Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Die Rolle der Eltern

Bei erwachsenen Schülern kein Thema, aber bei Kindern und Jugendlichen durchaus eines, über das sich nachzudenken lohnt: welche Rolle haben eigentlich die Eltern bei der ganzen Sache?
Es gibt wohl keinen Aspekt im pädagogischen Bereich, bei dem mir nicht "ah, ein heikles Thema" in irgendeiner Form in den Einleitungssätzen herausrutscht, aber - es ist doch so: Wo und wieviel Eltern sich einmischen sollen oder dürfen ist in jeder Hinsicht und für alle Beteiligten eine heikle Sache. Darf ich überhaupt darüber schreiben?

Na klar! Erstens gehöre ich zu einer Ecke des Dreiecks "Schüler - Eltern - Lehrer", zweitens habe ich reichlich Erfahrung als Vater musizierender Kinder (ist für Musikschullehrer nicht immer einfach), und was mit dem eigenen Musikunterricht als Kind zusammen hängt habe ich schon noch gut in Erinnerung.

Vor dem Start

Bevor der Unterricht los geht, und während der Anfangsphase sollten Eltern vielleicht über ein paar grundsätzliche Dinge nachdenken, denn die Aktivität "ein Instrument lernen" ist ziemlich anders als andere Dinge, die unsere Kinder tun!

  1. Das Ziel sind Lernprozesse, die nicht nur auf Denken beruhen, sondern auf Denken und Training.
  2. Man muss komplizierte Bewegungsabläufe oft wiederholen, damit sie automatisch ablaufen.
  3. Man muss einfache Bewegungsdinge - die Haltung - genau auf eine bestimmte Art und Weise tun, es kommt auf Feinheiten an!
  4. Ein Instrument zu lernen ist kein "social event"! Man muss sich zunächst auf sich selbst konzentrieren.
  5. Ein Instrument zu lernen ist nicht interaktiv. Kein Bildschirm zeigt an "Toll, du hast das Bonuslevel erreicht!" Keine steigenden Punktestände - es ist schwieriger, die eigene Leistung einzuschätzen.
  6. Das Verhältnis von eigenem Tun zu Kontrolle durch den Lehrer ist sehr anders als in der Schule. Lesen hat man Montag bis Freitag, Gitarre einmal die Woche.

Man sollte also nicht erwarten, dass das Kind mit Unterricht und Üben genauso zurecht kommt, wie wenn es sich für eine halbe Stunde mit dem Gameboy beschäftigt, während es auf etwas wartet. Man sollte auch nicht erwarten, dass der Anfang des Gitarrenunterrichts, das Zusammenwachsen der Gruppe, ähnlich abläuft wie das Handballtraining. Es ist sehr anders!

Wir leben in einer Gesellschaft, die dabei ist, ihre "Kultur des Übens" zu verlieren, in der Konzentration auf etwas Elementares sehr exotisch ist. "Wiederhole das 20 Mal, und erwarte keine Belohnung vor nächsten Dienstag, und stelle dich darauf ein, dass du nicht der Beste bist und deshalb kein Sonderlob bekommst!" - Das ist gegenwärtig kein Kind aus dem Alltag gewohnt.

Die Kinder, die so etwas schon kennen, weil sie sich zum Beispiel mit fernöstlichen Selbstverteidigungstechniken beschäftigen, haben deutlich weniger Probleme, Anforderungen an die Haltung (die äußere, mit dem Instrument) und an Disziplin (die innere Haltung, der Gruppe und dem Lehrer gegenüber) zu erfüllen. Das verdeutlicht, dass Verhaltensmuster wie zuhören zu können, auch mal etwas so zu probieren, wie der Lehrer es gerne hätte, ohne sofort "Das kann ich anders aber besser!" zu sagen, aktiv an der Ruhe in der Gruppe mitzuarbeiten, statt ständig zu stören, in unserer Gesellschaft stark an Boden verlieren.

Für mich wäre es hilfreich, wenn Eltern sich also dieser Dinge bewusst würden, und mit anderer Erwartungshaltung an den Instrumentalunterricht als an die Ballettgruppe herangingen.
Quasi automatisch tun die Eltern noch ganz andere Dinge:

Was tun Eltern im Allgemeinen?

  1. Eltern finanzieren in der Regel den Unterricht
  2. Eltern suchen meist den Lehrer und die Unterrichtsstätte aus
  3. Eltern organisieren Ort und Zeit des Unterrichtes und die Wege
  4. Eltern sind eventuell während des Unterrichtes anwesend
  5. Eltern bekommen das häusliche Üben mit
  6. Eltern kommen zu Vorspielen und sonstigen Veranstaltungen
  7. Eltern melden sich, wenn ihr Kind fehlt und fragen nach den Hausaufgaben
  8. Eltern verbinden Vorstellungen und Wünsche mit dem Instrumentalunterricht der Kinder

Nicht alle Punkte brauchen lange Kommentare - am meisten zu sagen gibt es sicher zum Üben zu Hause.

Wenn die Eltern bezahlen können, und dies gerne tun in dem Sinne, dass ein Kind kein schlechtes Gewissen bekommt, ist das natürlich toll. Wenn sie sich vor der Lehrersuche gründlich informieren ebenfalls. Und die Frage, ob Einzel- oder Gruppenunterricht angezeigt ist, ist ein weiterer Grund, vorher ein bisschen zu grübeln.

Wenn das Kind zum Unterricht gebracht werden muss, haben hoffentlich Eltern oder Verwandte Zeit dafür. Geht es darum, den Gitarrenschüler rechtzeitig los zu schicken, sieht die Sache etwas komplizierter aus: Zu spät kommen ist natürlich nicht gut, weil es viel Unruhe in die bereits begonnene (Gruppen-) Stunde bringt. Gerade bei jüngeren Kindern ist das zu frühe Erscheinen genauso wenig produktiv: Kinder, die schon 20 Minuten auf dem Schulhof getobt oder sich auf dem Flur gelangweilt haben, können sich in der Stunde nur noch schlecht konzentrieren.

