Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Grifftabelle für Gitarre

Der Ausgangspunkt mehrerer Seiten über Akkorde auf der Gitarre ist eine kleine Akkord- oder Grifftabelle.

Um die Töne auf dem Griffbrett und wie man sie sich geschickt einprägt und über die Notation der Gitarre geht es auf diesen Seiten.

Die Tabelle (klicke auf Download für eine PDF-Datei) für den Hausgebrauch mit den wichtigsten Standardgriffen und einigen Barrégriffen in englischer Schreibweise - B heißt H, B♭ entspricht dem deutschen B, Fis wird F♯ geschrieben, Bm bedeutet H-Moll - ist keineswegs vollständig. Nicht mal alle Durakkorde sind enthalten, ich schlage vielmehr vor, sich weitere Griffe abzuleiten. Dazu steht hier ein Kommentar.

Wie man die richtigen Akkorde zum Begleiten findet (wenn man nicht seinen Lehrer oder die Suchmaschine fragen will) habe ich für Dur und Moll an den verlinkten Stellen zu beschreiben versucht.

Dein Akkordwissen kannst du auf einer interaktiven Seite trainieren, die mit Javascript funktioniert.

Grifftabelle

Kommentar: Griffe, die in dieser Tabelle nicht enthalten sind.

Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, einen C-Dur-Akkord auf der Gitarre zu spielen. Mit und ohne Barré, mit 3, 4, 5 oder sechs Tönen, auf benachbarten oder mit ausgelassenen Saiten - je kreativer man ist, desto mehr Variationen findet man. Also ist es kein Wunder, dass es Buchtitel wie "700 Griffe für die Schlaggitarre" gibt.

Weil es solche Bücher schon gibt, und man im Internet ja auch alles findet, ist meine Grifftabelle nicht größer. Lieber möchte ich zu erklären versuchen, wie man weitere Akkorde ableitet. Mit ein bisschen Nachdenken kann man viel erreichen.

Barrégriffe verschieben

Die beiden ersten Akkorde meiner Tabelle oben sind Barrégriffe, und die angenehme Eigenschaft von Barrégriffen ist, dass man sie verschieben kann. Wenn man alle Töne eines Griffes verschiebt, wird nichts falsch, sondern nur anders. Dies habe ich auf der Seite über Barrégriffe genauer zu erklären versucht.

Man nehme Griff 1, B-Dur (englisch B♭), der ja den A-Dur-Griff als Grundlage hat, und verschiebe ihn um einen Bund nach oben, dann hat man H-Dur. Im dritten Bund wird er zu C-Dur, im vierten zu Cis und so weiter.

Barrégriffe auf Basis des A-Dur-Griffes

Wenn man A-Dur als Barrégriff verschiebt, erhält man Durakkorde auf allen Tönen. Natürlich kann B♭ auch A♯ heißen, C♯ auch D♭, E♭ ist D♯, F♯ ist die enharmonische Verwechslung von G♭ und A♭ kann auch G♯ genannt werden.

Man kann der Sache mit zwei Fragen auf die Spur kommen:

  1. Was bekomme ich eigentlich, wenn ich diesen Griff in den 6. Bund verschiebe?
  2. Wo finde ich eigentlich Es-Dur auf Grundlage des A-Dur-Griffes?

Natürlich ist die eine Frage die Antwort auf die andere. Genauer nachzulesen auf der Seite über Barrégriffe.

Mit dem zweiten Griff der Tabelle, F-Dur, geht das genauso: im 2. Bund erhält man Fis-Dur, im dritten G-Dur und so weiter. Und mit den Moll-Barrégriffen und den Dominantseptakkorden, die in der Tabelle auf h und fis (englisch Bm und F♯m) klappt das auch. Als Beispiele stehen A-Moll im 5. Bund, Cis-Moll und Gis-Moll in der Tabelle.

Unten sieht man, wie aus dem Dominantseptakkord E 7 per Barré F 7 , F♯ 7 und so weiter werden. Dabei habe ich F♯ 7 und G♯ 7 die enharmonischen Verwechslungen G♭ 7 und A♭ 7 gegenüber gestellt.

Barrégriffe mit F7

Akkorde ableiten

Um andere Akkorde ableiten zu können, muss man natürlich wissen, was die vielen Zusatzziffern und Buchstaben bedeuten. Dass ein Dreieck hinter dem Akkordbuchstaben "große Septime hinzufügen" und ein durchgestrichener Halbkreis "halbvermindert" heißt, muss einem erst mal gesagt werden.
Bei komplizierteren Akkordgebilden gibt es Bezeichnungen, die nicht immer einfach zu lesen sind, besonders in handschriftlichen Noten. Wenn "D", "♭" und "9" undeutlich geschrieben hinter einander stehen, ist nicht immer sofort klar, ob "D♭9" (Des-Dur mit kleiner Septime und großer None) oder "D♭9" (D-Dur mit kleiner Septime und kleiner None) gemeint ist. Man muss außerdem wissen, das D9 "d - fis - a - c - e" bedeutet; wenn man "d - fis - a - e" haben möchte, muss man "Dadd9" schreiben. Die Tabelle der verwendeten Akkordsymbole am Anfang des New Real Book nach der "Standard Chord Symbol Notation" von Brandt und Roemer umfasst eine ganze Buchseite!

