Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Übungen

Nach dem Vorstellen der Lerntipps "Takt klopfen, Zählzeiten laut sagen und dirigieren" kommen jetzt konkrete Übungsvorschläge. Es sind nur Vorschläge und Ideen: es geht darum, sich Material selbst herzustellen. Dazu braucht man nur Notenpapier, groß oder klein, Bleistift und Lernwillen!

Vorgefertigte Übungen sind natürlich auch schön, aber wenn man selber Noten in dem Schwierigkeitsbereich schreibt, den man gerade bewältigen kann überfordert man sich nicht und trainiert die eigene Kreativität.

Einfache rhythmische Muster trainieren

Mein erster Tipp: einfache rhythmische Grundmuster üben. Ganz einfache Figuren wiederholen, vielleicht auf unterschiedlichen Tonhöhen, und daran zählen, klopfen und dirigieren üben.

Muster 1

Das erste Grundmuster im 4/4 - Takt ist "Viertel - Viertel - Halbe". Unter den Noten stehen die Zählzeiten, darunter die Zeichen für den Fuß (die letzlich mit den Zählzeiten zusammen fallen), über den Noten stehen noch mal die "Dirigierpfeile".
Man kann die Noten spielen, klatschen oder singen, auf alle Fälle sollte man sie auf jede Art so lange üben, bis man sie verinnerlicht hat.

Das Grundmuster 2 ist nicht schwieriger, die Halbe Note steht hier am Anfang des Taktes:

Muster 2

Hier stehen nur noch die Zählzeiten unter den Noten, aber man sollte wieder mit dem Fuß und dirigieren üben.

Tatsächlich kann man die zwei Notenwerte noch auf eine dritte Art gruppieren, und zwar so, dass man eine Synkope erhält:

Muster 3

Da hier die zweitwichtigste Zählzeit des Taktes, die "Drei" keine eigene Note erhält, sondern der Ton von der "Zwei" gehalten werden muss, ist diese Übung aber schon schwieriger.

Ein letztes Beispiel, diesmal mit Achteln als drittem Notenwert und den "F" für den Fuß zur Verdeutlichung unter den Zählzeiten - weitere Übungen kann und sollte sich jeder nach Lust und Laune selbst ausdenken. Mit Halben, Vierteln, Achteln und den beiden ersten als punktierte Noten kann man schon viele Variationen erstellen! Außerdem kann man auch Dreiertakte, oder 6/4 oder gar mal einen 5/4 - Takt nehmen.

Muster 4

Der Witz an der Sache ist, dass man nicht in jedem Takt mit etwas Neuem konfrontiert wird, was hoffentlich hilft, wenn man große Schwierigkeiten hat, zu spielen UND dabei zu zählen bzw. den Takt zu klopfen. Man muss sich die Unabhängigkeit erkämpfen!

Takte erfinden

Mein nächster Übungsvorschlag zum Begreifen der rhytmischen Ebene von Musik wäre, sich Takte auszudenken. Komposition auf niedrigster Stufe: es geht nicht um Kreativität, sondern erst mal nur um richtiges Ergänzen.

Kochen wir eine Suppe von einigen Takten legen dafür vorher die Zutaten fest! Wir schreiben im 4/4 Takt, und dürfen dafür Ganze, Halbe, Halbe punktiert, Viertel, Viertel punktiert, Achtel und die entsprechenden Pausen benutzen.

Schreibe erst mal vier Takte mit ordentlichen Zählzeiten und den "und" dazwischen auf! Bescheidenheit ist eine Zier - so wie ich beim Abzählen von Intervallen empfehle, die Finger zu benutzen, kann ich hier nur sagen: wenn man die Zählzeiten oder die Schläge oft genug schriftlich fixiert hat, "sieht" man dieses Raster irgendwann um so schneller, obwohl es nicht da steht!

Rhythmussuppe 1

Jetzt gebe ich mal ein paar Notenzeichen vor, und der Rest muss ergänzt werden...

