Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Saiten aufziehen: generelle Tipps

Wann und warum man sein Instrument neu besaiten sollte, obwohl alle Saiten noch aus einem Stück bestehen steht hier...

Wie man Saiten aufzieht, und welche Fehler man vermeiden sollte, versuche ich unten in Wort und Bild zu beschreiben. Das ist nicht einfach, aber erstens kann man es lernen, und zweitens sind ordentlich aufgezogene Saiten wichtig für die Stimmstabilität. Es lohnt sich, sich Mühe zu geben!

Die Hauptfehler:

  1. Wenn man oben auf der Mechanik die Saiten einfach durchsteckt und dann fein säuberlich parallel aufspult, geben besonders die glatten Plastiksaiten wochenlang nach. Siehe Bild 7 - 11.
  2. Wenn man unten am Steg die "letzte Überschneidung" nicht hinter die Stegkante legt, kann die Saite am Steg auch nachgeben und sich schlimmstenfalls "aus der Schlinge ziehen". Siehe Bild 2 - 4.
  3. Es gibt Leute, die müssen Saiten an Steg und Mechanik unbedingt zweimal durch die Löcher stopfen, weil es sonst nicht hält, und wenn es geht Saitenenden am Steg in die Schlaufen der anderen Saiten verweben (Bild 5). Der nächste, der die Saiten wechselt, braucht viel Zeit, Pinzetten und Zangen, und überhaupt: ich halte das für eine Unart...
  4. Man spult die Saiten so auf, dass sie oben über die Walze der Mechanik laufen, weil es sonst Knicke und Scheuerstellen gibt, die das Leben der Saiten verkürzen und das Stimmen erschweren. Siehe Bild 13.

Drei wichtige Tipps:

  1. Wenn man beim Drehen der Wirbel merkt, dass einige sich nur schwer bewegen, ist das Saitenaufziehen die Chance, einen Tropfen Nähmaschinenöl oder Silikonöl auf Schnecke und Zahnrad zu geben. Da man viel zu drehen hat, wird das Öl gründlich verteilt.
  2. Ich ziehe fast immer die Saiten eine nach der anderen auf. Dann ist das Stimmen leichter, und die Gitarre wird nicht völlig entspannt - immerhin ziehen Tag und Nacht etwa 40 Kilo am Steg! Nur wenn ich vorhabe, meine Gitarre zu reinigen, nehme ich alle Saiten herunter.
  3. Oben auf der Walze ein bisschen Saite aufspulen und ein paar Zentimeter überstehen lassen sieht vielleicht nicht super ordentlich aus. Aber manchmal reißen Saiten an der Stegeinlage, oder die Leihgitarre geht an einen Linkshänder... dann freut man sich über ein paar Zentimeter "Reserve" und kann die Saite noch einmal verwenden.

Saiten aufziehen

Sicherheit: damit die Saiten halten

Das Ende der Plastiksaiten, das am Steg landet, halte ich an eine Flamme, schmelze es so an und mache einen Knoten. (Bild 6) Plastiksaiten sind glatt und ziehen sich schlimmstenfalls ganz aus der Befestigung.

Die Basssaiten brauchen keine Knoten am Steg. Sie haben häufig ein Ende, das "lückenhaft" (in Bild 4 die dickste Saite) umsponnen ist. Dieser Teil legt sich leichter um die engen Kurven im Steg und hält sich gut an sich selbst fest. Man sollte aber darauf achten, dass auf der Stegeinlage schon die "richtige" Umspinnung liegt.

Befestigung am Steg

Saiten aufziehen 01

Die Saite wird durch die Bohrung im Steg über die Stegeinlage Richtung Kopf geführt. Vor dem Steg lässt man ca. 3 - 4 cm überstehen (Bild 1). Dieses Ende (bei den Plastiksaiten mit dem Knoten) wird zwischen Steg und Stegeinlage unter der Saite durchgeführt (Bild 2), dann umschlingt man die Saite damit noch ein oder zwei Mal.

