Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Pentatonische Tonleitern

Pentatonische Tonleitern bestehen, wie der Name schon sagt, aus fünf statt den gewohnten sieben Tönen, und sie enthalten keine Halbtonschritte, sondern nur Ganztonschritte und kleine Terzen. Sie spielen in Lehrwerken für E-Gitarre eine besondere Rolle, und um die soll es weiter unten hauptsächlich gehen.

Zwei Typen: Dur und Moll

Pentatonik

Man unterscheidet zwischen zwei pentatonischen Skalen, einer Dur- und einer Mollpentatonik. Das lässt sich mit ein paar Noten schnell darstellen:

Die obere Tonleiter besteht aus fünf Tönen der C-Dur-Tonleiter. Die große Terz "e" lässt sie uns als "durig" empfinden, obwohl die vierte und die siebte Stufe der Durtonleiter nicht vorkommen.

Die untere Skala besteht aus den Tönen der A-Moll-Tonleiter. Hier fehlen die Stufen 2 und 6. Die kleine Terz a - c sorgt dafür, dass wir sie dem Tongeschlecht Moll zuordnen.

Dur und Pentatonik

Im Notenbild oben sieht man: der Durpentatonik fehlen die vierte und die siebte Stufe der Durtonleiter.
Untere Grafik: der Mollpentatonik fehlen die zweite und die sechste Stufe der reinen Molltonleiter.

Moll und Pentatonik

Dur- und Mollpentatonik sind eng miteinander verwandt: wenn man in der Durpentatonik den höchsten Ton a nach unten oktaviert und als Grundton nimmt, hat man die Mollpentatonik und umgekehrt.

Man könnte weitere "Umkehrungen" der Pentatonik als eigenständig annehmen, aber sie hätten gegenüber denen auf c und a doch "Nachteile": während in den beiden gezeigten Skalen Terz und Quinte des Grundtones vorhanden sind, man also einen leitereigenen Akkord der ersten Stufe hat, fehlen

  • der Skala auf d die Terz,
  • der auf e die Quinte, und
  • der auf g wiederum die Terz.

Keine Halbtonschritte

Pentatonik auf schwarzen Tasten

Pentatonik auf den schwarzen Tasten.

Pentatonische Skalen enthalten keine Halbtonschritte! Das lässt sie eigenartig schwebend klingen. Anders als Dur- oder Molltonleitern "streben" sie nicht so zielgerichtet irgendwo hin.

Man kann sie umkehren, ohne sich groß in eine andere Welt versetzt zu fühlen. Spielt man eine C-Dur-Tonleiter von f bis f, denkt man sofort "Holla, das klingt aber komisch!"; während man traumverloren ohne große Irritation pentatonisch improvisieren kann, zum Beispiel auf den schwarzen Tasten eines Klavieres, die auch eine pentatonische Skala darstellen.

Der eigenartig spannungslose Schwebezustand der pentatonischen Tonleiter dient auch als Grundgerüst für viele der allereinfachsten traditionellen Kinderlieder wie "Backe backe Kuchen", und auf einer pentatonischen Blockflöte kann man spielen, ohne dass es jemals falsch klingt.
Trotzdem kann man durchaus Fehler bei der Notierung oder bei der Begleitung machen.

Backe Kuchen

Pentatonik gilt als das älteste nachgewiesene Tonsystem, was man aus Jahrtausende alten Knochenflöten mit drei bis vier Grifflöchern schließt.

Es klingt immer gut

Die Eigenheit, dass man mit einer pentatonischen Skala nie so richtig aneckt, ist eine große Hilfe beim Einstieg in die Improvisation in Blues, Jazz und Rock. Während zum Beispiel im Blues die Begleitung meist mit Dur- oder D7 - Akkorden bestritten wird, improvisiert der Solist mittels der pentatonischen Mollskala. Das klingt meistens gut, und manchmal kommen charakteristische Dissonanzen zustande, die diese Musik ja braucht - insofern spielt man (fast) immer richtig. Und wenn es mal richtig falsch klingt, geht man einen Ton weiter und ist gerettet!

