Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Griffbrettkenntnis

Der Schlüssel zu schnellerem Erfolg!

Wie schön jemand Gitarre spielt, hängt besonders von der Technik der Anschlagshand ab. Wie gut jemand in der Lage ist, komplexe Griffe und Wechsel zwischen den Noten sauber zu spielen, hängt davon ab, wie viel er mit der Greifhand trainiert.

Wie schnell jemand beim Lernen voran kommt, hängt nicht nur von seinen Notenkenntnissen ab, sondern vor allem davon, wie gut er sich auf dem Griffbrett auskennt. Wer weiß, wo die Töne liegen, dass zum Beispiel das c' auf der h-Saite im ersten, auf der g-Saite im fünften, auf der d-Saite im zehnten und auf der A-Saite im dreizehnten Bund ist, der lernt Stücke schneller, ist sicherer, kommt insgesamt schneller vom Fleck.

Wenn du gerne erfolgreich starten willst mit dem Gitarrenspiel, solltest du gezielt deine Griffbrettkenntnis verbessern!

Die Übungen auf dieser und der nächsten Seite sind ein bisschen dröge. Sie sind auch für Leute gedacht, die schnell lernen wollen, wo die Töne sind, nicht gemächlich über den jahrelangen Pfad des Durcharbeitens vieler Stücke.

Bewusst trainieren

Die Töne auf dem Griffbrett der Gitarre sollte man irgendwann im Kopf haben. Man lernt beim Spielen nach Noten unsystematisch, kann diesen Prozess aber durch gezielte Übungen beschleunigen. Hier sind ein paar Tipps, Aufgaben und Übungen, mit denen du deine Griffbrettkenntnis verbessern kannst.

Du brauchst: Dein Gehirn, Zeit, die Gitarre, Notenpapier und Stift und einen Freund oder Würfel. Mit einem Freund kann man sich gegenseitig abfragen, mit Würfeln macht man sich neue Aufgaben nach dem Zufallsprinzip. Das hält die Sache interessant. Apropos - wie lange solltest du dich mit einer Aufgabe beschäftigen? Wenn sie anfängt, dich zu langweilen, "kannst" du sie wahrscheinlich. Wenn du zu früh weitergehst, wirst du irgendwann auflaufen.

Voraussetzung: die Stammtonreihe

Stammtonreihe als Vorraussetzung

Du siehst hier die Noten der Stammtonreihe. Sage sie dir von jedem Ton aus auf, und zwar vorwärts und rückwärts. Also: c d e f g a h c, dann d e f g a h c d und auch c h a g f e d c. Du darfst gerne ein bisschen schreiben. Wenn du schon dabei bist, präge dir die natürlichen Halbtonschritte (zwischen e und f, sowie h und c) durch betontes Sprechen gleich mit ein.
Ja, ich halte sehr viel von lautem Sprechen. Das hilft beim Lernen von Fremdsprachen, die lateinischen Konjugationen, die man laut gebrabbelt hat bleiben auch länger hängen, also kann es bei der Stammtonreihe nicht schaden.

Diese Übung solltest du machen, bis sie gut läuft. Noten schnell zu finden hat viel mit Abzählen zu tun. Sowohl beim ersten Abspielen des nächsten Gitarrenstücks als auch in der nächsten Musikklausur wirst du merken, dass sich Fleiß bei dieser Basisübung auszahlt. Je besser du die Reihe rückwärts aufsagen kannst, umso schneller lernst du die tiefen Töne der Gitarre, die auf bis zu drei Hilfslinien liegen.

Leere Saiten und Stammtöne bis Bund 5

leere Saiten

Leere Saiten

Die leeren Saiten der Gitarre heißen e, h, g, d, A und E. Man beginnt mit dem Zählen bei der höchsten Saite, der sogenannten Chanterelle. Die bekannten Merksprüche zu den Gitarrensaiten beginnen aber mit der 6. Saite, z.B. "Eine alte Dame ging Haifisch essen". Eine Alternative für die Reihenfolge Saite 1 - 6 wäre "Ein Hund gräbt draußen alles ein."