Wer sein Kind zum Unterricht bringt, und dann warten muss, weil sich die Heimfahrt nicht lohnt, sollte eher nicht regelmässig im Unterricht dabei sein. Ich persönlich habe nichts dagegen, wenn gelegentlich mal Eltern hospitieren; besonders am Anfang sehen vier Augen mehr als die zwei des Kindes, aber auf Dauer sollten Schüler und Lehrer ungestört interagieren können - das ist in der Schule auch so, und es ist ein Teil des Ablöseprozesses vom Elternhaus.

Dass die Eltern Vorspiele und andere Veranstaltungen mit dem Kind besuchen, halte ich für sehr wichtig. Nicht nur, weil sie dann die Entwicklung besser verfolgen können und abschätzen können, wie ihr Kind sich im Gruppengefüge macht, sondern weil sie damit dem Kind das Gefühl vermitteln, dass sie das Unternehmen Musikunterricht wichtig finden. Die Dinge, für die Eltern Interesse signalisieren, bewertet ein Kind automatisch höher.

Sich zu melden, wenn das Kind krank ist und nach den Hausaufgaben zu fragen wird übrigens immer seltener. Dass es für Gruppenunterricht wichtig ist, gemeinsam voran zu kommen ist scheinbar vielen nicht bewusst.
Seit einigen Jahren gehört für mich zur Unterrichtsnachbereitung, E-Mails mit den Hausaufgaben zu verschicken. Aber die technische Entwicklung rast: viele Kinder berichten, dass die Eltern zwar möglicherweise ein E-Mailkonto haben, aber keine Mails mehr abrufen. Whatsapp auf dem Smartphone zu schreiben lehne ich aber ab, da ich eine reelle Tastatur bevorzuge, und während des Unterrichts mit dem Handy zu hantieren geht gar nicht!

Eltern und Üben

Genau, man darf die Eltern keinesfalls zu Nachhilfelehrern machen (ältere Geschwister noch viel weniger!). Schriebe ich hier etwas anderes, würde jeder zu Recht sofort aufhören zu lesen.

Nun bekommen die Eltern das häusliche Üben (oder Nicht-üben) aber ja mit, und sie verhalten sich ständig dazu. Es glaube doch niemand, dass konsequente Nichteinmischung kein Signal aussenden würde. Also: was darf man, was sollte man, was keinesfalls?

Halten wir doch erst mal das Offensichtliche fest: unsere Kinder brauchen uns! Sie brauchen uns beim Reparieren des platten Reifens, bei der Bewertung des blöden Verhaltens eines Freundes, oder wenn das olle Zahnrad nicht von dem Legoauto abgeht. Nach erhaltener Hilfe wollen sie in Ruhe weiterspielen, jedenfalls wenn sie uns nicht für den Schaukel - Anschwung oder als geduldigen Elfmeter-Torhüter brauchen.

Vom Gitarre spielen hat Mama vielleicht keine Ahnung, aber - wie ging noch mal der Ton? Denken Sie jetzt nicht, dass ihr Kind Sie als Lehrer braucht, sondern wie in den vorigen Beispielen als den Menschen, der mehr Kraft hat, der besser lesen, technische Zeichnungen deuten und die Stelle im Buch schneller finden kann, weil er ja schon groß und erfahrener ist.

Zu Beginn des Gitarrenunterrichts geht es wesentlich darum, die Noten zu lernen, und zu verstehen, wo man sie auf der Gitarre findet. Das wird im Lehrbuch in Griffbildern erklärt, die ein Erwachsener, auch wenn er nichts von Musik versteht, lesen und interpretieren kann. "Da ist oben, das muss links sein - wie hälst du die Gitarre noch mal? Also, ich glaube, du musst da drücken!" "Zeig noch mal, wie heißt der Ton? Wir suchen mal gemeinsam, der muss doch irgendwo erklärt sein..."

Die Gitarrenschule ist wie ein Bilderbuch, in dem man mit dem Kind blättern kann. Und dann ist sie ein Lexikon, und von welchem Vorbild soll ein Kind denn lernen, dass man in Büchern nachschauen kann, was man nicht weiß, vergessen hat oder nicht versteht? Der Vorgang des Überprüfens anhand unterschiedlicher Quellen wird von Kindern genauso übernommen, wie Papas charakteristische Art zu fluchen, wenn der Computer nicht so will wie er soll.

Und wenn die Lösung gemeinsam gefunden wird, besonders wenn das Kind nach dem Auffinden der Stelle im Buch den Eltern erklären kann, was die merkwürdigen Anweisungen, Fingersätze und Zeichen alle bedeuten, wird das Kind zum Fachmann, und die Großen dürfen staunen! Das wäre eine gelungene Interaktion.

Wenn Erwachsene bemerken, dass die halben und die viertel Noten gleich lang gespielt werden, ist das natürlich gut, aber zu solchen Dingen zu viel zu sagen, ist weniger angebracht. Man weiß ja nicht, wie genau das Thema im Unterricht besprochen wurde, ob auf einer intuitiven Ebene, oder intellektuell - analysierend (mit Kindern vor dem "Bruchrechenalter" in Rhythmus-Fragen kaum möglich).
Woher soll das Kind denn wissen, wie "Ein Männlein steht im Walde" geht, wenn man nie mit ihm gesungen hat, und Kindergarten und Schule auch kein Liedrepertoire gepflegt haben? Folglich ist ein gelegentlicher Zwischenruf erlaubt, aber - bitte nicht zu viel.

Eventuell können Eltern am Anfang mal ein bisschen helfen, indem sie beim Spielen mit dem Zeigefinger auf die jeweils zu spielende Note zeigen. Kleine Kinder haben oft Schwierigkeiten, die Noten zu verfolgen und auf die vielen anderen Dinge zu achten - man muss ja auch noch anschlagen und greifen. Das ist aber nur eine Starthilfe, die ich mal für erlaubt erkläre, so wie man mit ABC-Schützen auch lesen übt. Wenn der Vorgang - Zeichen anschauen, Information entnehmen, umsetzen, weiter zum nächsten Zeichen - verinnerlicht ist, ist diese Hilfestellung nicht mehr nötig.