Pentatonik auf der Gitarre

Es folgt ein Exkurs, der sich mit den Bezeichnungen der pentatonischen Skalen in E-Gitarrenschulen befasst; ich möchte hier eine andere Nomenklatur vorschlagen.

Schulen für E-Gitarre gibt es in Massen auf dem Markt. Nicht wenige arbeiten mit Noten und Tabulatur, oder ausschließlich mit Tabulatur. Dass ich davon nicht so viel halte, habe ich schon woanders geschrieben, ebenso, dass ich Tabulatur als ergänzende Schrift für E-Gitarre für nützlich halte.

Tabulatur als Grundlage des Musizierens zu nehmen führt tendenziell dazu, dass man keine Noten lernt. Noten sind aber bestens geeignet, über Musik zu sprechen, was Musiker auch eifrig nutzen - bis auf Gitarristen, die Tabulatur bevorzugen. Kann man sich zwei Künstler vorstellen, die sich über Gemälde zu unterhalten versuchen, nachdem ihnen jemand per Zaubertrick alle Begriffe für Farben aus dem Kopf geklaut hat?

Gitarristen, ob mit Noten oder Tabulatur oder beidem arbeitend, gehen jedenfalls so vor:

  1. Eine pentatonische Skala besteht aus 5 Tönen - das hatten wir schon.
  2. Man kann eine pentatonische Tonleiter mit jedem ihrer 5 Töne beginnen - das ist logisch.
  3. Auf dem Gitarrengriffbrett kann man sie an fünf verschiedenen Stellen spielen - jetzt wird es interessant!
  4. Wenn man diese fünf Varianten auswendig in den Fingern hat, kann man in allen Tonarten improvisieren - genial!
  5. Wir brauchen eine Bezeichnung für die fünf Varianten, damit man sie sich merken und in andere Tonarten übertragen kann.

Besonderheit von Saiteninstrumenten

Man kann auf jedem Instrument eine pentatonische Skala mit jedem ihrer Töne beginnen: c - d - e - g - a - c... oder e - g - a - c - d - e...
Auf der Gitarre kann ich eine höher beginnende Version der Skala aber nicht nur in der gleichen Lage ansetzen, sondern ich kann auf dem Hals in eine höhere Lage gehen und dort die Tonleiter spielen. Dort nutze ich die gleichen Töne, habe aber einen anderen Fingersatz quer über das Griffbrett.

Lick in verschiedenen Lagen

Takt 1 und 2 sind pentatonische Läufe in der 2. Lage; in Takt 3 stehen dieselben Noten wie in Takt 2, allerdings in der 5. Lage und auf der A-Saite beginnend.

C-Dur und Cis-Dur

Außerdem kann ich auf Gitarren und anderen Saiteninstrumente die zweite Dimension - in höheren Regionen des Griffbrettes zu spielen - nutzen, um jede Tonleiter, die ich ohne leere Saiten spielen kann durch einfaches Verschieben auf dem Griffbrett in eine andere Tonart zu transponieren. Im Notenbeispiel sieht man oben C-Dur in der 2. Lage, darunter mit dem gleichen Fingersatz Cis-Dur in der 3. Lage.

Ich kann als Gitarrist wie auf jedem Instrument verfahren, also immer in einer Lage bleiben, und verschiedene Ausschnitte der Skala spielen, aber ich kann auch jeden Ton der pentatonischen Skala als Anfangspunkt auf der E-Saite wählen und die sich ergebende Tonleiter über sechs Saiten als eigenständige Form der Pentatonik lernen:

Pentatonik in den Lagen

Pentatonische Tonleitern aus den Tönen a, c, d, e, g, an fünf verschiedenen Stellen des Griffbrettes beginnend. Die sechste Position entspräche wieder der ersten, auch wenn sie ein Oktave höher gespielt werden kann. Das a, der Grundton, ist jeweils dunkelblau und etwas dicker.

Für diese Besonderheit, dass die Töne auf Saiteninstrumenten in zwei Richtungen - quer über die Saiten und längs auf den Saiten - höher werden, braucht man besondere Bezeichnungen. Die Verschiebung längs der Saiten heißt Lage, und diese wird auf der Gitarre sehr logisch benannt: greift der Zeigefinger im 3. Bund, ist man in der 3. Lage (das ist bei der Violine komplizierter).

