Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Enharmonische Modulation mit dem übermäßigen Dreiklang

C-Dur-Kadenz mit D5#

Der übermäßige Dreiklang entsteht leitereigen auf der dritten Stufe der harmonischen Molltonleiter. In A-Moll heißt er also zum Beispiel c-e-gis.

Durch enharmonische Umdeutung gehört er in dominantischer Funktion sechs verschiedenen Tonarten an. Im einfachsten Falle folgt auf eine Dominante mit hochalterierter Quinte die normale Tonika wie im Beispiel rechts.

Der Dreiklang c-e-gis ist in A-Moll natürlich nicht die Dominante; in dieser Form könnte er als Zwischendominante zum Tonikagegenklang F-Dur stehen. Wenn man das c enharmonisch zu his verwandelt, hat man aber die Dominante mit übermäßiger Quinte von A-Moll vor sich.

Modulationsmöglichkeiten

Möchte man mit dem übermäßigen Dreiklang modulieren, muss man also einen oder zwei seiner Töne umdeuten.

Im ersten Beispiel wird der Grundton g zum fisis verwandelt, der neue zu verdoppelnde Grundton ist das h, und so kommt man in eine Kadenz in E-Moll:

Beispiel 58: Von C-Dur nach E-Moll.
Von C-Dur nach E-Moll

Um von C-Dur nach As-Dur zu kommen, wird die alterierte Dominante g-h-dis in es-g-h umgedeutet.

Beispiel 59 Von C-Dur nach As-Dur.
Von C-Dur nach As-Dur

Der Weg von C-Dur nach C-Moll ist am unkompliziertesten, da die Dominante in beiden Fällen gleich ist. Es stellt sich die Frage, ob hier überhaupt eine enharmonische Modulation vorliegt oder ganz banal die Variante angesteuert wird - bei H. Grabner ist dieses Ziel bei den Möglichkeiten der Modulation mit D5♯ mit aufgeführt.

Beispiel 60 Von C-Dur nach C-Moll.
Von C-Dur nach C-Moll

Um E-Dur zu erreichen, wird das g in fisis umgedeutet und h als neuer Basston angenommen, wie bei der Modulation nach E-Moll.

Beispiel 61 Von C-Dur nach E-Dur.
Von C-Dur nach E-Dur
Beispiel 62 Von C-Dur nach Gis-Moll.

Im letzten Beispiel wird g-h-dis in dis-fisis-aisis verwandelt, zur Dominante mit übermäßiger Quinte in Gis-Moll.

Von C-Dur nach Gis-Moll

Nähme man hier die Töne als es-g-h, gelänge man nach As-Moll (der enharmonischen Verwechslung von Gis-Moll), einer Tonart mit sieben s. Dann hätte man drei "Zielpaare": C-Dur / C-Moll, E-Dur / E-Moll und As-Dur und As-Moll. Was bei H. Grabner nach tonartlichem Umfeld (Ziel: C-Dur und dessen Dominantparallele E-Moll) geordnet ist, wäre dann nach Dur- und Mollvarianten zu sortieren.

Beispiele als PDF für Klavier und Gitarre.