Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Der Dur - Quintenzirkel

Bestimmt hast Du schon darüber nachgedacht, dass die Tonarten Fis-Dur und Ges-Dur irgendwie deckungsgleich sind. Wenn man sie auf einem Tasteninstrument spielt, benutzt man jedenfalls die gleichen Tasten. Man geht von C-Dur aus in Quinten aufwärts und konstruiert die Kreuztonarten, man geht von C-Dur aus in Quinten abwärts und entdeckt die -Tonarten, und kommt auf beiden Wegen an einem Punkt an: ein Kreis schließt sich.

Das Ding, das auf diese Art entstanden ist, heißt Quintenzirkel, und wird gerne so dargestellt:

Quintenzirkel Dur

Die Tonarten folgen jeweils im Quintabstand aufeinander, ebenso die Vorzeichen:
Wenn du beim Pfeil bei F-Dur beginnst, kannst du die Reihenfolge der Kreuze ablesen: fis - cis - gis - dis - ais - eis - his.

Die Reihe der s lautet b - es - as - des - ges - ces - fes . Beginne beim Pfeil bei H-Dur mit dem Ablesen.

Wenn man die Tonarten als Dreiklänge liest, sieht man rechts von jedem Dreiklang seine Dominante, links seine Subdominante. Beispiel:
Wenn C die Tonika ist, ist G die Dominante und F die Subdominante.
Wenn A die Tonika ist, ist E die Dominante und D die Subdominante.

Der Quintenzirkel enthält soweit schon mal einige nützliche Informationen, zu denen aber noch eine Menge mehr hinzukommen werden! Siehe auch unter:

Quintenzirkel Dur & Moll  Quintenzirkel vertikal  Quintenreihe

Der Kreis ist eine Spirale.

Eigentlich ist der Quintenzirkel keineswegs ein geschlossener Kreis. Die reine Quinte als Oberton ist als Intervall im Verhältnis zur Oktave ein bisschen zu groß. Wenn man also tatsächlich bei ges beginnend zwölf Quinten übereinander stapelt und die entsprechende Menge Oktaven daneben stellt, ist das erreichte fis deutlich höher als das ges. Der sogenannte Quintenzirkel ist in Wirklichkeit eine Spirale, die sich nach oben und unten langsam immer weiter auseinander schraubt. Diese Tatsache braucht man aber für den Gebrauch des Quintenzirkels nicht weiter zu beachten. Die gleichschwebend temperierte Stimmung, die wir heute benutzen sorgt dafür, dass man von B-Dur nach D-Dur modulieren kann oder von E nach As - die Grenze zwischen Kreuz- und -Tonarten ist dabei für Spieler, die diese Stimmung nutzen nicht wirklich relevant. Für a cappella singende Chöre ist das eine andere Sache.

Wie man aus der Vorzeichenreihe eines Stückes die Tonart erkennen kann, versuche ich hier zu erklären. Ganz sicher ist man dabei aber nie...

Die Quintenreihe

Der Bremer Theorieprofessor Feilke hat uns Studenten auf folgende Weise vermittelt, dass alle genutzen Töne unseres Tonsystems aus der unten stehenden "Quintenreihe" entwickelt werden können: Man beginnt mit dem f in der zentralen Reihe und baut die Stammtöne (siehe auch unter diesem Link) auf, indem man jeweils eine Quinte aufwärts bildet. Unterhalb der zentralen Reihe mit den Stammtönen entstehen die mit erniedrigten Töne, indem man immer eine Quinte weiter absteigt, oberhalb der zentralen Reihe die mit Kreuzen erhöhten Töne. Letztlich erhält man mehr als alle Töne des Quintenzirkels, der ja eigentlich eine endlose Spirale ist.

Wenn man von der Quintenreihe profitieren möchte, lernt man die fett gedruckte Reihe in der Mitte vorwärts und rückwärts auswendig. Man kann dann gleich die Reihe der Kreuze und die Reihe der s und den halben Quintenzirkel, d.h. eigentlich den ganzen.

    1. his
    2. h
    3. b
    4. heses
    5. heseses
    1. fisis
    2. fis
    3. f
    4. fes
    5. feses
    1. cisis
    2. cis
    3. c
    4. ces
    5. ceses
    1. gisis
    2. gis
    3. g
    4. ges
    5. geses
    1. disis
    2. dis
    3. d
    4. des
    5. deses
    1. aisis
    2. ais
    3. a
    4. as
    5. ases
    1. eisis
    2. eis
    3. e
    4. es
    5. eses
    1. hisis
    2. his
    3. h
    4. b
    5. heses
    1. fisisis
    2. fisis
    3. fis
    4. f
    5. fes

Die parallele Molltonart

Zu jeder Durtonleiter gibt es eine sogenannte parallele Molltonleiter. Beide teilen dieselben Vorzeichen; ihre Grundtöne liegen eine kleine Terz (anderthalb Tonschritte) auseinander. Beispiel: C-Dur und A-Moll; von a nach c sind es anderthalb Tonschritte. Also: die parallele Molltonart zu C-Dur heißt A-Moll; die parallele Durtonart zu A-Moll heißt C-Dur. (Hier wird der Begriff Parallele bei den Dreiklängen behandelt.)