Rhythmussuppe 2

EINE Lösungsmöglichkeit wäre die unten - die blauen Noten habe ich mir neu ausgedacht. Dabei stelle ich fest - ups, der letzte Takt war ja schon "voll"!

Rhythmussuppe 3

Natürlich werde ich als nächstes die erfundenen Takte "üben", also ein paar Mal klatschen oder auf einem Instrument spielen, und dabei die Zählzeiten sagen und / oder mit dem Fuß den Grundschlag dazu klopfen. Dabei kann ich zunächst alle Zählzeiten sagen, also "1 und 2 und..." und danach die "und" für die zwischen den Vierteln liegenden Achtel weglassen. Das ist schwieriger!

Wenn man die Palette der "erlaubten" Notenwerte um Sechzehntel, Zweiundreißigstel, Triolen und dergleichen erweitert, kann man seine Entdeckungstouren immer schwieriger gestalten.

Zweistimmige Übungen

Wenn man sich zweistimmige Übungen ausdenkt, ist das Reproduzieren hinterher etwas anders, denn man braucht zwei Hände und muss dabei zählen oder die Zählzeiten klopfen.
Hier drei Anregungen, die du gerne mal üben darfst, um sie danach mit den Midi-Dateien zu überprüfen. Zu dieser Thematik gibt es auch ganze Bücher wie "Flip-a-rhythm" von Sheila Nelson, aber eigentlich braucht man dazu weder Buch noch Internet, sondern nur Papier, Bleistift und Fantasie!

Rhythmus zweihändig 1

Ein ganz einfaches Beispiel zum Einstieg. Die Datei zum Anhören beginnt mit einem Vorzähler in der zweiten Stimme aus vier Vierteln, die obere Stimme ist als Klaviersound, die untere als Trommel gespeichert.

Rhythmus zweihändig 2

Die zweite Übung ist schon ziemlich verwegen mit den Triolen im dritten Takt! Anhören, wieder mit einem Vorzähler aus 4 Vierteln.

Rhythmus zweihändig 3

Dreivierteltakt, Pausen, eine Synkope - für Nummer 3 man wähle ein gemäßigtes Tempo! Anhören mit zwei Takten Vorzähler!

Sind zweistimmige Aufgaben grundsätzlich schwieriger als einstimmige? Klavierspieler sind rhythmisch häufig nicht so fit wie Saxophonisten, weil sie sich mit der "einen Hand an der anderen entlang hangeln"...

Beispiel 1 oben ist ja denkbar einfach: auf jeder Zählzeit passiert etwas, man braucht eigentlich gar nicht zu zählen, wenn man die Rhythmen "addiert". Wäre die Übung auf zwei Instrumentalisten verteilt, müsste jeder für sich zählen und spielen, aber ein Spieler allein muss nur schauen, wann welche Hand klopft.

Der Rhythmus der rechten Hand im 2. Satz von Mozarts C-Dur - Klaviersonate an sich ist ja nicht so einfach, aber da die linke Hand zerlegte Dreiklänge in Sechzehnteln spielt, muss man die rechte nur koordiniert platzieren:

Mozart 2. Satz

Einfache Lieder rhythmisch notieren

Komplizierte Rhythmusdiktate, die man für Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen bewältigen muss sind eine heikle Sache. Ein bekanntes Lied rhythmisch zu notieren könnte eine gute Einstiegsübung sein. Nehmen wir einige Beispiele in Angriff!

Hänsel und Gretel

"Hänsel und Gretel" ist ein Kinder- oder Volkslied, das man vielleicht im Ohr hat, und zu dem man garantiert Noten im Internet findet - es unterliegt ja keinem Copyright. Damit kann man überprüfen, ob man richtig notiert hat.

Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald.
Es war so finster und auch so bitter kalt.
Sie kamen an ein Häuschen von Pfefferkuchen fein.
Wer mag der Herr wohl von diesem Häuschen sein?

Sprich dir zunächst die Anfangszeile im richtigen Rhythmus vor:
Hän- - sel und Gre- - tel verliefen sich im Wald - - -.
Mit den Gedankenstrichen möchte ich andeuten, dass diese Silben im Lied länger sind als die anderen.