Was Eltern gar nicht tun sollten ist, die Notennamen als Buchstaben über die Noten zu schreiben. So verhindert man garantiert, dass jemand Noten lesen lernt, denn Buchstaben kann das Kind schon. Und es gibt einen schlimmen Pferdefuß: Es gibt nicht nur ein c auf der Gitarre!

Übezeit

Bleibt noch die (schwierigste) Frage der Übezeit. Wie leicht hat man das Gefühl, das eigene Kind tut zu wenig!

Erstmal sei gesagt: junge Kinder, die wirklich von alleine üben, und das auch noch regelmässig, intensiv und vorbildlich, sind extrem selten. Auch bei musikalischer Begabung muss das durchaus nicht so sein.
Dann sollte man sich immer mal wieder fragen, was man sich eigentlich vorstellt oder wünscht, was bei dem Unterricht herauskommen soll. Das können sehr verschiedene Dinge sein, und Kind und Eltern können verschiedene Ziele erträumen. Ob man sich bei sehr begabten Schülern freut, wenn sie auf Vorspielen brillieren oder denkt "Mensch, ein 1. Preis im Bundeswettbewerb jugend musiziert wäre jetzt aber auch mal nett!" sind ja sehr verschiedene Herangehensweisen. Andere Eltern denken vielleicht, dass die Musikzensur in der Schule beeinflusst wird, oder dass musizieren überhaupt Einfluss auf kognitive Fähigkeiten, Sozialverhalten und Benehmen hat. In jedem dieser Szenarien wird der häusliche Übefleiß unterschiedlich bewertet.

Zunächst wäre mit dem Lehrer zu sprechen. Passt sich das Kind dem Gruppentempo an, oder hinkt es hinterher? Hoffen Sie, dass ihr Kind in der Gruppe mitkommt, überhaupt dabei bleibt, oder warten Sie ungeduldig darauf, dass der Lehrer Sie anspricht und den Wechsel in den Einzelunterricht anmahnt? Alles wirkt sich darauf aus, wieviel Sie ins Üben eingreifen.

"Also, unsere Tochter, wenn wir sie nicht daran erinnern, dann vergisst sie das Üben völlig." - Auf so eine (ziemlich normale) Beobachtung sind mehrere Reaktionen vorstellbar:

  1. Man wartet geduldig und erinnert immer mal wieder zwischendurch. Das birgt die Gefahr, dass die Geduld abnimmt, und man sich mehr und mehr streitet.
  2. Man handelt einen regelmässigen Zeitpunkt im Tagesablauf aus. Ob Gitarre üben nach den Hausaufgaben günstig ist, muss man probieren - wenn die Luft raus ist, bringt es wenig, einfach das nächste Pensum dran zu hängen. Mitten am Nachmittag üben müssen, wenn man eigentlich spielen will ist grässlich. Also vielleicht abends nach dem Zähneputzen...
  3. Sicher gut wäre, die Übesituation zu analysieren. Im Wohnzimmer, bei Mama, oder im Kinderzimmer alleine - wie ein Kind sich wohlfühlt ist Temperamentsache.
  4. Wie gut zugänglich sind Gitarre und Noten? Wenn der Notenständer aufgebaut ist, und die Gitarre nicht umständlich ausgepackt und die Fußbank hervorgekramt werden muss, man also jeder Zeit eben schnell mal zwei Minuten dudeln kann, wird meist automatisch mehr geübt!
  5. Dinge einmal zu organisieren, einen Gitarrenständer oder einen Aufhänger für Wand oder Regal zu kaufen, das Üben abends zu verabreden, schont die Nerven aller! Trotzdem werden Sie immer mal wieder ermahnen dürfen...
  6. Etwas zu tun, was regelmässige Anstrengung erfordert, aber nicht mit der Schulpflicht zusammen hängt, verlangt immer wieder die Entscheidung dafür und gegen die "Konkurrenzunternehmen" Fernseher, Spielkonsole, Computerspiel. Hier dürfen Eltern Vorbild sein (im eigenen Konsum und der bewussten Entscheidung dagegen) und Grenzen setzen. Die Diskussion der Veränderung unseres Lebens in den Jahren, seit 1993 Windows 3.11 herauskam ist ein weites Feld, die Veränderung von Erziehungsstilen ein anderes. Wenn ich diese hier nicht beackern möchte, steht hier doch zumindest: es sind die größten Probleme für Dinge wie Musikunterricht!

Mit Kindern spielen

Kinder, die viel Zeit draußen verbringen und "mit dem ganzen Körper" spielen, sind sowohl grob- als auch feinmotorisch besser koordiniert, während solche, die sehr viel nur bestimmte Tasten auf Geräten drücken, manchmal erschreckend unbeholfen sind. Natürlich geht uns allen das Gerede davon, dass die Kinder früher geschickter mit den Händen gewesen seien auf die Nerven, aber wenn man über Jahrzehnte diesen Aspekt von Aufwachsen an ähnlichen Problemstellungen aus nächster Nähe beobachtet, ist der Verlauf der Entwicklung wirklich sichtbar.

Was erstaunt, sind nicht nur die Schwierigkeiten beim Einsatz der Hände und Finger , sondern der Mangel an Beobachtungs- und Nachahmungsfähigkeit. Es gab schon immer Kinder, die erst mal mit der Greifhand über den Hals langten oder bei der Blockflöte ständig die falsche Hand oben am Instrument hatten, aber ich glaube, man kann sagen, dass diese Dinge zunehmen. Auch wenn ich darüber nie eine Statistik geführt habe, behaupte ich: was Pädagogen landauf, landab beklagen ist keine Einbildung!