Major seventh

Als Beispiel siehst du im Bild unten normale Dur-Akkorde und Dur-Akkorde mit großer Septime (major 7th-Akkorde). Um diese abzuleiten, nimmst du bei jedem Griff einen auf einer hohen Saite liegenden Grundton, und spielst statt dessen die einen Bund tiefer liegende große Septime.
Im ersten Takt ist das c auf der h-Saite der höhere Grundton des C-Dur-Akkordes, und dieser wird dann durch die große Septime h ersetzt. Die beiden Noten sind durch eine blaue Linie verbunden.
Bei E-Dur und Emj7 in der zweiten Zeile liegen Grundton und große Septime auf der d-Saite, also ziemlich tief. Dementsprechen unbefriedigend ist das klangliche Ergebnis. Der zweite Emj7 - Griff, der so gebaut ist wie der Dmj7 am Ende der ersten Zeile, klingt besser.
Auch bei F-Dur ist die Sache nicht so einfach: man kann nicht einfach die leere E-Saite im Barrégriff spielen, also schlage ich dort als erste Lösung einen Griff vor, der nur die vier höchsten Saiten umfasst.

Auch für Fmj7 wäre der zweite Grifftyp bei Emj7 , natürlich in der 3. Lage, eine gute Lösung! Er ist natürlich eine Barré-Version des Dmj7 - Griffes. Den Amj7 - Griff kann man auch als Barrégriff verschieben, um andere Akkorde zu spielen, und wenn man den letzten Griff des Beispiels mit vier Fingern greift, wird er ebenfalls verschiebbar.

abgeleitete mj7-Akkorde

Minor seventh

Mollakkorde mit kleiner Septime kann man ähnlich ableiten. Entweder man ersetzt einen hoch liegenden Grundton durch die kleine Septime zwei Bünde oder einen Ganzton tiefer, oder man sucht sich die kleine Septime drei Bünde über der Quinte.

Im Bild unten siehst du zunächst A-Moll, und dann Am7 , für den ich die Septime g einen Ganzton unter dem a im 2. Bund der g-Saite nehme.
Um D-Moll zu Dm7 zu machen, gehe ich auf der h-Saite einen Ganzton unter den Grundton.
Im Falle von Em könnte man auf die Idee kommen, einfach die leere d-Saite statt des e im zweiten Bund zu spielen, aber das klingt recht grummelig. Lieber ersetze ich das h durch das d im dritten Bund der h-Saite.
Beim Fis-Moll-Barrégriff kommt allerdings doch der Trick mit der d-Saite zum Einsatz.

abgeleitete Mollseptakkorde

Andere verschiebbare Griffe

Septnonakkorde
Septnonakkorde verschoben

Das schöne an der Gitarre ist ja, dass man überhaupt alles, was man ohne leere Saiten spielt, auf dem Griffbrett verschieben kann. Auch C79, C7♭9 und C7♯9 (Bild rechts oben) kann man zu C♯79, D79 usw. machen (Bild rechts unten) und auf alle chromatischen Töne verschieben. Und man kann den Griff, der auf den Saiten 2 bis 5 liegt, auch auf die Saiten 1 bis 4 umbauen (im Beispiel ganz rechts), um so noch mehr Möglichkeiten zu erhalten.

Über solcherlei habe ich mich auf der Seite über Griffstrukturen furchtbar ausgetobt. Dort habe ich versucht, möglichst viel zur Verwandtschaft zwischen Grifftypen, zur Ableitung von Akkordtypen, oder zu Intervalländerungen innerhalb von Griffen zu schreiben, also zu Fragen wie "Wie findet man eine Septime in einem Griff?", "Wie wird aus einem Dur- ein Mollakkord?" oder "Wie muss ich einen Griff, den ich auf der Saitengruppe 1-4 kenne umgestalten, damit er auf den Saiten 2-5 funktioniert?" Ich schätze, das ist alles sehr anstrengend zu lesen - soll aber im günstigen Fall dazu führen, dass man versteht, warum bestimmte Dinge so aussehen, wie sie aussehen.

Damit ist hier immer noch längst nicht alles erklärt. Wenn man kompliziertere Musik spielt, braucht man entweder Wissen über Harmonielehre oder entwickelt sein eigenes System, das dann aber anderen schwer zu erklären sein wird.

Weitere Fragen wie "Wann spielt man einen C79 mit Grundton, wann ohne?" oder "Impliziert C7♯9 automatisch eine ♯5 (♭13)?" führen dann ganz schnell in Bereiche, wo klar wird: Entweder man nimmt wirklich soliden Unterricht in Jazzharmonielehre, oder man konsultiert ein dickes Buch oder das Web, wobei letzteres natürlich funktioniert wie immer: Sucht man nach "C7♭9" stösst man sofort auf Akkorde, bei "C79" findet man Tintenpatronen, optische Linsen, Rechtssprechung nach entsprechendem Paragraphen, Nierenbeckenmedizin, und dann den Akkord in einem Song von Cat Stevens... das Internet hat seine eigenen Gesetze...