Versuche durch taktschlagen, dirigieren oder mitzählen "im Kopf" herauszufinden, in welcher Taktart das Lied zu notieren ist! Ist es ein grader Takt, oder ein "Dreier"? Beginnt das Lied auftaktig?

Kann man das ohne Noten aufschreiben? Versuchen wir einen Dreiertakt:

Hänsel und Gretel im Dreier

Das wirkt nicht sehr plausibel. Meine Textversion mit den ergänzten Bindestrichen lässt sich in einen 4/4 - Takt einpassen:

Hänsel und Gretel im Vierer

Nehmen wir endgültig Noten zur Hilfe:

Hänsel und Gretel

So ähnlich müsste der Rhythmus doch aussehen! Ob im vierten Takt eine ganze Note steht, oder eine Halbe mit einer halben Pause zum Luft holen sei mal dahin gestellt, aber ansonsten kann man sich jetzt an den Rest der Geschichte machen.

Kein schöner Land

Etwas schwieriger zu notieren ist "Kein schöner Land in dieser Zeit", jenes Lied von Zuccalmaglio, bei dem sich Kinder immer über das merkwürdige Deutsch wundern.

Kein schöner Land in dieser Zeit,
als hier das unsre weit und breit,
wo wir uns finden wohl wir unter Linden zur Abendzeit,
wo wir uns finden wohl wir unter Linden zur Abendzeit.

Als erstes muss man darauf kommen, dass die erste Silbe "Kein" nicht auf der Eins welcher Taktart auch immer steht.
Wenn man sich dazu durchgerungen hat, dass "Land" die erste wirklich betonte Silbe, also die Eins des ersten Taktes ist, merkt man sicher bald, das "Zeit" die nächste Eins darstellt:

Kein schö - ner | Land in die - ser | Zeit, ...

Dann entdeckt man, dass Kein schö-ner drei gleich lange Silben und ein Auftakt sind, während Land in größere Notenwerte brauchen, und die-ser dann wieder auf zwei kürzere Notenwerte kommt. Die nächste Textzeile Als hier das uns-re weit und breit funktioniert genauso wie die erste.

Wenn Land in die-ser zusammen einen Takt einnehmen, muss man herausfinden, um wie viel größer die Notenwerte der beiden ersten im Vergleich zu den beiden letzten Silben sind. Wieder findest du durch dirigieren, zählen oder klopfen mit dem Fuß hoffentlich die Lösung: sie sind doppelt so lang. Es könnten also zwei Viertel und zwei Achtel in den Takt gehören, oder auch zwei Halbe und zwei Viertel - Hauptsache die einen sind doppelt so lang wie die anderen.

Damit kämen wir auf einen Dreivierteltakt - oder sollte es doch ein 6/8 - Takt sein? Man merkt ja schnell, dass die drei Auftaktnoten Kein schö-ner> die gleiche Länge haben wie die von die-ser, und das gäbe dann 3 Achtel Auftakt - das deutet auf einen 6/8 - Takt hin.

Ich würde trotzdem den 3/4-Takt als Lösung annehmen, denn die Betonung innerhalb des Auftaktes liegt doch bei schö- und nicht bei Kein, und in der folgenden Zeile ebenso bei hier und nicht bei als, oder? Schreiben wir die erste Zeile als Rhythmus auf:

Kein schöner Land

Schwierigkeitsgrade

Dieses zweite Beispiel war natürlich wegen des Auftaktes und der ungeraden Taktart viel anspruchsvoller als das erste. Wenn man noch mehr Stress haben möchte, greife man zu einem Lied, das auch noch Triolen enthält, wie zum Beispiel "Amazing Grace".

"Der Mond ist aufgegangen" oder "Morgen kommt der Weihnachtsmann" wären ähnlich einfach wie "Hänsel und Gretel", während "O Tannenbaum" mit seinen punktierten Vierteln und Achteln, und sogar punktierten Achteln, die durch Sechzehntelnoten ergänzt werden, eine ganz anderere Gewichtsklasse repräsentiert.
Außerdem wird der "Tannenbaum" oft "zurechtgesungen", will sagen: jeder singt es anders und wie er magt, der eine macht hier eine Punktierung mehr, der andere glättet dort...