C-Dur und A-Moll parallel

Menschen, die eigentlich nicht so viel mit Musik am Hut haben und diese Spitzfindigkeiten gerade nur für die nächste Musikklausur lernen, vergessen immer schnell, wie das noch mal war... die parallele Molltonart ist eine kleine Terz unter der Durtonart, oder war das doch über dem Durgrundton, oder eine große Terz?

Machen wir die Probe aufs Exempel - es kann nur eine Lösung geben:

Terzverwandt Überlegung Ergebnis
Eine große Terz über c ist e. E-Moll hat ein . E-Moll kann nicht die Paralleltonart sein!
Eine große Terz unter c ist as. Die Note as gehört nicht nach C-Dur. As-Moll kann nicht die Paralleletonart sein.
Eine kleine Terz über c ist es. Die Note es gehört nicht nach C-Dur. Es-Moll kann nicht die Paralleletonart sein.
Eine kleine Terz unter c ist a. a gehört zur C-Dur-Tonleiter. A-Moll hat die Vorzeichen von C-Dur und ist die Paralleletonart!

Das kann man von Moll aus genauso überlegen - es gibt immer eine richtige Lösung! Man findet die Paralleltonart

von Dur aus: eine kleine Terz tiefer!

Von Moll aus: eine kleine Terz höher!

Moll: rein, harmonisch, und melodisch

Das Tongeschlecht "Moll" ist nicht leicht zu erklären, deshalb versuche ich, zusammenzufassen, was man sich merken sollte. Wissenschaftliche Erklärungen findest du in dicken Büchern.

Die "reine Molltonleiter" hat keinen Leitton, der einen Halbton unter dem Grundton liegt. Lieder oder Stücke in reinem Moll sind aber eher selten. Spätestens wenn man ein Lied in Moll mit Akkorden begleitet, benutzt man nicht nur Moll- sondern auch Durakkorde.
Besonders wichtig ist dabei der Durakkord auf der fünften Stufe, der den Leitton ins Spiel bringt. Das ist immer die Durdominante, im Fall von A-Moll der E-Dur Dreiklang mit dem gis als Terz. Die Tonleiter, die durch Einführung dieses Leittones enthält, heißt "harmonisch Moll".

Aus der Kirchentonart "dorisch", die unserem reinen Moll bis auf die 6. Stufe entspricht (diese ist einen Halbton höher) ist "melodisch Moll" entstanden: es hat aufwärts eine erhöhte 6. Stufe und den Leitton; abwärts geht es meist wie reines Moll, wird aber (besonders im Barock) auch in der Abwärtsbewegung mit hoch 7 und hoch 6 verwendet.

Es gibt auch die Erklärung, die melodische Molltonleiter sei entstanden, weil der Anderhalbtonschritt f - gis so schlecht zu singen sei. Diese Beobachtung ist natürlich nicht falsch, aber - wenn man das Thema der vierten Invention von J.S. Bach anschaut, sieht man den "eigentlichen Umfang" der harmonischen Molltonleiter anders: das gesangliche Thema spielt sich zwischen der erhöhten 7. Stufe als tiefstem und dem kleinen Sexte als höchstem Ton ab, die Skala hat also einen Leitton von unten, und einen "Gegenleitton" zur Quinte von oben. Also doch ganz gut zu singen, und auch nicht orientalisch klingend. Aber das Tongeschlecht Moll ist wirklich nicht so einfach!

A-Moll rein und harmonisch

Zum Anhören: reines Moll, harmonisch Moll, harmonisch Moll "zwischen hoch 7 und tief 6", melodisch Moll.

A-Moll melodisch

Während die Halbtonschritte einer Durtonleiter zwischen den Stufen 3 - 4 und 7 - 8 liegen, befinden sie sich in der reinen Molltonleiter zwischen 2 - 3 und 5 - 6. Beim harmonischen Moll kommt noch der Halbtonschritt von 7 nach 8 dazu, und sie hat einen Anderthalbtonschritt von 6 nach 7! Beim melodischen Moll ist die Sache noch komplizierter, weil die obere Hälte der Tonleiter aufwärts wie eine Durtonleiter geht.

