlich. Wenn man noch nicht spielen kann, kann man die Klänge nicht vergleichen. Ich habe mal beobachtet, wie ein Teenager fast eine Stunde versuchte, die Unterschiede zwischen diversen Gitarren zwischen 600 und 1000 Euro herauszuhören, dabei aber so entsetzlich vorsichtig und leise zupfte, dass die Instrumente gar nicht zu ihrem Recht kamen...

Wenn man spielen kann und probiert, hört man die Gitarren nur von hinten. Im "Gitarrenladen meines Vertrauens" spielt der Chef auf Wunsch die Instrumente vor: geduldig immer wieder dasselbe, erst auf dieser, dann auf der anderen, dann wird eine wegsortiert... so kommt man der Sache näher, und man hört die Gitarren auch mal aus der Perspektive des Zuhörers.

Kleine Gitarren müssen nicht schlechter klingen als größere, sind aber immer benachteiligt: dadurch, dass fast immer das normale Saitenmaterial benutzt wird, die Gitarre aber eine viel kürzere Saitenlänge hat, sind die Saiten viel schlaffer gespannt. Natürlich ist der Ton weniger "knackig", und dumpfer, und es passiert auch leichter, dass man beim Greifen seitlich verzieht, was sich auf die Stimmung auswirkt. Deshalb stimme ich Kindergitarren gerne höher - je nach dem, welche Größen in einer Unterrichtsgruppe vertreten sind, und ich habe beim Wettbewerb "Jugend musiziert" eine Zehnjährige auch schon mal auf einer Gitarre gehört, die auf A gestimmt war, also vier Töne höher als normal.

Die Saiten sind überhaupt ziemlich entscheidend für den Klang! Eine Gitarre mit alten Saiten zu probieren ist wenig sinnvoll: zwischen den Rillen der Umspinnung der Basssaiten setzt sich Dreck fest, der mit der Zeit den Klang immer dumpfer macht. Die Gitarre erzeugt weniger Obertöne und klingt matt. Außerdem stimmen alte Saiten oft in sich nicht mehr. Wenn weiter oben auf dem Griffbrett Töne nicht mehr stimmen ist das eine Folge, schlimmer ist, wenn schon die leere Saite mehrere Töne gleichzeitig erzeugt. Unter solchen Bedingungen kann man den Klang einer Gitarre nicht beurteilen!

Technische Problemzonen

Was also ist an Billiggitarren schlecht gemacht, oder anders gefragt: wenn man Zeit spart bei der Fertigung - was wird dadurch besonders negativ beeinflusst?

Natürlich braucht man für das Zusammenbauen der Gitarre an sich eine gewisse Zeit. Man kann diese durch den Einsatz gut eingestellter Maschinen und durch Arbeitsteilung in Manufakturen verkürzen, und man kann Wartezeiten - Leim und Lack müssen trocknen - nutzen, um während dessen andere Arbeiten durchzuführen. Das Endergebnis sieht dann perfekt oder flott gemacht aus (kein schlechtes Zeichnen für handwerkliches Können) - den Klang kann man nicht unbedingt verbessern, indem man lange Beschwörungsgesänge intoniert.

Aber einige Stellen, die die Spielbarkeit entscheidend beeinflussen, brauchen schlicht Zuwendung: anpassen, überprüfen, noch mal nacharbeiten, ggf. fluchen weil zu viel weggenommen, neu beginnen: Man kann Sattel und Stegeinlage pauschal vorgefertigt einsetzen. Wenn man Glück und gut vorgearbeitet hat, passen sie, oder sie sind zu niedrig oder zu hoch. Dann muss man noch mal Zeit investieren, und dann muss die Gitarre mehr kosten.

Dass Bünde an den falschen Stellen sitzen, die Gitarre also nicht "bundrein" ist, will man ja nicht hoffen, aber auch Bünde können aus besserem oder schlechtem Material sein, und so abgerichtet werden, dass man sich im Winter, wenn das Holz auf Grund der Trockenheit ein bisschen schwindet, am Griffbrettrand kratzt.