Überschneidung hinter der Kante

Man sollte darauf achten, dass die letzte Überschneidung (wichtig!) hinter der Stegkante zu liegen kommt (Bild 3 und 4). Wenn diese letzte Überschneidung oben auf dem Saitenhalter liegt, wird sich die Saite lange verstimmen, weil sie viel Platz zum Nachgeben hat.

drunter legen Steg
Schlaufe unten
Steg fertig
Saitenenden abschneiden

Bitte die Saitenenden nicht so lang lassen, dass sie auf der Decke liegen! Sonst darf man sich über Surrgeräusche nicht wundern. Die Saitenenden unter den Schlingen der Nachbarsaiten zu verweben (Bild 5) ist auch nicht toll, das merkt man spätestens, wenn man eine einzelne Saite austauschen muss!

Steg falsch

Wer hier die d-Saite wechseln muss, hat viel Spaß!

Steg richtig

Der Vorsichtige: Knoten und angeschmolzene Saitenenden!

Befestigung am Kopf

Oben am Kopf führt man die Saite durch die Bohrung in der Walze, holt einige Zentimeter wieder nach vorne (Bild 7) und umschlingt diese mit der Saite (Bild 8). Dann fängt man an aufzuspulen.

Bei A, d, g und h - Saite spule ich zuerst nach außen (Bild 9), dann lege ich die Saite über das bereits Aufgespulte und spule innen den Rest auf (Bild 10).

Bei den E-Saiten mache ich es umgekehrt. Dabei achte ich darauf, dass die Saite sich nicht in die Holzwange drücken kann (Bild 11). Dann kann nämlich die Saite schnell durchscheuern, oder im Extremfall das Holz gesprengt werden.

Also: erst in die "falsche" Richtung spulen, dann wechseln und zum Schluss möglichst gerade auf die Rille im Sattel zulaufen lassen, dann reagiert die Saite auch am präzisesten beim Stimmen.

oben etwas überstehen lassen
Saite umschlingen
erst nach außen spulen
Saite rüberlegen
den Rest innen aufspulen
Saitenkurbel

Saitenkurbel, Freund und Helfer...

Saiten falsch aufgespult

Die Diskantsaiten sind von unten aufgespult - die g-Saite scheuert an der mittleren Walze, die h-Saite an der e-Saitenwalze, und die e-Saite scheuert an der Holzkante. Wer stimmen will dreht garantiert erst in die falsche Richtung...

Richtig aufspulen

Man spult so, dass die Saite oben über die Walze läuft - sonst gibt es scharfe Knicke und Scheuerstellen.

Kontrolle am Steg

Kurz bevor die Saite "Spannung" bekommt, schaue ich noch mal nach der "letzten Überschneidung" am Steg (siehe oben und die Bilder 4 und 6)!

Etwas zu viel aufspulen

Man kann natürlich oben möglichst wenig aufspulen und kurz abschneiden, dann hat man weniger Arbeit. Allerdings reißen Saiten wenn, dann meist am Steg, und dann freut man sich, wenn oben noch die entscheidenden fünf Zentimeter vorhanden sind. Eine neue Saite ist zwar besser, aber - so kann man die Saite noch mal aufziehen.

Stimmstabilität - Saiten kneifen

Saiten kneifen

Wenn die Saiten drauf sind, merkt man bald, dass sich die Gitarre ständig verstimmt. Es gibt viele Kurven und Schlingen, die sich recken und strecken.
Um diesen wochenlangen Spaß abzukürzen, nimmt man Saite für Saite zwischen Daumen und Zeigefinger, und "kneift" die Saite ein wenig, indem man die Saite entlang fährt und dabei immer vorsichtig dehnt (Bild 14). Das tut zwar ein bisschen an den Fingern weh, lohnt aber die Mühe. Über das Stimmen der Gitarre kann man an anderer Stelle lesen, Stimmtöne erklingen hier.

Vielleicht zieht man die ersten Male die Saiten kurz vor der nächsten Gitarrenstunde auf, damit der Lehrer nachkontrollieren kann. Aber auf alle Fälle sollte man seine Gitarre selber besaiten können!

E-Gitarren und Linkshändergitarren

Das Saitenaufziehen auf E-Gitarren ist ein durchaus anderer Job. Eine Beschreibung dazu und vielem mehr gibt es auf der gut gemachten und informativen Seite der Firma Rockinger.

Wenn man eine Gitarre für einen Linkshänder umbesaiten muss, tauscht man die Saiten gegeneinander aus: die 6. Saite kommt dahin wo die erste war und umgekehrt, die 5. Saite an den Platz der zweiten und so weiter. Dabei gibt es an Steg und Sattel aber auch einiges zu beachten!