Namen der Patterns

Für unterschiedliche Formen von Tonleitern auf Griffbrettern muss man sich Bezeichnungen überlegen. Im Prinzip gibt es zwei logische Methoden: entweder, ich beziehe mich mit den Namen der Formen auf die Tonleiterstufen, oder auf ihre Reihenfolge. Bei siebenstufigen Tonleitern funktioniert beides gleich: Die Version auf dem Griffbrett, die mit der 1. Stufe beginnt, würde "Pattern 1" heißen, die jenige, die mit der 4. Stufe beginnt "Pattern 4". Bei pentatonischen Skalen gibt es aber ein Problem.

Namen nach Abfolge

Nehmen wir eine pentatonische Mollskala auf A als Beispiel, die auch in vielen Schulen für E-Gitarre genutzt wird. Ich schreibe den Anfangston auf der E-Saite und den Namen des Patterns dazu:

Anfangston A auf der E-Saite: "Pattern 1",
Anfangston C auf der E-Saite: "Pattern 2",
Anfangston D auf der E-Saite: "Pattern 3",
Anfangston E auf der E-Saite: "Pattern 4",
Anfangston G auf der E-Saite: "Pattern 5".

Hier werden die Versionen der Skalen schlicht nummeriert. Man muss sich aber merken, dass zum Beispiel "Pattern 3" mit dem dritten Ton der pentatonischen Skala beginnt - logisch, aber dieser dritte Ton ist die Quarte über dem Grundton, also eigentlich der vierte Ton!

Transponieren

Nehmen wir an, ich möchte einen Lauf in eine andere Tonart transponieren. Es soll von A nach Fis gehen. Mein Lauf nutzt "Pattern 4", befindet sich also in der Lage, in der das E auf der E-Saite Ausgangspunkt ist. Also rechne ich: e ist über a der fünfte Ton, dann muss ich in Fis mit Cis beginnen.

Namen nach Tonleiterstufe

Auch hier sei eine pentatonische Mollskala auf A das Beispiel, damit wir hier vergleichbare Daten haben. Wieder der Anfangston auf der E-Saite und der Name des Patterns:

Anfangston A auf der E-Saite: "Pattern 1",
Anfangston C auf der E-Saite: "Pattern 3",
Anfangston D auf der E-Saite: "Pattern 4",
Anfangston E auf der E-Saite: "Pattern 5",
Anfangston G auf der E-Saite: "Pattern 7".

Hier werden die Versionen der Skalen nach den Tonleitertönen benannt, wobei man ausgelassene Stufen mit berücksichtigt. Es gibt kein "Pattern 2", weil die zweite Stufe in der Pentatonik ja fehlt, aber ich weiß sofort, dass "Pattern 4" mit der Quarte, also dem vierten Ton der Tonleiter beginnt!

Transponieren

Nehmen wir an, ich möchte einen Lauf in eine andere Tonart transponieren. Es soll von A nach Fis gehen. Da mein Lauf "Pattern 5" nutzt, weiß ich, dass ich in Fis beim Cis beginnen muss - fertig.

Die Bezeichnungen nach Tonleiterstufen enthalten musikalischen Sinn. Wenn man sich in verschiedenen Tonarten bewegen will, muss man bei der Methode, die die Patterns einfach nummeriert immer errechnen, auf welcher Tonleiterstufe man sich befindet, es sei denn, man weiß es auswendig.
Bei der Benennung nach Stufen ist diese im Namen enthalten.

Ein weiterer Nachteil der einfachen Nummerierung: Die pentatonische Skala auf der dritten Stufe heißt "Pattern 2". Wenn man irgendwann modale Skalen benutzt, die siebenstufig sind, beginnt "Pattern 2" aber auf der zweiten Stufe! Das gleiche gilt bei "Three notes per string - scales". Das könnte weniger geniale Menschen durcheinander bringen!