Die Saitenlage ist ein zentrales Thema: wie hoch liegen die Saiten über dem Griffbrett? Zu niedrig heißt: die Saiten schnarren oder scheppern wenn man anschlägt, eine zu hohe Saitenlage macht das Greifen unnötig mühsam.
Die entscheidenden Faktoren für die Saitenlage sind der Hals mit dem Sattel und dem Griffbrett, und der Saitenhalter mit der Stegeinlage auf der Decke. Alles aber ist an der Gitarre befestigt, das heißt: bauliche Ungenauigkeiten oder auch Veränderungen betreffend Korpus und Hals wirken sich auch auf die Saitenlage aus.
Ist der Hals im Verhältnis zur Deckenebene zu weit nach vorne geneigt, kann man den Steg gar nicht so niedrig machen, dass die Saiten nicht unerträglich hoch liegen. Wenn der Hals zur Saitenebene nach hinten geneigt ist, kann man den Steg nicht hoch genug machen. Die Konstruktion muss grundsätzlich stimmen, Sattel und Steg sind nur für die Feineinstellung da.

Die Saitenlage

Jeder Besitzer einer Gitarre mag sein Instrument wahrscheinlich irgendwie. Deshalb ist es für ihn manchmal schwierig nachzuvollziehen, wenn ihm jemand zu erklären versucht, was an der Saitenlage seiner Guten nicht stimmt.

Um problematische Saitenlagen darzustellen, habe ich eine sehr schematisierte Grafik entworfen. Nichts sieht so aus wie in Wirklichkeit, aber die Grundfunktionen sollten möglichst klar hervortreten, sodass man sehen und einsehen kann, wenn etwas nicht optimal eingestellt ist.

Schema Saitenlage1

Nehmen wir an, in der Grafik oben sei alles in Ordnung: am ersten Bund ist genug Luft unter den Saiten, sodass nichts scheppert, und am 12. Bund ist die tiefe E-Saite 4 - 4,5 mm über dem Bundstab, die hohe e-Saite etwa einen Millimeter weniger. Alles ist schön bequem, die Stegeinlage knickt die Saiten etwas ab, der Ton ist klar, alles bestens.


Problemfall 1: der Sattel ist zu hoch.
Schema Saitenlage2

Niedrige Produktionskosten erfordern Opfer: da wird schon mal ein Sattel aufgeleimt, der die Saiten zu hoch legt. Aber das kann man leicht reparieren: entweder man sägt beziehungsweise feilt tiefere Rillen für die Saiten (wobei das dafür erforderliche Werkzeug seinen Preis hat), oder man löst den Sattel und feilt ihn unten ab. Auch dafür braucht man richtiges Werkzeug, Geduld und Augenmaß!
Wenn man zu tief geraspelt hat, kann man ja etwas unter den Sattel legen.

Schema Saitenlage3

Hier wurde der Sattel so hoch gelassen, die Rillen aber tiefer eingefeilt. Die Funktion ist wieder hergestellt.


Problemfall 2: der Sattel ist zu niedrig.

Ist der Sattel umgekehrt so niedrig, dass die Saiten auf den ersten Bünden schon aufliegen, wenn man sie gar nicht anschlägt, muss man etwas unter den Sattel unterlegen, vielleicht sogar nur einseitig. Eine andere Frage ist, ob man den Sattel abnehmen kann...

Schema Saitenlage4

Problemfall 3: der Steg ist zu hoch.

Tatsächlich haben manche Gitarren einen Steg, der insgesamt zu hoch ist. Die Ebene der Saitenlage voraus zu berechnen ist nicht so einfach!

Die Saiten werden am Steg festgeknüpft, und dann über die Stegeinlage geführt. Die Stegeinlage muss die Saiten ein bisschen knicken, damit es einen präzisen Endpunkt der Saite gibt. Ist der Steg aber so hoch, dass die Stegeinlage gegen null gehen muss, hat man ein echtes Problem!
Manchmal liegen die Saiten sogar am Rand der Nut auf, in die die Stegeinlage gehört.

Schema Saitenlage5

Wenn gar nichts anderes hilft - und was soll da schon helfen? - muss man vielleicht den Steg abfräsen und ersetzen. Das ist eine Reparatur, die nicht ohne ist.