Zu den "zurechtgesungenen" Kinderliedern gehört auch das unverwüstliche "Alle Leut' gehn jetzt nach Haus", das so manche Kindergartenrunde beendet. Hier wird oft am Anfang ordentlich der 3/4-Takt eingehalten, während bei der Textstelle Gro - ße Leut', klei - ne Leut', dick - e Leut', dün - ne Leut' viele statt des Apostroph Leut' zu Leu - te verändern, und schon singt man hier im 4/4 - Takt. Wenn man dieses Lied also brav, aber "falsch" aufschreibt, merkt man vielleicht beim Überprüfen "O, das singen wohl manche Leute anders?!"

zurechtgesungen

Kuckuck - Motivarbeit

"Kuckuck ruft's aus dem Wald" kann man zum Anlass nehmen, über rhythmische Motive und den Begriff "Metrum" nachzudenken.

Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald.
Lasset uns singen, tanzen und springen!
Frühling, Frühling wird es nun bald.
Kuckuck

Das Lied beginnt ja mit dem Metrum oder Motiv "kurz - lang", das bei den Worten sing-en und sprin-gen umgedreht wird. Man nennt das "Krebs", wobei es hier nur um den Rhythmus geht - melodisch ist es kein Krebs!

Das Motiv wird also umgedreht zu "lang - kurz", und dieses Motiv wird dann für den Beginn der dritten Liedzeile Früh-ling benutzt, wobei die Tonhöhen so bleiben wie in der ersten Zeile. Die dritte ist also eine variierte Wiederholung der ersten Zeile - ganz schön tückisch!

Wenn das Lied dann noch in zwei Zeilen notiert wird, was aus Platzgründen häufig geschieht, ist der Beginn des dritten Teiles gar nicht mal so offensichtlich - die Grenze ist ja der Taktstrich zwischen sprin-gen! und Frühling, und genau hier bringt die Melodie dreimal die Tonfolge "d-h", was den Einschnitt zusätzlich verschleiert!

Ich schreibe das Lied mal rhythmisch ohne großes Brimborium auf, denn jeder kommt schnell dahinter, dass es im Dreiertakt steht, Halbe, Halbe punktiert und Viertel enthält, und durch die Motivanalyse ist es schnell durchschaut.

Zur Verdeutlichung habe ich das Motiv "kurz - lang" blau eingefärbt, und die Krebsform "lang - kurz" grün.

Über bekannte Lieder nachzudenken, genau zu überlegen und dabei alle verfügbaren Mittel bei der Detektivarbeit einzusetzen kann sehr hilfreich sein, wenn man Kenntnisse über die rhythmische Ebene gewinnen will. Viel lesen ist nett, aber man muss selber etwas praktisch tun!

Übungen mit dem Körper

Du hast große Schwierigkeiten, Rhythmen korrekt wiederzugeben? Wenn du mit dem Fuß den Takt auf dem Boden schlägst, zuckt der Fuß bei Achteln, die du auf dem Instrument spielst immer mit, und bei Halben bleibt er auf dem Boden? Beim lauten Zählen kommst du mit den Zahlen oder den Tönen oder beidem durcheinander?

Probiere doch mal die folgenden Übungen mit Hand und Fuß!

Während die ersten Übungen so einfach sind, dass man denkt "Das bringt ja nichts!", wird es schnell schwieriger, wenn man mit den Händen etwas anderes klatschen soll als man mit den Füßen geht.

Also: Aufstehen, entweder auf der Stelle oder im Raum herum gehen, bei den Schritten die Zählzeiten des 4/4-Taktes laut sagen und dabei klatschen. Die Hände bleiben so lange zusammen, wie der Notenwert dauert. Dadurch verhinderst du, den nächsten Ton zu früh zu klatschen!
Es besteht die Gefahr, dass man so etwas albern findet, aber keine Angst: der Punkt, an dem man "Hä? Wie soll das denn gehen?!" sagt kommt früh genug!

