Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Unterteilungen

Innerhalb der Takte stehen einzelne Noten, die sich zu metrischen Figuren gruppieren, die unterschiedlich lang sind und in bestimmten Verhältnissen zu einander stehen, regulär oder anders unterteilt werden können, verlängert werden oder Figuren wie Hemiolen oder Synkopen bilden. Um diese Unterteilungen im Kleinen geht es in den nächsten Abschnitten.

Notenwerte

Zeit messen wir in Einheiten wie Minuten und Sekunden, Musiker haben ein System von relativen Zeiteinheiten entwickelt. "Relativ" bedeutet: es kommt auf das Grundtempo an. Auch dieses System ist enorm praxisbezogen und durchdacht, wie das der Tonhöhendarstellung. Die Form der Note, ausgefüllt, mit Hals, mit Fähnchen oder Balken, gibt die Tondauer an. Von einem Wert zum nächsten wird die Dauer jeweils halbiert bzw. verdoppelt.

Die Ganze

Versuchen wir mal zu erklären:
Da wir alle wissen, dass vier Viertel von einer Torte eine ganze Torte ergeben, halten wir einen 4/4-Takt für den Normalfall, in dem die Welt in Ordnung ist. Deshalb werden die Notenwerte im Verhältnis zu einem 4/4-Takt berechnet.

Ein 4/4-Takt hat vier Schläge (weil der Dirigent den Takt schlägt), und somit hat eine Ganze Note ebenfalls vier Schläge. Die Halbe hat zwei, die Viertel einen, und die kleineren Notenwerte teilen sich einen Schlag. Vierundsechzigstelnoten (nicht in der Grafik) teilen sich zu sechzehnt einen Viertelschlag, in einen 4/4-Takt passen ihrer 64. Eine Tabelle wie die folgende hat jeder schon gesehen:

Tabelle Notenwerte

Es sind noch ein paar zusätzliche Erklärungen nötig:

  1. Die Ganze Note ist nicht der größte Notenwert - es gibt eine Doppelganze.
  2. Die Bezeichnung "Ganze Note" kann zwei Bedeutungen haben!
    • Erstens: eine Note, die vier Viertelschläge dauert.
    • Zweitens: eine Note, die einen ganzen Takt dauert. Man kann prinzipiell in einem 6/8-Takt eine Ganze Note setzen, die dann den Wert von sechs Achteln hat. Allerdings sollte man sich bemühen, Missverständnisse zu vermeiden.
  3. Man kann längere Noten aller möglichen Werte erzeugen, indem man zwei oder mehr Noten mittels Haltebogen verbindet.

Gerade Taktarten und Dreier

Für die Menschen des Mittelalters war übrigens der Dreiertakt das "Tempus perfectum", wegen der heiligen Dreifaltigkeit - "Tempus imperfectum" ist dem entsprechend ein grader Takt. Trotzdem war meines Wissens nie die Viertel punktiert die Halbe Note (als Hälfte eines 3/4-Taktes). Die körperlichen Grundlagen von Rhythmus und "Taktgefühl", vor allem unser Gehen auf zwei Beinen, waren hier wohl der stärkere Einfluss.

Das System sei "praxisbezogen und durchdacht", habe ich oben behauptet. Zählt man die in der Tabelle fehlenden 64tel mit, muss der Musiker im Orchester, der gerade beginnt, eine längere Oper zu spielen, im Verlaufe des Abends sieben verschiedene Notenwerte sofort auseinander halten können. Das scheint ja seit längerer Zeit grundsätzlich zu klappen, was bedeutet, dass die Menge an auftauchenden Zeichen oder Daten für das Gehirn eines musikalisch begabten Menschen zu verarbeiten ist. Aber die aufgeführten sieben Notenwerte sind noch nicht mal die halbe Wahrheit!

Irreguläre Teilungen

Triolen

Man kann einen Notenwert nicht nur in zwei kleinere halbieren, man kann ihn auch anders unterteilen! Die häufigste Teilung neben der durch zwei ist die Triole. Das Wort bedeutet, dass anstelle von zwei kleineren Werten drei ihren Zeitraum einnehmen. Es kommen also zum Beispiel auf eine Viertel drei statt zwei Achtelnoten. Das sieht dann so aus: man schreibt drei statt zwei Achtelnoten und setzt eine Klammer oder einen Bogen mit der Ziffer "3" darüber.
Bei den Mididateien zum Anhören habe ich eine Trommel dazu gebastelt, die den Grundschlag markiert.