Diese verschiedenen Molltonleitern kommen im wirklichen Leben immer nur in wilden Mischungen vor. Merke dir vielleicht, dass es sie gibt, und dass das Tongeschlecht Moll viel komplizierter ist als Dur. Gut wäre, die beiden hörend unterscheiden zu können. Die Begriffe kommen aus dem Lateinischen: durus heißt "hart", mollis bedeutet "weich". Die meisten Menschen empfinden Dur als fröhlicher und Moll als trauriger klingend.

In der schönen englischen Sprache und auch im Französischen erklären die Namen direkt den wesentlichen Unterschied zwischen Dur und Moll: Dur heißt "major" (majeur), Moll "minor" (mineur), und diese beiden Begriffe benutzt man auch zur Bezeichnung großer und kleiner Intervalle. "maior" und "minor" sind ja die lateinischen Worte für "größer" und "kleiner". Konkret ist der wichtige Unterschied zwischen den Tongeschlechtern die große bzw. kleine Terz. Die Bezeichnung "c minor" (do mineur) für eine Tonart oder einen Dreiklang sagt aus, dass es die / der mit der kleinen Terz ist.
Klar, dass auch im Italienischen "C Hart" (durus) "do maggiore" heißt - in Italien haben die Römer früher gewohnt... Nur im deutschen Sprachraum sind die eher dichterischen statt der konkreten Bezeichnungen geblieben.

Es gibt außer Dur- und den verschiedenen Molltonleitern weitere Tonleitermodelle wie harmonisch Dur und melodisch Dur, die ich aber hier nicht alle erklären möchte.

Aufgabe

In der Zeile unten siehst du G-Dur und E-Moll (rein) aufgeschrieben. Ergänze die beiden folgenden Zeilen in der Reihenfolge des Quintenzirkels: Auf den Grundton der Durtonleiter soll der der Mollparallele folgen. Du solltest üben, die beiden verwandten Tonarten in beiden Richtungen zu wissen!

G-Dur und E-Moll
Paralleltonarten Aufgabe
Lösung 03 Tonleitern

Eine Aufgabe zum Nennen der Mollonleitern findest du beim "Zirkeltraining". Ein paar Skalen zu schreiben kann aber nicht schaden!

Aufgabe

Schreibe die folgenden Molltonleitern! Setze dabei die Versetzungszeichen vor die Noten, aber auch die Tonartvorzeichnung ans Ende der Notenzeile wie bei den Durtonleitern. Schreibe die melodischen Molltonleitern auf- und abwärts. Jede Zeile hat eine Lösung, eingeteilt in Tetrachorde mit reichlich Warnakzidentien, teilweise sogar Auflösungszeichen vor der siebten Stufe der harmonischen Molltonleitern.

a) D-Moll rein; F-Moll harmonisch; H-Moll melodisch;

Lösung 04a Tonleitern

b) C-Moll rein; Fis-Moll harmonisch; E-Moll melodisch;

Lösung 04n Tonleitern

c) Gis-Moll rein; B-Moll harmonisch; G-Moll melodisch;

Lösung 04c Tonleitern

d) Cis-Moll rein; C-Moll harmonisch; Fis-Moll melodisch.

Lösung 04d Tonleitern

Der Quintenzirkel (Dur und Moll)

Quintenzirkel Dur und Moll

Links siehst du den Quintenzirkel mit Dur- und Molltonarten.
Die Molltonarten folgen natürlich auch im Quintabstand aufeinander, du musst weniger auswendig lernen als es scheint. Gegenüber von jeder Durtonart (jedem Durdreiklang) findest du die Mollparallele und umgekehrt.

Wie oben beim Dur-Quintenzirkel beschrieben findest du rechts von jedem Dreiklang seine Dominante, links seine Subdominante. Im Mollzirkel sollte dir bewusst sein, dass z. B. die Subdominante von A-Moll D-Moll ist, die Dominante aber meistens E-Dur. Du musst also statt des "e", das die Parallele zu G-Dur darstellt, ein "E" für E-Dur, Durdominante zu A-Moll lesen, wenn es dir um die Beziehungen in Moll geht.

Jede Molltonart hat dieselben Vorzeichen wie ihre Durparallele. F-Moll hat ebenso wie As-Dur die Vorzeichen b, es, as, des.

Dur - Quintenzirkel  Quintenzirkel vertikal  Quintenreihe

gekritzelt

Aber auswendig lernen solltest du den Quintenzirkel, denn in ihm findest du sehr viele Dinge, die du für die Praxis brauchst. Das wirst du in den Abschnitten über Dreiklänge merken.

Am besten, du nimmst ein Blatt Papier, malst einen Kreis mit den Strichen für 12, 3, 6 und 9 Uhr, fügst die restlichen Stundenstriche ein und trägst dann die Tonarten ein. Wenn du fertig bist, knüllst das Papier zusammen und zielst damit nach dem Papierkorb. Dann nimmst du ein Blatt Papier, malst noch einen, knüllst das Papier... bis du ihn im Kopf hast!