Für den Erfolg im Gitarrenunterricht oder allgemein gesprochen dafür, dass ihre Kinder gut koordiniert und geschickt mit den Händen werden, können Eltern am meisten tun, indem sie mit ihrem Nachwuchs draußen Ball spielen, Bauklötze stapeln, basteln und bauen, kuscheln und Bücher (vor)lesen. Wer mit seinen Kindern "richtig gespielt" hat, darf später den Gebrauch der "künstlichen Spielpartner" hoffentlich eher einschränken, und gerät bei Ermahnungen wie "Wolltest du nicht auch noch Gitarre üben?" nicht gleich in eine Krisensituation!

Lehrersuche

Der erste Kontakt mit Instrumentalunterricht ist prägend. Deshalb wäre es nicht schlecht, wenn man sich etwas umhört, bevor man sich oder sein Kind bei einem Lehrer anmeldet. Wenn die erste Wahl ein richtiger Fehlgriff war, kann das das Ende der Geschichte gewesen sein. Manchmal hat man keinen zweiten Versuch!

Öffentliche Musikschule - Privatunterricht

Wer an einer öffentlichen Musikschule Unterricht nimmt, bezahlt dafür, und der Träger der Musikschule legt noch etwas dazu. Dadurch werden die Lehrkräfte anständig entlohnt.
Menschen mit meiner Ausbildung unterrichten als Lehrbeauftragte an Hochschulen und Universitäten spätere Lehrer aller Schulstufen im Instrumentalfach, wir sind also eher hoch qualifiziert, trotzdem verdienen wir weniger als Grundschullehrer. Wir sind eine kleine Gruppe ohne große Lobby, aber als fest angestellte Lehrkraft kommt man zurecht.

Der Unterricht an öffentlichen Musikschulen wird immer teurer, einmal, weil die Lebenshaltungskosten allgemein steigen, und manchmal auch die Löhne, andererseits weil unsereins älter wird, heiratet, Kinder bekommt - dann bekommt man mehr Gehalt, zahlt allerdings auch mehr Steuern.
Über die Unterrichtsentgelte wird ein Teil dieser Teuerung regelmäßig an die Kunden weitergegeben, was an anderen Stellen nicht so ist: man zahlt nicht mehr Schulgeld an einer Grundschule, an der viele ältere, verheiratete Lehrer unterrichten, die auch zum Bevölkerungswachstum beigetragen haben.

Öffentlich geförderte Musikschulen arbeiten immer defizitär, sie verdienen kein Geld. Durch Gruppenunterricht versucht man, das Defizit zu minimieren.

Diese Einrichtungen stammen aus einer Zeit, als das Land offenbar noch so reich war, dass man sie sich leisten konnte. Wenn man heute über Reformen im Bildungsbereich liest, sucht man die Stelle, an der versteckt ist, dass durch Sparmaßnahmen Qualifikation, Ausstattung, Bezahlung der Lehrkräfte etc. heruntergefahren werden.

Private Musikschule

Eine private Musikschule muss Geld erwirtschaften, sonst hat der Besitzer keine Freude daran. Sie gewinnt ihre Kunden über flotte Werbung (das kann die Privatwirtschaft einfach besser als eine Gemeindeverwaltung) und geringere Entgelte. Das zentrale Sparpotenzial zur Erwirtschaftung von Profit sind die Gehälter der Angestellten.

Daran gibt es nichts zu rütteln: wer privat unterrichten und so gut verdienen möchte wie ein Kollege der städtischen Musikschule, muss Professor sein, in einem Ballungsgebiet wohnen, wirklich hohe Preise haben und Leute finden, die sie zahlen können. Exklusive Instrumente zu unterrichten ist vorteilhaft: Für Violoncello oder Gesang bekommt man in der Großstadt mehr als für Blockflöte. Aber man darf sich selber um Kranken- und Rentenversicherung kümmern.

Deshalb möchten alle gerne an einer kommunalen Musikschule arbeiten. Der Job an der privaten ist keine gute Grundlage für schlechte Zeiten wie Krankheit (ist menschlich) und das Rentenalter.

Die Unterschiede zwischen den Arbeitsverhältnissen an öffentlichen und privaten Musikschulen betreffen Kunden, Politiker und die Mitarbeiter.
Die Kunden hätten den Unterricht gerne etwas billiger (aber trotzdem bei einer qualifizierten Lehrkraft), die Politiker würden gerne viel Geld einsparen. Deshalb werden Planstellen durch Honorarverträge (von denen man nicht leben kann) ersetzt und die Musikschulen als attraktive Arbeitgeber abgeschafft: wer jung ist, musikalisch begabt und fleißig wird besser Banker. Ich kenne keine Kollegen, die ihren (musikalischen) Kindern heute noch empfehlen, Musikschullehrer zu werden.

Es wäre natürlich zu wünschen, dass all die gut ausgebildeten, begabten und fitten Musiker, die von ihren Einkünften "nicht leben und nicht sterben" können, vor allem die jungen Leute, für die es keine Stellen mehr gibt, an öffentlich geförderten Musikschulen unterrichten könnten, die keinen Profit erwirtschaften, sondern in erster Linie solide Bildung vermitteln!

Gute Lehrer

Gute und schlechte Lehrer gibt es überall, und auch mit einem guten Lehrer kann man sich so missverstehen, dass es einfach nicht klappt.
Man kann nicht pauschal sagen, dass alle Kollegen an öffentlich geförderten Musikschulen besonders motiviert sind, weil sie ordentlich bezahlt werden. Bestimmt gibt es auch schlecht bezahlte Honorarkräfte oder Lehrer an privaten Musikschulen, die ihre Arbeit mit Elan machen und etwas erreichen wollen - schließlich kommt man so zu einem Ruf und hoffentlich zu einer besseren Position.