Und es gibt natürlich nicht nur Achteltriolen. Man kann drei Halbe setzen, wo sonst zwei stehen, drei 32tel anstelle von zweien usw. Wenn man ein bisschen überlegt kommt man unweigerlich zu folgenden Schlüssen: Da bei einer Triole aus Halben 3 Noten in einen Takt passen, muss es sich um "Drittelnoten" handeln, Vierteltriolen passen 6 in einen Takt, also sind das Sechstelnoten, dann gibt es noch Zwölftelnoten, 24telnoten, 48telnoten usw. Man nennt sie aber nicht so!

verschiedene Triolen

In der unteren Notenzeile steht immer der "normale Bezugsnotenwert". In der Datei zum Anhören erklingt die obere Zeile als Gitarre, die "Bezugsnotenwerte" darunter als Tom, und eine Glocke schlägt durchgehende Viertel.

Reizüberflutung

Hätten all diese Notenwerte eigene Zeichen, müsste sich der Musiker nicht mit sieben Notenwerten, sondern mit, na sagen wir knapp der doppelten Menge herumärgern. Und die Wahrscheinlichkeit in der Praxis zu scheitern wäre groß. Wobei noch nicht erwähnt wurde, dass es auch den umgekehrten Fall gibt: zwei Noten dort wo sonst drei stehen (Duole), oder vier (Quartole) anstelle von dreien (allgemein: gerade Teilung statt einer ungeraden). Um Quintolen, Sextolen, und die, bei denen der Komponist einfach schreibt "11:10" zu verschweigen...

ungerade Rhythmen

Beim Anhören dieser Beispiele erklingt jeder Takt zweimal, die Tonhöhe der Begleittrommel ändert sich bei den ungewöhnlichen Teilungen, und bei jedem Taktwechsel gibt es einen Takt Pause.

Duolen bei Telemann

Im 6. Satz der ersten Partita aus der kleinen Kammermusik von G. Ph. Telemann gibt es hübsche Duolen - anhören:

In der Renaissance gab es Verfahren, ungewöhnliche Notenteilungen zu kolorieren, also z.B. rot einzufärben. Heute deutet man die irregulären Teilungen durch Klammern mit arabischen Ziffern an, wie oben in den Notenbildern zu sehen. Jedenfalls gibt es keine neuen Zeichen, und das ist auch gut so. Es ist doch auch ganz schön, dass man für die Laute der Schriftsprache in Bär, Tür, Öse, Leute, Läuten, Moin, Maul, Meile, Mai, Mayer etc. nicht extra Buchstaben erfunden hat!

Punktierungen und Haltebogen

Das sind immer noch nicht alle Gemeinheiten, die auf den Lernenden in der Welt des Rhythmus warten. Steht ein Punkt hinter einer Note, verlängert sich deren Wert um die Hälfte. Aus einer Halben wird eine Halbe + Viertel, also eine Note, die drei Schläge dauert; aus einer Viertel wird durch den Punkt eine Note, die die Länge von drei Achteln hat. Eine doppelt punktierte Halbe zählt eine Halbe + eine Viertel + eine Achtel; es kommt also die Hälfte und die Hälfte der Hälfte dazu.

Punktierungen

Haltebogen oder Ligaturen

Und es gibt immer noch Dinge, die man nicht schreiben kann, ohne einen weiteren Trick zu erfinden: den Haltebogen. Er verbindet zwei Noten gleicher Tonhöhe, die dann als ein Ton gespielt werden. Man macht dies, um Notenlängen zu schreiben, die sonst nicht machbar wären, um Noten in einen neuen Takt hinüber zu halten oder um die Lesbarkeit zu verbessern. Besonders in der sogenannten U-Musik (Unterhaltungsmusik), in der der Rhythmus oft gegen den Takt geht und so Spannung erzeugt, sind die Rhythmen leichter zu deuten, wenn sie als Überbindungen geschrieben werden. Tatsächlich klingen viele Popstücke wie Kinderlieder, wenn man sie rhythmisch "begradigt"; anders herum kann man auch "Hänschen klein" als Jazzstück spielen.

Bindungen