Problemfall 4: der Steg ist zu niedrig.
Schema Saitenlage6

Auch dieses Szenario gibt es: der Steg ist so niedrig geraten, dass man eine riesig hohe Stegeinlage (hat im Bild etwas von Wäscheleine...) braucht, um die Saiten auf eine vernünftige Höhe über dem Griffbrett zu bringen. Was auf einer Jazzgitarre, auf die 12er Flatwounds aufgezogen sind cool aussieht, nämlich eine Saitenlage von 2,2mm am 12. Bund, funktioniert auf einer Konzertgitarre nur, wenn man die Saiten höchstens anhaucht.

Immerhin lässt sich dieses Problem meist wirkungsvoller beheben als das vorige. Allerdings sieht man: die Saiten werden an der Stegeinlage sehr stark abgeknickt und deshalb vielleicht häufiger reißen.


Problemfall 5: der Hals ist nach vorne verzogen.
Schema Saitenlage7

Für diese Grafik habe ich in der Zeichnung die linke Hälfte bis Ende des Griffbrettes ausgewählt und sie um 1 Grad gedreht. Schon sieht man den Alptraum jedes Gitarrenliebhabers: der Hals ist nach vorne gekommen. In den niedrigen Bünden ist die Saitenlage erträglich, weiter oben wird es immer unspielbarer, und die große Entfernung von der Saite zu den Bundstäben wirkt sich natürlich auch auf die Stimmung aus. Lohnt es sich, den Hals abnehmen und wieder neu ansetzen zu lassen? Sollte man diese 12saitige Western gebraucht kaufen?


Problemfall 6: der Hals ist nach hinten verzogen.

Auch zu diesem Problem gibt es das Gegenteil: der Hals ist nach hinten verzogen, die Saitenlage ist so niedrig, dass die Töne schon scheppern, wenn man die Saiten streng anschaut, und vermutlich gibt es zusätzliche Probleme beim Übergang vom Hals zum Korpus.
Manchmal sieht man, wenn man vom Steg aus Richtung Sattel peilt, dass der Hals relativ gerade ist, der Teil des Griffbrettes, der auf dem Korpus aufliegt verläuft aber in Wellen. Dieses Problem kann enstehen, wenn der Oberklotz aufgequollen ist oder die Balken unter diesem Teil der Decke sich verzogen haben. Eine höhere Stegeinlage ist leider oft keine ausreichende Lösung.

Schema Saitenlage8

So, das sind die verschiedenen Desaster-Versionen, die mir einfallen. Unterschiedlich hohe Bundstäbchen oder multipel gewellte Hälse lasse ich mal außen vor. Aber man hat schon Glück, wenn die eigene Gitarre in Bezug auf die Saitenlage einfach funktioniert!

Steg, Sattel, Hals

Werfen wir nach diesen schematischen Grafiken einen genaueren Blick auf die Hauptverdächtigen!

Saitenhalter

Der Steg oder Saitenhalter ist auf der Decke aufgeleimt. Die Saiten laufen über die Stegeinlage aus Elfenbein, Knochen oder Plastik. Sie verläuft etwas schräg, ist auf der Bassseite höher, und überhaupt - in Grenzen - in der Höhe anpassbar.

Sattel

Der Sattel: an einer ordentlichen Gitarre problemlos abnehmbar und durch unterlegen oder abfeilen in der Höhe einzustellen. Man kann sich auch Gedanken über die Saitenabstände machen.

Ein übliches Maß für die Distanz zwischen zwölftem Bund und Saiten ist für die erste Saite um 3,3 bis 3,8 mm; für die sechste Saite 4,0 bis 4,5 mm. Ein Millimeter mehr oder weniger am Steg macht am zwölften Bund immer nur einen halben, am fünften Bund nur noch einen viertel Millimeter aus - das ist wahrlich nicht viel!

Wenn die Saitenlage sehr niedrig ist, die Stegeinlage aber schon sehr hoch, wird man die Saitenlage hier nicht mehr viel beeinflussen können, da die Saiten sonst noch stärker geknickt werden und weil zu hoch über die Nut herausragende Stegeinlagen abenteuerlich aussehen.
Ebenso schlimm: die Saitenlage ist extrem hoch, die Stegeinlage aber sehr niedrig, sodass die Saiten kaum umgelenkt werden. Dann kann man sie nicht mehr niedriger machen um die Spielbarkeit zu verbessern, und sehr aufwändige Reparaturen sind fällig: Bünde 'raus und das Griffbrett flacher machen, oder den Steg abnehmen und besser machen - weniger bringt da nichts.