Als Lehrkraft einer Kreismusikschule arbeite ich aber doch in einer angenehmen Atmosphäre: ich habe Fachkollegen und solche, die andere Instrumente unterrichten - das gibt Anregungen und Möglichkeiten der Kooperation. Es gibt viele Veranstaltungen wie Vorspiele, Wettbewerb und Musikschulfest - das ist ein Anreiz, auf Ziele hinzuarbeiten. Wir haben freundliche Mitarbeiterinnen im Büro, die die Organsisation sehr erleichtern, und ein Chef sorgt für Struktur und die Verbindung nach außen - insgesamt ein Rahmen, der motiviertes Arbeiten doch sehr fördert!

Kriterien

Was könnte einen guten Instrumentallehrer auszeichnen, worauf kann man achten, wenn man sich umhört oder im Unterricht zuschaut?
Wichtig ist sicher, dass er seinen Beruf gerne ausübt. Der verkannte Künstler, der eigentlich nur aus der Not, irgendwie seinen Lebensunterhalt bestreiten zu müssen unterrichtet ist ein Klischee, das es trotzdem in der Wirklichkeit gibt. Außerdem mag nicht jeder gleich gerne mit sehr jungen Kindern arbeiten oder liebt das Unterrichten größerer Gruppen.

Ob man sich eher einen jüngeren Lehrer für sein Kind wünscht ist Geschmackssache: Junge Lehrkräfte kommen frisch von der Hochschule und kennen die neuesten Materialien - dafür verfügen sie noch nicht über so viel Erfahrung. Temperament braucht man für den Beruf des Musikers allemal, und das ist keine Altersfrage.

Hoppla - hat der gute Mensch, bei dem ich mein Kind zum Gitarrenunterricht anmelden möchte überhaupt eine Hochschule besucht?
Ja - sollte er das denn haben?

Qualifikation

In der Tagespresse finden sich immer wieder begeisterte Artikel über Menschen mit viel Eigeninitiative, die sich in unterschiedlichsten Berufen selbstständig machen. Solche Artikel kommen immer gut an, denn die Zeitung muss ja auch mal positive Nachrichten bringen! Und so sind seit der Erfindung des Begriffes "Ich-AG" immer wieder Berichte zu lesen über Menschen, die Musikunterricht geben, gar gemeinsam eine Musikschule eröffnen, die von ihrer Ausbildung her eigentlich etwas völlig anderes sind.

Ich hoffe, ich muss nicht ernsthaft darlegen, dass ich solche Artikel mit gemischten Gefühlen lese, schließlich habe ich einiges an Fleiß und Ausdauer investiert, Aufnahmeprüfungen bestanden, Prüfungsangst niedergekämpft und mächtig Spaß gehabt im Studium - und Musiker hören ja nicht auf, an sich zu arbeiten!
Zum Glück liest man selten, dass Musikschullehrer ohne entsprechende Ausbildung Autowerkstätten eröffnen und Bremsen warten, Schornsteine und Heizungsanlagen überprüfen oder Flugzeuge in Schuss halten!

Aber im Ernst: bei aller teils berechtigten Kritik an Lehrern im allgemeinen - ein wenig Ahnung sollte man vielleicht doch haben, bevor man pädagogisch tätig wird?
Es ist aber so, dass man keine weitere Qualifikation braucht, um eine private Musikschule zu eröffnen. Für eine Bäckerei: ja, Baustatiker: doch, ich glaube... Professoren wie Tagesmütter oder Fahrlehrer durchlaufen ihre jeweilige Ausbildung. Bei Musikpädagogen darf jeder, er muss nur Kunden finden.

Also hat man hier bei der Suche ein erstes Kriterium: Fragen nach der Qualifikation. In jeder Fleischerei hängt der Meisterbrief hinter der Theke an der Wand - bei Musikunterricht wird die Antwort "Das habe ich mir selbst beigebracht" augenscheinlich akzeptiert.

Die Auskunft, jemand habe Musik studiert, ist nicht besonders genau: Wer Musik auf Lehramt für Grundschulen gemacht hat, muss zum Ende des Studiums in Sachen Können am Instrument nicht sehr viel nachweisen - die Schwerpunkte liegen dort anders. Das heißt überhaupt nicht, dass Leute mit einem solchen Studium nicht tolle Lehrer sein können: an Grundschulen.

Natürlich kann ein studierter Musiker ein völlig verkorkster Typ sein! Setzt das das Kriterium außer Kraft? Nein, man muss halt genauer nachfragen. Hören wir uns nicht alle erst mal um - "Kennst du einen ordentlichen Laden, der Computer auch repariert?" Suchen wir nicht diverse Autohäuser auf, bevor wir uns zu einem Kauf durchringen?

Sich umhören und nachfragen

Wenn man mit seinem Kind am normalen Leben teilnimmt, der Nachwuchs in der Krabbelgruppe im Gemeindehaus war, dann den Kindergarten besucht hat, man beim Elternabend in der Grundschule auftaucht, kennt man doch viele Leute in der gleichen Situation, von denen einige schon Erfahrungen gesammelt haben. Also sollte es möglich sein, Informationen zu bekommen.
"Nachfragen" ist die Devise! Kritisch überdenken sollte dabei sein!

  • Die Musikschule liegt zentral und ist die günstigste am Ort? Oder findet der Unterricht in einem Schulgebäude statt, die Zentrale ist in der Kreisstadt, und am teuersten sind die auch noch?
  • Es gibt einen Besitzer, der Geld mit dem Betrieb verdient oder es gibt einen Musikschulleiter, der der Verwaltung vorsteht und sich bemüht, die Finanzen in Ordnung zu halten?
  • Seit wann gibt es die Schule?
  • Gibt es Gruppenunterricht? Sind die Gruppen durchlässig? Werden begabte Schüler in den Einzelunterricht komplementiert, empfehlen die Lehrer in besonderen Fällen auch schon mal den Wechsel zu Professor X von der Hochschule in der benachbarten Großstadt?
  • Wie ist es mit der Fluktuation der Schüler und der Lehrer? Gibt es Schüler, die bis zum Abi bleiben und eventuell bei "Jugend musiziert" teilnehmen, gibt es Lehrer, die lange bleiben, weil das Arbeitsverhältnis ok ist?
  • Gibt es Schülervorspiele, treten die Lehrer auch selber auf?