Vorschlag zu den Bezeichnungen

Mein Vorschlag für die Bezeichnung funktioniert also so: die Skala, die mit der 1. Stufe beginnt, heißt "1-Form", die nächste, die mit der 3. Stufe beginnt "3-Form" etc.
Da die pentatonische Tonleiter die 2. Stufe auslässt, gibt es bei mir keine "2-Form". Die gibt es in Dur-, Moll- oder modalen Skalen.

Wenn ich wissen will, wie die "3-Form" der pentatonischen Skala in Des heißt, muss ich nicht lange überlegen: ich weiß, dass die Tonleiter mit der kleinen Terz beginnt, und die kleine Terz über des heißt "fes", basta.

Pentatonik mit Bezeichnungen

Hier stehen zur Übersicht schon mal die fünf Formen mit Bezeichnung.

Die meisten Lehrwerke für E-Gitarre erklären diese Skalen vom Grundton A aus, weil diese Tonleiter keine Versetzungszeichen braucht. Es gibt sogar Bücher, in denen die Variante, die mit dem E auf der leeren E-Saite beginnt, als 1. Pattern bezeichnet wird, wohl weil sie in der untersten Lage ist.

So steht man irgendwann vor Fragen wie "Mit welchem Ton beginnt Pattern 4 in Fis?" - "Hhm, also, in A begann das 1. Pattern mit E, also vier Töne tiefer als der Grundton, dann beginnt das zweite mit G, das dritte mit A, und das vierte mit C. Auf Fis begänne Pattern 1 also (vier Töne tiefer als der Grundton) mit Cis, Pattern 2 (das Dis auslassend) mit E, Pattern 3 mit Fis, und dann stünde Pattern 4 auf A, logisch!

Nach meiner Zählweise ginge das so: die 3-Form in Fis beginnt mit der 3. Stufe, also mit A.

Die fünf Varianten der Mollpentatonik auf der Gitarre

Für den Einstieg in die Improvisation zu einfachen Rock- oder Bluesstücken wird in fast allen Büchern für E-Gitarre die Mollpentatonik genutzt. Terz und Septime sind klein, und diese beiden Töne reiben sich im Zusammenklang mit der Begleitung wunderbar mit den großen Terzen der Dreiklänge der 1. und 5. Stufe. Das klingt authentisch und richtig.

In den Grafiken zu den fünf Varianten der Mollpentatonik siehst du neben den Noten rechts ein Griffbild. Im Notenbild sind die Grundtöne a eingekreist, im Griffbild sind sie dunkler und größer. Römische Zahlen geben in Gitarrennoten die Lage an, d.h. den Bund, in dem der Zeigefinger greift. Hier stehen sie für die Orientierungspünktchen, die im Hals oder Griffbrett eingelegt sind.


erste Variante
Erste Variante

Die erste Variante, die "1-Form", beginnt mit dem Grundton A im 5. Bund auf der tiefen E-Saite.

Die nächste Fassung wird beim c im 8. Bund auf der E-Saite beginnen, sie hat also viele Töne mit der ersten gemeinsam.


zweite Variante
Zweite Variante

Diese nenne ich "3-Form", weil sie mit dem dritten Ton c (der zweite wird ja ausgelassen) der A-Moll - Skala beginnt!


dritte Variante

Dritte Variante:

Weil diese Tonleiter mit der 4. Stufe, der Quarte über dem Grundton a beginnt, heißt sie bei mir "4-Form".


vierte Variante

Vierte Variante:

Sie heißt bei mir "5-Form", weil sie mit dem fünften Ton über dem Grundton, also der Quinte beginnt.

Diese Skala kann man in A auch in der "nullten" Lage zeigen, und dabei die leeren Saiten nutzen. Den Fingersatz dafür kann man natürlich nur einmal verwenden, deshalb finde ich es sinnvoller, sie mit gegriffenen Tönen statt leeren Saiten zu erlernen.


fünfte Variante
Fünfte Variante:

Die letzte Skala, die mit der kleinen Septime beginnt, heißt für mich "7-Form".

Sie beginnt im 3. oder im 15. Bund.
Sie liegt in der 2. bzw. 14. Lage, weil hier der Zeigefinger greift.


Verbindung der Formen

Hier siehst du eine Darstellung der E-Saite als Notenlinie mit den Tönen der Mollpentatonik auf a.