Steg 1

Dieser Steg passt sehr gut: die Stegeinlage knickt die Saiten, aber nicht zu stark. Problematisch ist diese Konstruktion nur, wenn die Saitenlage sehr hoch ist, denn niedriger kann man die Stegeinlage kaum machen!

Steg 2

Diese Stegeinlage sieht so aus, als ob ihre Höhe für häufig reißende Saiten sorgen wird. Falls die zugehörige Gitarre eine niedrige Saitenlage hat, kann man nicht mehr viel machen, denn noch höher sollte die Stegeinlage nicht sein.

Die Saitenlage, und damit das Funktionieren der Gitarre, ist grundsätzlich abhängig von dem Zusammenspiel zwischen der Ebene, die durch Hals, Griffbrett, Decke und Steg bestimmt wird, und der Fein-Einstellung an Saitenhalter mit Stegeinlage und am Sattel. Und nicht zu vergessen: die Saiten! Der beste Hals kann mit alten und unsauber schwingenden Saiten nicht funktionieren!
Für die genaue Einstellung braucht der Gitarrenbauer Können und Zeit. Bei billiger Massenware sind Stegeinlage und Sattel meistens "auf Sicherheit" angepasst nach dem Motto "lieber etwas zu hoch, als dass es scheppert".

Eine andere Grundbedingung für ein gut spielbares Instrument ist ein gerader Hals. Dafür braucht man gut abgelagertes Holz, das natürlich ein Kostenfaktor ist. Außerdem werden Hälse bei Konzertgitarren meist gesperrt, also aus mehreren Schichten zusammengeleimt, gerne mit einem Streifen aus sehr hartem Holz wie Ebenholz in der Mitte. Dieses "Sperrholz" ist keine Notlösung, sondern eine zusätzliche Sicherung gegen Verziehen des Halses.
Bei Western- und E-Gitarren, deren Hälse ja viel schmaler sind, baut man einen Stahlstab oder "Truss rod" ein. Mit einem passenden Schlüssel kann man dann die Halsneigung nachstellen - eine sehr schöne Sache, wenn man beschließt, einen Satz 11er Saiten zu spielen, statt wie bisher 09er...

War das Holz zu frisch und hat sich der Hals nach einiger Zeit verzogen, hat man ein echtes Problem: damit sich der Austausch eines Halses lohnt, muss die Gitarre schon recht teuer gewesen sein (und dann ist meistens der Hals schlicht in Ordnung).

Hals gerade?

Wenn man am Hals entlang peilt, kann man sehen, ob er verzogen ist. Drückt man eine Saite am ersten und am letzten Bund herunter zeigt sich ebenfalls, ob der Hals darunter gerade ist.

erster Bund mit Luft

Drückt man die höchste Saite am zwölften Bund herunter, sollte zwischen Saite und ersten Bundstab ein Blatt 80gr-Papier passen, bei den Basssaiten eher etwas mehr. Liegt die Saite auf, muss die Gitarre scheppern, passt viel mehr als ein Blatt Papier dazwischen, ist Nacharbeiten des Sattels vorteilhaft. Wenn man die Saitenlage extrem niedrig einstellt, hat man eher mit unsauber schwingenden Saiten Probleme, die dann auf den Bundstäben schnarren, und ein Spieler, der kräftiger anschlägt braucht auch etwas mehr "Wasser unterm Kiel".

Sattel niedrig 1

Kaum zu fotografieren, aber man ahnt vielleicht, dass bei dieser fernöstlichen Schönheit die E-Saite auf dem ersten Bund aufliegt, wenn man die Saiten am 12. Bund herunter drückt. Nur A- und d-Saite schnarren nicht, wenn man anschlägt. Offenbar gibt es weder im Herstellungsland noch beim deutschen Internethändler eine ernsthafte Endkontrolle.

Sattel niedrig 2

Von der anderen Seite: e-, h- und g-Saite liegen auf. Nach der "Reparatur", dem Abschlagen des natürlich angeklebten Sattels und Unterlegen mit Kartonstreifen, sind das A und die d-Saite so hoch, das klar wird: am besten bekäme die Gitarre einen anderen Sattel... Den anpassen zu lassen kostet ungefähr halb so viel, wie die Gitarre gekostet hat!