Das sind Aspekte, nach denen man Bekannte fragen kann. Nach der Ausbildung des Lehrers in spe kann man ihn selber fragen, wobei die Auskunft, dass jemand Musik studiert hat recht allgemein ist. Studierte Orchestermusiker haben kein Studium mit pädagogischen Schwerpunkten absolviert - dafür spielen sie vielleicht besonders gut Violine! Und jemand, der "auf Lehramt an Schulen" studiert hat musste beim Abschluss nicht die Leistung im instrumentalen Können erbringen, wie das bei Instrumentalpädagogen oder eben Orchestermusikern der Fall ist. Was nicht heißt, dass solche Leute nicht sehr gut spielen und äußerst kreativ sein können!

Autodidakten, die nie selber ordentlichen Unterricht gehabt haben mögen für den Laien virtuose Performer sein, aber wenn Ihr Kind aus Versehen wirklich begabt ist wäre es doch nicht schlecht, wenn ihm eine richtige und solide Technik am Instrument vermittelt würde?

Im Unterricht zuschauen

Ich empfehle immer zu fragen, ob man mal im Unterricht zuschauen darf. Wer sich seiner Kompetenz beim Unterrichten sicher ist, wird nicht "nein" dazu sagen, und man wird auch verstehen, dass die erste Stunde nach den Ferien oder die letzte vor einem Auftritt nicht dem Durchschnitt entsprechen. Aber das interessierte Kind sollte doch sehen dürfen, ob es mit dem Lehrer klarkommt, bevor man sich ein halbes Jahr bindet.

Ein wichtiger Punkt ist die Bandbreite an Unterrichtsmaterial. Manche Lehrer spielen ziemlich gut, verfügen über ein gut abgehangenes Repertoire oder eine großartige Bühnenpräsenz in einer Rockband, aber außer den Stücken, die sie sich im Laufe der Zeit (als sie selbst Unterricht hatten) erarbeitet haben kennen sie nicht besonders viel Literatur. Nicht alle Schüler werden aber so begabt wie sie selber sein - gerade für diese braucht man viel "Futter", sonst geben die Leute auf! Dafür muss man viele Noten kaufen, in Bibliotheken stöbern, Anregungen zum Beispiel bei "Jugend musiziert" oder Kursen aufnehmen und gerne Blattspielen.

Eigene Meinung

Vielleicht ein merkwürdiges Kriterium, aber: wenn der mögliche Lehrer Ihnen beim ersten Kontakt nicht nach dem Mund redet, vielleicht gar in bestimmten Punkten widerspricht kann das ein gutes Zeichen sein! Hat der Lehrer eine eigene Meinung? Wird die alte Gitarre von Onkel Axel als geeignet akzeptiert, obwohl man doch schon mal gesehen hat, dass Kinder sehr kleine Gitarren spielen? Oder fängt er an zu argumentieren, weil das vor Unterrichtsbeginn ohne seinen Rat gekaufte Instrument seinen Qualitätsansprüchen nicht entspricht? Hat er die Courage, zu sagen "Nein, mit der Gitarre geht das nicht, und das Unterrichtsmaterial suche ich bitte sehr aus, ich habe ein eigenes Konzept!"?
Bringt er jedem sofort bereitwillig das Riff von "Smoke on the water" bei, oder sagt er schon mal "das gehört nicht in den Anfangsunterricht"? Ist er völlig unflexibel gegenüber aktueller Popmusik, darf man bei ihm in jeder möglichen Haltung spielen?

Neustart

Ich selbst habe natürlich gleich zu Anfang einen Lehrerwechsel mitgemacht: nach einem Jahr sagte der Volksschullehrer, bei dem ich angefangen hatte "So, mehr kann ich dir nicht beibringen, jetzt sieh mal zu!".
Vor allem in Sachen Haltung und Technik musste ich danach de facto noch mal komplett neu beginnen. Kinder machen den Neustart des Betriebssystems aber nicht so klaglos mit wie Computer... Der "neue" Lehrer, auch wenn er schon fünfmal so lange "im Amt" ist wie der Vorgänger, bekommt die Übergangs- und Ablöseprobleme noch lange zu spüren.
Nach wenigen Wochen bei einem Lehrer hört der zweite, zu dem dann gewechselt wurde noch jahrelang "Mein (alter) Lehrer hat aber immer gesagt...". Das ist manchmal ein langer Weg, bis schlechte Gewohnheiten vom nicht so guten Anfang ausgebügelt sind und aufbauendes Lernen beginnen kann.

So, Zeit für das Ende des Kapitels. Es ist ungeordnet, denn es geht nicht nur um das Abhaken von Punkten. Die Suche nach einem geeigneten Lehrer kann man mit Argumenten untermauern, aber es ist auch eine Entscheidung "aus dem Bauch". Fragen, beobachten, grübeln, und dann - rein ins kalte Wasser und ins Vergnügen!
Aber eins ist sicher: besser etwas mehr überlegen und nachfragen als zu wenig, denn: der erste Versuch prägt wirklich.

Welches Instrument?

Viele Kinder beginnen heutzutage irgendwann mit dem Erlernen eines Instrumentes. Das ist toll! Musikalisch begabte Menschen entdecken so etwas Sinnvolles für sich, was sie ihr Leben lang begleiten kann, und denen, die Musik nicht zu einem dauerhaften Hobby machen schadet ein Versuch sicher nicht.

Die Frage ist nur: womit fängt man an? Sollten die Eltern bei der Wahl Einfluss nehmen? Wie findet man das richtige Instrument?