  • Die römischen Ziffern bezeichnen die Bünde, es beginnt also im 5. Bund.
  • Unter den Noten stehen die Stufen der Tonleiter Grundton, Terz, Quarte...
  • Darunter steht die Stufe der Tonleiter als Ziffer in Klammern.
  • Oberhalb der Noten sind mit blauen und grünen Klammern die Noten zusammengefasst, die zu einer Form auf der E-Saite gehören.
  • Darunter steht die Bezeichnung der Form.

Die "4-Form" zum Beispiel beginnt also auf der E-Saite mit den Noten d und e, dann geht es auf der A-Saite weiter.

Die Töne der Moll-Pentatonik auf der E-Saite

Um zu zeigen, wie die 5 Skalen verschoben werden können, unten ein Bild mit den Anfangstönen auf der E-Saite vom Ton F aus.

Die Töne der Moll-Pentatonik auf der E-Saite von f aus

Man kann statt der E-Saite natürlich eine Grafik des gesamten Griffbrettes mit den fünf Formen machen - die sieht immer sehr beeindruckend aus, ist aber nur bedingt übersichtlich.

Die Anfangstöne auf der E-Saite nebeneinander zu sehen, und dann die Formen auf- und ab zu üben und dabei auf die gemeinsamen Töne zwischen je zweien zu achten ist auch nicht schlecht. Man kommt bei dieser Thematik sowieso nicht weit, wenn man nicht etwas investiert, und wirklich verschärft nachdenkt über das Trennende und das Verbindende. Wenn man irgendwann mit allen Skalen umgehen können will, muss man lernen, von einer in die andere zu kommen, ohne dabei völlig zu vergessen, welche nun welche ist.

Erweiterung zur "Bluestonleiter"

Die Pentatonischen Skalen werden gerne zur sogenannten "Bluestonleiter" erweitert, indem man die erhöhte vierte / erniedrigte fünfte Stufe einfügt. In der Notenzeile unten habe ich die blau gefärbte "blue note" aufwärts als dis, abwärts als es geschrieben. Man muss das nicht machen, aber es verdeutlicht melodische Richtungen.

blue notes

Auf dem Griffbrett liegen sie jedenfalls im gleichen Bund, wie man unten in den fünf Varianten sehen kann:


bluestonleiter auf a, 1-Form
Erste Variante:

Die "blue notes" liegen auf der d-Saite im 6. und auf der g-Saite im 8. Bund. Man braucht also kein ganz neues Pattern zu lernen. Im Griffbild sind sie lila gezeichnet.

Bei einigen Formen liegen die blue notes auch außerhalb der oben gezeigten Griffbilder.


bluestonleiter auf a, 3-Form
Zweite Variante

Bei ihr habe ich mir angewöhnt, das tiefere dis/es auf der A-Saite im 6. Bund mit dem Zeigefinger zu greifen, wenn ich aufwärts spiele. Der wird dabei etwas gestreckt, und dann zum e wieder heran gezogen. Abwärts "hole" ich mir das dis/es mit dem kleinen Finger auf der E-Saite.


bluestonleiter auf a, 4-Form
3. Variante:

Hier mache ich das gleiche mit den blue-notes auf g-Saite und d-Saite.


bluestonleiter auf a, 5-Form
Vierte Variante:

Hier könnte man die blue-notes auf den e-Saiten gar nicht spielen, wenn man sie in der "nullten" Lage spielte, deshalb auch hier wieder das Griffbild in der 12. Lage.


bluestonleiter auf a, 7-Form
Fünfte Variante:

Bei der fünften Fassung würde ich (wie analog bei der vierten) sagen, dass sie in der 2. Lage gespielt wird.
Ich spiele auch hier die Noten dis/es "außerhalb" des eigentlichen Patterns, aber ich rutsche mit dem 1. Finger nur kurz in den ersten Bund der d-Saite, wenn ich die Note haben will.

Violinisten machen etwas ähnliches: in der 1. Lage spielt man auf der Violine die Töne e, fis, gis, a und h. Wenn man mal das einen Halbton höher liegende c benötigt, wechselt man nicht die Lage, sondern streckt den kleinen Finger etwas weiter. Man nennt das "ablangen".