Am falschen Ende gespart

All diese Dinge sind natürlich besser zu zeigen als zu beschreiben oder zu fotografieren, aber ich hoffe es wird zumindest deutlich, dass es an Gitarren technische Aspekte gibt, die durch schlechte Bauweise oder mangelnde Sorgfalt zu sehr problematischen Ergebnissen führen. Eine gute Gitarre hat man in der Hand, wenn all diese Dinge stimmen, und dann hat sie jemand gebaut, der über Können, Erfahrung und Zeit verfügt hat, und - sie hat entsprechend Geld gekostet...

Sattel absprengen

Meine Methode, angeklebte Sättel zu lösen: mit Hammer und Holzstückchen vorsichtig klopfen und hoffen, dass das Teil nicht zersplittert...
Dann festen Karton oder Holz unterlegen, um die Saitenlage zu erhöhen. Der Gitarrenbauer kann es besser, und er hat einen Ersatzsattel!

Hat die Gitarre ein Abziehbild als Rosette, ein gefärbtes Griffbrett (erkennt man bei gebrauchten daran, dass in den unteren Lagen die Farbe zu verschwinden beginnt) und eine Mechanik, die nicht glatt läuft, sondern knackt und springt, sollte man sich noch mal genau überlegen, ob man sie kaufen möchte. Man kann natürlich schlechte Mechaniken austauschen, und ich kenne auch eine Gitarre mit gefärbtem Griffbrett, die sich klanglich vor günstigen vollmassiven Instrumenten überhaupt nicht verstecken braucht, aber das ist eben wirklich nicht die Regel.

Um noch mal die Sache mit der Nachhaltigkeit in Erinnerung zu rufen: eine Supermarktgitarre, die gekauft wurde, hinterlässt eine Lücke im Regal, erzeugt also Nachfrage. Letztlich wird jeder Markt durch Kaufvorgänge angekurbelt, und die "Wegwerfgesellschaft" kurbelt definitiv schneller als Kunden, die sich genauer informieren, erst mal leihen und auch Gebrauchtes nicht verschmähen.

Übrigens ist an billigen Instrumenten der Sattel fast immer festgeleimt. Fragen Sie mich bitte nicht warum - eigentlich kostet das doch Material und Zeit (Doch, ich hätte eine Idee: Ein Arbeiter klebt die Sättel fest, die dem nächsten am Band beim Besaiten dann nicht mehr herunterfallen - Zeit gespart.)! Die Saitenlage ist schlecht, man möchte den Sattel austauschen, und er ist mit größter Gewalt nicht zu lösen! Nach stundenlangem Herumbasteln bringt man die Gute schließlich zum Gitarrenbauer, und kommt immer mehr zu der Erkenntnis: eine teurere Gitarre hätte nicht nur besser geklungen, sondern auch ordentlich funktioniert und überhaupt mehr Spaß gemacht. Der Spaß beim Sparen währt kurz, der beim Spielen hoffentlich länger...

Griffbrett aus Schichtholz 2
Griffbrett aus Schichtholz 1

Um die Saitenlage an einer Billiggitarre zu verbessern habe ich den Sattel abgesprengt und staune nicht schlecht: das Griffbrett ist nicht nur schwarz gefärbt, sondern auch noch aus Schichtholz. Im Schalloch ist die sichtbare Fläche sogar mit schwarzer Folie beklebt...

Unten sieht man einen abgeplatzten Steg einer Gitarre der "50-Euro-Klasse". Wenn ich mir die Unterseite des Steges genau anschaue, meine ich fast so etwas wie den Rand eines Klebestreifens zu erkennen, so als sei eine Art doppelseitiges Klebeband benutzt worden, um den Steg zu fixieren, statt ihn mit Leim einzustreichen:

abgeplatzter Steg

Aussehen

Doch, das Aussehen der Gitarre spielt auch eine Rolle! Während ich helle Fichtendecken liebe, die natürlich mit einem Lack ohne UV-Schutz behandelt sein müssen, damit der natürliche Nachdunklungsprozess das Instrument langsam verschönert, würden andere so ein bleiches Teil nie kaufen! Ich bin sogar überzeugt davon, dass man einer dunkleren Decke einen dunkleren Klang zuzuschreiben geneigt ist. Tja, der gute alte Blindversuch: Augen zu, und hören!