Die Hand & Fuß - Grafiken sind hoffentlich groß genug, dass man sich vor den Bildschirm stellen und alles erkennen kann! Los geht's!


Viertel
1. Viertelnoten.

Bei der ersten Übung klatscht du mit den Händen Viertel, während du mit den Füßen in Vierteln gehst. Das ist leicht. Rechts ein Notenbeispiel für die Gitarre. Dabei übernimmt die leere A-Saite den Part der Füße, und die hohe e-Saite den des Händeklatschens.
Du kannst die Übungen also auch am Instrument machen, aber die Variante im Stehen ist der härtere Kampf gegen die Blockaden!

Viertel 2

Halbe
2. Halbe.

Halbe Noten gegen die Viertel in den Füßen zu klatschen ist auch noch nicht so schwierig, aber man muss immer eine Zählzeit auslassen. Lasse die Hände zusammen bis kurz vor der nächsten Halben, analog zum Klavierspielen: man hört den Ton nur so lange, wie man die Taste gedrückt hält. Dann kommt der nächste Ton nicht zu früh!

Halbe 2

Achtel
3. Achtel.

Wenn man Achtel klatschen soll, während man in Vierteln geht, ist das Gehirn schon etwas mehr gefordert. Kinder haben dabei häufig Schwierigkeiten, mit den Füßen nicht auch in Achteln zu trippeln.
Man zählt "1 und 2 und 3 und 4 und" um alle Achtel mit einer Zählsilbe zu treffen. Wenn man es sich zutraut, kann man nach einiger Zeit probieren, das Wort "und" beim Zählen weg zu lassen.

Achtel 2
Viertel-Achtel Gruppen

Wer bis hierhin ohne Probleme gekommen ist, sollte mal "auf Zuruf" (in der Gruppe) den fliegenden Wechsel zwischen Vierteln, Halben und Achteln üben. Man hört nicht auf mit dem Gehen, und wechselt zwischen den Notenwerten.

Natürlich kann man nach den durchgehenden Achteln auch mal die Rhythmen "1 Viertel, 2 Achtel" oder das Gegenstück "2 Achtel, 1 Viertel" trainieren, die man rechts in Noten sieht.


Viertel punktiert
4. Viertel punktiert.

So, punktierte Viertel mit der ergänzenden Achtelnote marschierend zu klatschen ist vielleicht das erste ernst zu nehmende Problem. Wenn du ins Stolpern kommst oder spontanen Impulsen folgend öfter klatschen willst als gefordert, musst du das Tempo reduzieren und dich konzentrieren. Das laute Zählen hast du doch nicht vergessen? Es gehört zum Job dazu!

Übe auch die umgekehrte Fassung, den rhythmischen Krebs "Achtel - viertel punktiert"!

Viertel punktiert 2

Sechzehntel
5. Sechzehntel.

Sechzehntelnoten sind wieder simpel, man klatscht bei jedem Schritt vier Mal.
Ja, die Zählzeiten sind völlig falsch geschrieben! Aber wenn man "ein-se un-de..." sagt, kommt die Sprache nicht energisch genug, und rhythmische Genauigkeit hat nun mal viel mit Energie und "Knack" zu tun. Lahm darf man bei dieser Arbeit nicht sein!

Sechzehntel 2

Obwohl zwischen den Zählsilben Lücken sind, muss man lückenlos zählen! Ich wollte die Zahlen grafisch etwas absetzen, aber der Abstand zwischen "-te" und "2" ist keineswegs größer als zwischen "un" und "-te"!


Synkope
6. Synkopen.

Eine Synkope ist eigentlich nur eine Folge von Vierteln und Achteln, aber sie hat so eine charakteristische rhythmische Gestalt, dass es eben diesen besonderen Namen für sie gibt. Sie ist noch anspruchsvoller als die punktierten Viertel.

Synkope 2

Ueberbindung
7. Überbindungen.