Gegenüberstellung mit der Durpentatonik

In vielen Bücher für E-Gitarre wird später erklärt: man kann zum Improvisieren auch die Dur-Pentatonik nutzen. Das gibt andere Klänge, der Blues klingt ein bisschen optimistischer, aber muss man wirklich neue Skalen und Patterns lernen?

Natürlich nicht! Die Dur-Pentatonik besteht aus den Tönen 1, 2, 3, 5 und 6 der Durtonleiter, und so hießen dann auch ihre Formen. Wenn man sich aber klarmacht, dass man für einen Blues in A mit Durpentatonik entweder die 5 Formen der Durpentatonik auf a, oder die 5 Formen der Mollpentatonik auf fis benutzen kann, hat man es etwas leichter.

Fis-Moll ist die Paralleltonart von A-Dur, und da man Dur- und Mollpentatonik ja als Umkehrungen von einander betrachten kann - siehe ganz oben auf dieser Seite - entsprechen die Formen der Mollpentatonik auf fis denen der Durpentatonik auf A.

Dur-Pentatonik Moll-Pentatonik
Die 1-Form der A-Dur-Pentatonik, Anfangston a = 3-Form der Fis-Moll-Pentatonik, Anfangston a.
Die 2-Form der A-Dur-Pentatonik, Anfangston h = 4-Form der Fis-Moll-Pentatonik, Anfangston h.
Die 3-Form der A-Dur-Pentatonik, Anfangston cis = 5-Form der Fis-Moll-Pentatonik, Anfangston cis.
Die 5-Form der A-Dur-Pentatonik, Anfangston e = 7-Form der Fis-Moll-Pentatonik, Anfangston e.
Die 6-Form der A-Dur-Pentatonik, Anfangston fis = 1-Form der Fis-Moll-Pentatonik, Anfangston fis.

Zusammenfassung

Die oben dargestellten Skalen und der Vergleich mit den gängigen Bezeichnungen in vielen E-Gitarrenschulen ist nicht so gemeint, dass ich keinen Respekt vor der methodisch-didaktischen Leistung der Autoren habe. Das sind durchweg exzellente Musiker, und mit den Büchern lässt sich auch gut arbeiten.

Die beschriebenen Bezeichnungen scheinen mir aber daher zu kommen, dass die Leute eher von der Gitarrentechnik ausgehen, als von der Notenschrift. Es ist toll, wenn jemand diese Systeme auswendig lernen kann, und es gibt sicher unendlich viele Gitarreros, die damit besser musizieren als ich, aber wenn man das Namenssystem von vorn herein mit Tonleiterstufen der kompletten Tonleitern statt mit Ordnungszahlen verknüpfen würde, würde es vielleicht nicht schlechter funktionieren.

Man weiß auch in entlegenen Tonarten schnell, was die "5-Form" ist, weil man vom Grundton nur eine Quinte hoch zu rechnen braucht. Wenn man hierfür den Begriff "4. Pattern" oder gar "4. Lage" gespeichert hat, muss man erstmal überlegen "Hoppla, das begann doch in A nochmal mit welcher Note? Und jetzt in F?" und dann kommt die Überlegung dazu " '4. Lage' fängt also in der 7. Lage an..."

Um einmal anders herum zu argumentieren: ist es denn nicht sehr unlogisch, dass es bei meinen Bezeichnungen 1-Form, 3-Form, 4-Form, 5-Form und 7-Form, also insgesamt fünf Stück gibt, aber man bis sieben zählt, und die Nummern zwei und sechs fehlen?

Ich finde: nein! Wen interessiert denn, ob und wie die 2-Form gehen würde, wenn es gar keine gibt, die mit der 2. Stufe der Tonleiter beginnt? Die 3. Stufe der Molltonleiter wird sehr wohl benutzt, also enthält der Name "3-Form" eine relevante musikalische Information: beginne auf der E-Saite mit der 3. Stufe der Molltonleiter!