Ohne Zweifel sehr schwierige Fragen, es sei denn, die Sache ist klar. Wenn ein Mensch plötzlich das Bedürfnis empfindet, sich mit Musik auszudrücken, und spontan weiß, welches Instrument er dafür gerne nutzen möchte ist ja alles gut. Wenn ein Kind weiß, dass es Cello spielen will, weil es den Ton, die Ausstrahlung, die Gestik und die Musik, die damit verknüpft sind mag, ist die Richtung ja erst mal gegeben.
Aber oft gibt es anfangs eine Suche, die dadurch mitbestimmt wird, dass andere Menschen (Eltern) sich einmischen, der Wunsch vielleicht noch gar nicht so ausgeprägt war, dass ein wirkliches "Ich will das!" schon stand, und man vielleicht auch gar nicht so weiß, was es alles gibt, wie es funktioniert, und wie es zur eigenen Persönlichkeit passt. Also muss man überlegen.

Gut ist sicher, wenn schon früh Erfahrungen mit Musik gemacht werden. Das Singen von Liedern in Kindergarten und Grundschule und Elternhaus (!) baut ein Repertoire von Musik auf, das ein Kind kennt, das sein Eigen ist. Das ist ein wichtiger Schatz! In biografischen Notizen zu bewunderten Stars steht oft "Sang schon mit vier jeden Sonntag Gospels in der Kirche um die Ecke" oder so ähnlich, und das heißt übersetzt so viel wie: hat schon als Kind im Vorbeigehen einen Gesangsstil, viele Lieder und überhaupt Freude am selber Singen gelernt wie andere die Muttersprache...

Kindgerechte Instrumente

Gibt es "kindgerechte" Instrumente, also solche, die kleinen Kindern quasi entgegen kommen? Wenn ja, dann müssten die Kriterien einfache Handhabung und Haltung sein. Dann sind doch die ersten Kandidaten Tasteninstrumente und Schlagzeug, oder?

Klaviere stehen von alleine, und wenn man die richtige Taste trifft, macht die Mechanik (oder Elektronik) freundlicherweise den Rest. Die Intonation hängt von der Klavierstimmung ab, nicht vom sauberen Greifen, die Töne knatschen und quietschen nicht, wie bei Gitarren oder Klarinetten - man muss das gute Stück nicht mal in den Koffer packen und wegräumen...

Beim Schlagzeug muss man ja nur die Stöcker packen - halt! Garantiert nicht! Wie fest oder locker, wie balanciert oder ungleichgewichtig man einen Schlagzeugstock anfasst, entscheidet mit Sicherheit über den Verlauf der Karriere! Wie man aufbaut, wie hoch man sitzt... beim Schlagzeug würde ich nie anfangen, ohne einen wirklich ausgewiesenen Könner zu fragen!

Aber die Fragestellung war ja die nach für Kindern geeigneten Instrumenten. Rechnen wir doch mal Schlagzeug dazu, denn das Ding steht - einmal richtig aufgebaut - auch von allein, und das Treffen der Felle und Becken ist doch oberflächlich betrachtet sicher einfacher als der saubere Geigenton...
Andererseits ist an den Drums die schwierige Koordination, mit allen Händen und Füßen unterschiedliche Dinge tun zu müssen, eine Sache, die langen Atem erfordert.

Nach dem Ausschlussverfahren werden sofort alle Saiteninstrumente wegsortiert: sie sind schwierig zu halten, der Gebrauch eines Bogens erfordert zusätzliche Koordination. Viele Blasinstrumente brauchen Kraft bei der Tonerzeugung, für die Haltung, lange Arme (Zugposaune) oder viele feste Zähne.

Eine längere Diskussion braucht die gute alte Blockflöte: Klein, leicht, mit so einfacher Mechanik (null), dass sie keine Fehler verzeiht! Wenn man kleine Kinder beim ersten Versuch, etwas Sinnvolles mit einer Blockflöte zu tun beobachtet, sieht man riesige Unterschiede!

Die Grifflöcher müssen ertastet und dann mit der Fingerbeere sanft aber bestimmt geschlossen werden. Dazu müssen die Finger die Löcher treffen, d.h. sie müssen einen bestimmten Abstand zu einander haben. Manches vierjährige Kind weiß besser als Erstklässler, welches die rechte Hand ist, oder welcher Finger "Ringfinger" heißt. Kinder, die nie viel gemalt, gebastelt oder geknetet haben sind oft erschreckend verkrampft beim Festhalten der Flöte, die man ja mit denselben Fingern hält, die man beim Spielen dann ständig wieder von der Flöte lösen muss...

Das Anblasen bietet die nächste Überraschung: Es ist nicht so einfach, die Sensibilität für die richtige Luftmenge für einen schönen Ton zu erwerben, und auch bei der Interpretation des Begriffes "Mundstück" gibt es riesige Unterschied, kurz: wer behauptet, die Blockflöte sei ein ideales "Anfängerinstrument", hat entweder noch nie über Blockflöten oder über Kinder nachgedacht!

Natürlich beruht der Ruf dieses schönen Instrumentes, besonders geeignet für die Einführung in die Musik zu sein, auch auf der Erfindung der deutschen Griffweise. Ein wunderbarer Abstecher in die pädagogisierende Literatur, der alle wirklich begabten Kinder zu späterem Umlernen zwingt - garantiert.
Die Tatsache, dass ganze Schulklassen zum Benutzen der Blockflöte angehalten werden (wobei möglicherweise nicht alle Beteiligten gleich motiviert sind), soll aber auf keinen Fall heißen, dass die Blockflöte kein wunderbares Instrument ist, mit dem sich sehr wohl ein Einstieg in die Welt der Musik finden lässt. Nur banalisieren sollte man sie nicht!

"Populäre" Instrumente

Zu den "populären Instrumenten" gehören neben der Blockflöte (schon erledigt) Gitarre, Akkordeon und Keyboard. E-Gitarre steht auf der Wunschliste ganz vorne, regional werden in Deutschland auch Mandoline oder Zither unterrichtet.

Hier scheint Keyboard wieder benutzerfreundlich, weil es alleine steht. Was ich von der Einfachheit der Gitarre halte, kann man auf dieser Seite nachlesen, etwa unter Haltung, einem Abschnitt über das Denken oder über das Greifen.
Mandoline scheint ähnliche Probleme zu stellen, und ein Akkordeon zu bedienen sieht nicht wirklich leicht aus. Beide Hände müssen unterschiedliche Tasten tasten, während man mit den Armen "atmet", also den Balg bedient. Die größeren Exemplare sind auch noch schwer.