Schallochverzierung 1

Sieht auf dem Foto gar nicht schlecht aus, ist allerdings ein Zeichen für die Sparversion: Rosette in Form eines Abziehbildes.

Schallochverzierung 2

Massive Zeder mit einer einfachen Einlage. Auf alle Fälle ist das nicht zu bunt!

Schallochverzierung 3

Eine traditionelle Rosette besteht aus lauter kleinen Holzstäbchen, die zu einer Art Baumkuchen verleimt werden, von dem man sich dann eine Scheibe abschneidet.

Im Billigsegment kann man alles kaufen: komplett weiß, schwarz oder rosa lackierte Grazien, oder türkis gebeiztes Holz - toll! Unter den farbigen Lacken kann man Holz jeder Qualität verstecken, deshalb ist mir so etwas immer verdächtig. Aber jeder hat ein Recht auf seine Geschmacksverirrungen: ich gebe zu, dass mir E-Gitarren meist in "tobacco sunburst" (obwohl... eine SG darf auch "cherry sunburst" sein...) am besten gefallen!

Hochglanz oder matt lackiert, Randeinlagen, Streifen im Boden, Kopfplatte mit Löchern, die wiederum mit Rändern verziert werden - was es nicht alles gibt! Der Kunde weiß natürlich nicht immer, dass manche Dinge, die aufwändiger aussehen, einfacher herzustellen sind als die schlichtere Version, aber das ist ja auch egal: man muss sich in seine Gitarre verlieben und sich mit ihr identifizieren können.

Massivholz

Wenn man sich gegen das Billigsegment im Internethandel entschieden hat und auch eine ordentlich gebaute Gitarre mit Boden und Zargen aus Sperrholz, aber massiver Decke nicht mehr richtig gefällt, schaut man sich beim Gitarrenbauer die vollmassiven Instrumente an.

Hier sind nicht nur die Decke, sondern auch Zargen und Boden, also der gesamte Körper, aus massivem Holz gemacht. Im Jahr 2011 etwa ab 600 Euro zu erwerben.
Massivholz hat den einen Nachteil, dass es besonders gegen zu niedrige Luftfeuchtigkeit empfindlich ist und reißen kann, aber eine massive Gitarre klingt natürlich besser, und sie entwickelt sich klanglich, wenn man sie viel benutzt. Sie ist ein lebendiger Freund für viele Jahre!

Ab gewissen Preisregionen regiert der Geschmack: Es ist durchaus möglich, dass man beim Gitarrenbauer ein Instrument für 1500 Euro findet, welches andere, die das Doppelte kosten, klanglich übertrifft. Irgendwann bezahlt man natürlich auch den Namen des berühmten Erbauers mit, aber dann besitzt man auch einen wirklichen Wertgegenstand. Ein gutes Musikinstrument unterliegt ja nicht dem Wertverlust eines Autos oder Computers.

Und was muss man nun wirklich für eine "ordentliche Gitarre" ausgeben? Wenn Sie motiviert sind, eine Gitarre zu kaufen, gibt es konkrete Tipps, wo man etwas Vernünftiges bekommt, und Warnhinweise zum (Mindest-)Preis. Eine konkrete Zahl möchte ich hier nicht nennen. Wenn Sie eine Gitarre besitzen, kann ein Mensch wie ich das Instrument anschauen und beurteilen. Sie kann eine schreckliche Saitenlage haben oder einen angebrochenen Halsfuß, sie kann toll klingen oder zu groß für den Spieler sein - man kann viele Dinge über ein Instrument sagen und dann diskutieren, ob es ungeeignet ist, für die erste Unterrichtszeit ausreicht oder hervorragend gemacht ist.