Three-notes-per-string-scales

Als Gegenbeispiel im Folgenden zwei "3-Noten-pro-Saite - Skalen" der reinen A-Moll-Tonleiter. Das sind Tonleitern auf dem Gitarrengriffbrett, bei denen immer auf jeder Saite drei Noten gespielt werden. Sie sind durch Überstreckungen und Lagenwechsel innerhalb der Tonleiter charakterisiert; dafür man hat Skalen, die man leicht chromatisch auffüllen kann, was sie für Improvisation interessant macht.

Die 1-Form der reinen A-Moll-Tonleiter sähe so aus:

3-notes-per-string 1

Selbstverständlich gibt es bei einer siebenstufigen Tonleiter sieben Formen oder Pattern! Hier gibt es eine 2-Form, und hier kommt sie:

3-notes-per-string 2

Die nächste Variante, die mit der dritten Note der Tonleiter beginnt, fängt dann mit dem c im achten Bund an, genau wie die 3-Form der pentatonischen Skala, und die folgenden beiden, die mit Quarte und Quinte der Molltonleiter beginnen, starten im selben Bund wie die entsprechenden Penta-Skalen. Sie sehen anders aus (es sind ja auch andere Tonleitern), aber sie haben den gleichen Anfangston, den man aus der Nummer der Skala ableiten kann.

Übung für die 5 Formen auf der Gitarre

Hier kommt eine Übung für die fünf Formen der pentatonischen Mollskala auf der Gitarre durch die Tonarten, die sich natürlich auf "meine" Bezeichnung der Skalen bezieht.

Die Übung ist nicht schwierig, man muss nur wissen:
a) Wie heißen jeweils Grundton, kleine Terz, Quarte, Quinte und kleine Septime zur gefragten Tonleiter?
b) In welchem Bund liegt der gesuchte Ton auf der E-Saite?

Die Töne der Skala oder ein Griffbild gehören nicht zu Antwort. Der ordentliche E-Gitarrist kann die fünf Formen ja aus dem Effeff, hier ist der Job, sie in alle Tonarten zu übertragen, also den Anfangspunkt zu wissen - der Rest läuft dann hoffentlich...

Aufgabe:

In jedem Kästchen steht in Grün der Grundton der Tonart, darunter als Aufgabe, welche der Formen du nennen oder spielen sollst. Wenn du mit der Maus auf die Frage zeigst erscheinen als Antwort der Anfangston und der Bund, in dem dieser auf der E-Saite liegt (Nicht die Lage der Skala insgesamt - der 1. Finger kann tiefer greifen!).
Bei 3-Form, 4-Form und 7-Form steht manchmal "e; 12., nicht 0. Bund" um anzudeuten, dass man die Skala in dieser Tonart nur vom hohen e aus komplett spielen kann - die Töne, die unterhalb des 12. Bundes liegen, kann man nicht unterhalb des nullten Bundes spielen.

  • C
  • 1-Form
  • 4-Form
  • 7-Form
  • 3-Form
  • 5-Form
  • G
  • 3-Form
  • 7-Form
  • 1-Form
  • 5-Form
  • 4-Form
  • D
  • 7-Form
  • 3-Form
  • 5-Form
  • 4-Form
  • 1-Form
  • A
  • 4-Form
  • 7-Form
  • 5-Form
  • 1-Form
  • 3-Form
  • E
  • 5-Form
  • 1-Form
  • 4-Form
  • 3-Form
  • 7-Form
  • H
  • 7-Form
  • 3-Form
  • 5-Form
  • 4-Form
  • 1-Form
  • Fis / Ges
  • 5-Form
  • 1-Form
  • 7-Form
  • 3-Form
  • 4-Form
  • Des
  • 3-Form
  • 5-Form
  • 1-Form
  • 4-Form
  • 7-Form
  • As
  • 1-Form
  • 4-Form
  • 7-Form
  • 5-Form
  • 3-Form
  • Es
  • 4-Form
  • 7-Form
  • 3-Form
  • 1-Form
  • 5-Form
  • B
  • 5-Form
  • 1-Form
  • 7-Form
  • 4-Form
  • 3-Form
  • F
  • 7-Form
  • 5-Form
  • 3-Form
  • 4-Form
  • 1-Form