Überbindungen führen dazu, dass der Rhythmus der Hände gegen den der Füße geführt wird. Nur auf der Eins des Taktes kommen beide zusammen.
Wer mag, kann zur Abwechslung auch zur Eins des Folgetaktes hin überbinden. Das bringt zusätzliche Routine.

Ueberbindung 2

Triolen
8. Triolen.

Man kann Noten nicht nur binär unterteilen, sondern auch ungerade. Die Achteltriole ist die am einfachsten umzusetzende Variante: drei Noten kommen auf eine Viertel, wo sonst zwei Platz hatten. Zum Zählen schlage ich "ei-ner-lei zwei-er-lei..." vor. Das klingt wieder sehr lustig, hilft aber. Genau bei den Zahlen sollte der Fuß auf dem Boden landen.

Triolen 2

Swing
9. Swing.

Dies ist eine Körperübung zum Thema Swing / Jazz / Blues... und zur Musik des Barock in Frankreich! Bitte eben den Abschnitt darüber lesen, falls einem das nichts sagt.

Im Jazz werden normal notierte Achtel meistens nicht gerade, sondern so gespielt, dass die erste länger und die zweite entsprechend kürzer ist. Das hier gegebene triolische Verhältnis ist kein Muss, aber erst mal die einfachste Variante.
Verglichen mit der vorigen Übung wird hier einfach die zweite Achtel der Triole ausgelassen.

Swing 2

Zwei gegen Drei
10. Zwei gegen Drei.

Es folgen noch zwei wirklich schwierige Übungen: Vierteltriolen gegen normale Viertel. Zunächst bleiben die Viertel "im Bass". Wenn man mit dieser Situation zählend zurecht kommen möchte, muss man das KGV, das kleinste gemeinsame Vielfache der Zahlen 2 und 3 bilden. Das habe ich in einem Kapitel mit Hörbeispielen zu erklären versucht.

Im Notenbeispiel stehen die Ziffern des KGV zwischen den Stimmen und die normalen Zählzeiten unter den Basstönen. In der "Körpergrafik" stehen die Zählzeiten in den Füßen.
Die Schritte müssen auf die Ziffern 1 und 4, das Klatschen auf 1, 3 und 5 kommen, dann wird es richtig. Viel Spaß!

Zwei gegen Drei 2

Zwei gegen Drei umgekehrt
11. Zwei gegen Drei umgekehrt.

Dieselbe Geschichte wie eben, nur anders herum: die normalen Viertelnoten stehen oben beziehungsweise werden von den Händen geklatscht, die Triolenviertel liegen im Bass / sind zu gehen. Wer das im fliegenden Wechsel schafft, kann stolz auf sich sein! Auch mit zwei Händen üben, und dabei unterschiedliche Klangfarben wie Tisch und Oberschenkel nutzen.

Die vier Zählzeiten stehen diesmal über der Oberstimme beziehungsweise in grün unter den Händen.

Zwei gegen Drei umgekehrt 2

Ich muss zugeben, dass ich im Unterricht mit Erwachsenen bisher noch nicht so kühn war, den Schülern diese Akrobatik abzuverlangen. Es macht auch in Gruppen mehr Spaß, und erwachsene Schüler treten leider selten in Gruppen auf.

Fast alle Menschen zieren sich bei solchem Tun. Dabei halte ich diese Übungen, genauso wie das laute Zählen beim Spielen und das Taktschlagen mit dem Fuß für extrem hilfreich. Es gilt, die Koordination zu entwickeln, es gilt Widerstände zu überwinden, die sich dem Lernenden in den Weg stellen! Solche Anforderungen werden eigentlich nicht mal beim Tanzen an einen gestellt, denn dabei führt man mit dem Körper ja einen Rhythmus, nämlich die Schrittfolge aus, die zwar zur Musik passen sollte, aber ein zweiter Gegenrhythmus ist dabei selten gefordert.

Wer die Übungen macht, bis er sie kann, wird mit den Rhythmen seiner Instrumentalstücke sicher weniger Schwierigkeiten haben.