Diese "populären" Instrumente werden zum Objekt der Begierde, weil es cool zu sein scheint, sie zu spielen, einfach aussieht, oder weil die Eltern in die Richtung drängen. Leider sieht E-Gitarre nur einfach aus, in Wirklichkeit muss man arbeiten, um zu glänzen. Die Wahrheit ist einfach, dass alle Instrumente schwierig zu spielen sind, wenn man ein gewisses Niveau erreichen will.

Den genannten Instrumenten ist gemeinsam, dass es relativ egal scheint, mit welcher Technik und Haltung man sie spielt. Was kann man bei Schifferklavier oder Gitarre schon groß falsch machen?! Unglücklicherweise stimmt diese Annahme nicht: nicht nur Mangel an Fleiß, auch falsche Bewegungsabläufe können allen Fortschritten den Garaus machen.
Weiterhin hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass man diese Instrumente auch bei jemandem lernen kann, derselber nur über geringe Qualifikation verfügt. Kann man natürlich. Wie weit man dann kommt, und wie groß die Umwege werden zeigt sich dann im Laufe der Entwicklung.

Elternwünsche

Wie viele Instrumental - Karrieren fangen damit an, dass Eltern ihrem Nachwuchs eine Chance geben möchten, die sie selber gerne gehabt hätten! Aber Vorsicht: will das Kind überhaupt musizieren? Und - ja, das alte Klavier, die alte Gitarre ist noch da, aber das Kind möchte Geige spielen. "Nun fang doch erst mal mit Klavier an, und wenn das gut klappt, kannst du ja wechseln...".

Der große Bruder hat schon Gitarre gespielt, also fängt die kleine Schwester auch erst mal mit Gitarre an. Wie frustrierend kann das enden! Kinder sind unterschiedlich begabt, und die kleineren bleiben lange kleiner, und es dauert eine ganze Weile, bis sich abzeichnet "Die Lütte macht das ja echt besser!" Bis dahin ist der Frust vielleicht schon so groß, dass der Unterricht abgebrochen wird.

Was tun?

Was kann man Sinnvolles tun? Zunächst natürlich den Wünschen des Kindes nachgehen. Allzu extravagante Träume darf man vielleicht doch erst mal einer genaueren Überprüfung durch eine weniger aufwändige Variante unterziehen: ich hätte meinen Kindern sicher nicht sofort eine Konzertharfe gekauft... Aber grundsätzlich kann man doch

  • Instrumente bei Bekannten oder auf Musikschulveranstaltungen wie einem Tag der offenen Tür ausprobieren
  • Vorspiele und Konzerte mit dem Wunschinstrument besuchen
  • Im Unterricht bei ähnlich alten Kindern hospitieren
  • Erfahrenen Instrumentallehrern ein Loch in den Bauch fragen
  • Die Sache versuchsweise in Angriff nehmen

Probeunterricht oder Schnupperkurs sind schöne Möglichkeiten, einen "Kurztest" zu durchlaufen - ob die erhoffte große Liebe zum Baritonsaxophon wirklich hält, zeigt sich eher erst nach längerer Frist. Eine halbjährige Kündigungsfrist sollte einen nicht abschrecken, wenn man der Un-Kultur des "Alles eben mal ausprobieren und dann wieder fallenlassen" etwas entgegen setzen möchte.

Manche Instrumente haben eine sehr anziehende Aura, teilweise bei bestimmten Altersgruppen, auf andere trifft das Gegenteil zu. Die silberne, mit vielen Klappen ausgestattete Hi-Tech-Querflöte scheint vielen Grundschulkindern viel attraktiver als die olle Blockflöte, die mit angekautem Mundstück bei der Freundin in der Ecke herumliegt. Das eine Instrument kennt man halt, jeder spielt es, das andere ist teuer, glänzt, und klingt doch viel toller! Wenn man dann im Ernst anfängt, merkt man erst, wie schwierig die Tonproduktion bei der Querflöte ist. Und wer bekommt schon als Anfänger die Gelegenheit, mal eine wirklich gute (und teure) handgemachte Blockflöte zu probieren oder zumindest zu hören? Ähnliches gilt für die Gitarre: Instrumente minderer Qualität sind die Regel, besonders bei kleinen Gitarren, und das kann sehr wohl einen großen Unterschied machen!

Eine letzte Überlegung: Wir sind von Musik umgeben - von Musik aus der Dose. Manche Instrumente sind Kindern wahrscheinlich so bekannt, wie Großstadtkindern die Originalfarbe von Kühen. Ich will gar nicht Laute oder Gambe bemühen... Oboe oder Fagott sind zum Beispiel Orchesterinstrumente, die absolut gebraucht werden, aber kaum jemand lernt. Und - wenn man irgendwann gut spielt, ist auch ein wichtiges Kriterium, ob man gebraucht wird.
Also sollten Eltern, die ihr Kind bei dieser Suche unterstützen möchten, unbedingt versuchen, Instrumente live erlebbar zu machen, und auch die weniger bekannten Instrumente aufspüren helfen.

Die Einsatzmöglichkeiten eines Instrumentes sollten bei der Suche nach dem richtigen unbedingt mit einbezogen werden! Mit einer Geige kann man neben Klassik auch Jazz machen, man kann barocke Kammermusik spielen, Streichquartett, Folk, Orchestermusik, einfach alles. Wenn sich jemand für Oboe interessiert, sollte man ihm vielleicht an "Twist in my sobriety" oder an der Band "Oregon" mit dem Oboisten Paul McCandless zeigen, dass man mit ihr nicht nur Klassik spielen kann.

Aber das erste Kriterium bleibt: man muss sich verlieben und die Liebe muss einen gewissen "Dauertest" bestehen!