Gitarren sind jedenfalls vergleichsweise günstige Instrumente, die viel weniger als Streichinstrumente oder Klaviere kosten, und ich bin immer wieder froh, wenn sich die Eltern meiner Schüler bei guten Lernfortschritten für eine vollmassive Gitarre entscheiden, wenn die Jugendlichen ausgewachsen sind - eine Anschaffung für Jahrzehnte, die man vielleicht noch mal überdenkt, wenn man so gut spielt, dass man sich sagt "Jetzt suche ich mal nach einer richtig Guten, auch wenn sie richtig teuer ist." Die etwas veraltete Bedeutung von "teuer" ("Das ist mir lieb und teuer") findet sich auch im Lateinlexikon unter "carus", und auch das englische "dear" bedeutet "teuer, wertvoll, lieb".

Gute gebrauchte Gitarren sind eine feine Sache! Wer sich an Kratzern nicht stört und zu schätzen weiß, dass ein seit zehn Jahren gerader Hals höchstwahrscheinlich auch so bleiben wird, findet so vielleicht sein Instrument.

Spielt sich die Gitarre ein?

Viele Leute werden der Aussage "Instrumente spielen sich ein" zustimmen, auch wenn dies ein leicht esotherisches Thema ist. Niemand scheint so richtig zu wissen, was passiert, aber man bildet sich subjektiv ein, dass etwas passiert.

Einspielprozesse über längere Zeiträume sind natürlich kaum genau zu beschreiben. Wenn der Gitarrenbauer ein Instrument nach einem halben Jahr wiedersieht und -hört, kann es sein, dass er relativ sicher ist, dass eine Veränderung stattgefunden hat. Was genau sich getan hat, und wieviel wovon im Nebel der Erinnerung und ungenauer Sprache verschwindet ist aber kaum festzumachen. Ist das Meiste in den ersten Tagen passiert? War es ein langsamer Prozess, der immer noch andauert?

Etwas anderes ist, wenn man das Vergnügen hat, ein ganz neues, gerade frisch besaitetes Instrument die ersten Stunden spielen zu dürfen. Man nimmt ein "Eichinstrument" mit, eine Gitarre oder Laute, die man gut kennt, und vergleicht.

Dabei passiert mir immer wieder, dass ich anfangs vielleicht sogar etwas enttäuscht bin von der Neuen, ich beisse mich an weniger gut klingenden Regionen fest, "Was ist denn mit den mittleren Saiten ab der 5. Lage? Klingt ja nicht!", spiele dort besonders viel, versuche den Mangel hörbar zu machen. Nach einer Weile des Herumhackens auf den Schwächen spielt man ein erstes Stück, greift dann etwas geniert zur eigenen (bekannt guten) Gitarre, fürchtet, die Neue vor dem Hersteller zu "blamieren" und denkt dann, "Och, so schlecht ist sie ja gar nicht, geht doch."

Nach einem Stündchen spielen vergleicht man wieder mit der "Eichgitarre" und plötzlich - "Kann ja nicht angehen! Das klang doch eben noch anders!" Spielt man nicht zu schüchtern, sondern gibt Gas und ordentlich Noten in die Saiten, ist die anfängliche Enttäuschung irgendwann erledigt.

Was genau passiert, kann ich nicht sagen. Bei Lauten mit vielen Saiten ist offensichtlich, dass die schlecht haltende Stimmung zu Beginn dem Klang abträglich ist. Wenn man fröhlich 2, 3 Stunden immer wieder nachstimmt geht es irgendwann, und das hilft dem Klang enorm.

Konzertgitarren scheinen sich tatsächlich zu verändern, wenn man viel darauf spielt. Während ich für Blockflöten ein bestimmtes Einspielkonzept habe, denke ich bei Gitarre und Laute einfach "Viel hilft viel!" und sage mir, dass flüstern nicht das richtige Rezept sein kann, wenn man Ansprache und Klang entwickeln möchte.

Was da passiert, ob sich eher die Holzmoleküle oder in diesen etwas ändert, oder ob sich ein Zusammenspiel zwischen Decke, Zargen und Boden unter freundlicher Mithilfe von Leimfugen und Randspänen optimiert - keine Ahnung! Jedenfalls wird sich ein gutes Instrument entwickeln, wenn es viel gespielt wird.

Man sollte aber nicht denken "Oh, ich muss meine Gitarre noch einspielen, damit sie endlich ihr klangliches Optimum erreicht!" sondern lieber einfach üben und spielen und sich freuen, wenn sich der Klang der Gitarre und die eigenen Fähigkeiten entwickeln.