Zwölfter Bund

Im zwölften Bund findest Du dieselben Töne wie auf den leeren Saiten, nur eine Oktave höher.

Im fünften Bund ist der Ton der nächst höheren Saite zu finden, also z.B. auf der tiefen E-Saite im 5. Bund das A. Daher kommt die Methode, die Gitarre nach dem 5. Bund zu stimmen. Nur auf der g-Saite liegt das h, nach dem man die h-Saite stimmt, im vierten Bund.

Die hohe e-Saite ist also die erste, die tiefe E-Saite ist die Nummer 6. Saitenzahlen stehen in Gitarrennoten immer als arabische Ziffern in einem Kreis, damit man sie von den Fingersätzen für die linke Hand unterscheiden kann. Lagen- bzw. Bundangaben schreibt man als römische Zahlen.

Die Töne bis zum 5. Bund

Bis zum fünften Bund kannst du auf jeder Saite 4 Stammtöne spielen. Deren Lage müsste dir nach dem Lernen der Stammtonreihe ziemlich klar sein:

Stammtöne in den ersten 5 Bünden

Eckig umrahmt ist der Ton der nächst höheren Saite im 5. bzw. 4. Bund.

Stammtöne in der 1. Lage spielen

Anfänger der Gitarre lernen meist zuerst die Töne in der ersten Lage, also in den ersten vier Bünden. Man lernt sie nicht der Reihe nach, und viele vergessen sie erstaunlich schnell. Als Gegenmittel hilft vielleicht diese Überlegung:

Auf jeder Saite kann man in der 1. Lage drei Stammtöne spielen. Achtung: ich habe auf der g-Saite das h im vierten Bund hinzugefügt, das man in der Regel erst später durchnimmt. So hat man auch auf der g-Saite drei Noten.
Jede Saite habe ich farbig umrahmt und Fingersätze für die Greifhand hinzugefügt. Die "0" bedeutet immer "leere Saite". Wenn du das von Hand abschreibst, lernst du es gründlicher.

Töne in der ersten Lage
Aufgabe:

a) Spiele diese Stammtöne saitenweise und sage dabei laut die Tonnamen.
Schreibe die Tonnamen nicht unter die abgeschriebenen Noten - schaue lieber im Griffbild im vorigen Abschnitt so lange nach, bis du sie weißt!

b) Spiele immer eine Oktave, also zum Beispiel vom E auf der tiefen E-Saite bis zum e auf der d-Saite.

c) Spiele die Oktaven vorwärts und rückwärts!

tonleiterweise

Vorwärts und rückwärts von E bis e.

Du kannst die Töne jeder Saite durchnummerieren: der tiefste Ton ist Nummer 1, der zweite Nummer 2 und der dritte Nummer 3. So machst du dir Mini-Übungen für jede Saite:

Miniübungen
Aufgabe:

Lege dir eine Reihenfolge fest, zum Beispiel 1 - 2 - 3 - 2 wie oben im ersten Takt, oder 1 - 3 - 2 - 3 und spiele die Töne jeder Saite und sage dabei laut die Notennamen.

Noten denken, nicht Griffpunkte!

Wenn dein Gehirn denkt "Der Punkt auf der untersten Linie heißt, dass ich den zweiten Bund auf der dünnsten umsponnenen Saite greifen muss." hast du aufgehört, Noten zu lesen! Zwinge dich, lieber zu denken "Die Note auf der untersten Linie heißt e, und das e ist auf der d-Saite im zweiten Bund." Lange musst du das nicht machen, bis du es verinnerlicht hast. Die meisten Menschen müssen ja auch nicht täglich über den Unterschied zwischen "m" und "n" nachgrübeln, wenn sie einmal lesen gelernt haben.

Die Noten verlernt man, wenn man aufhört, sie mit Namen anzusprechen. Die Schüler "Du da" zu nennen, ist genauso der beste Weg für mich, die Namen meiner Schüler zu verlernen. Ein bisschen anstrengen dürfen wir uns alle!

Und denke noch mal drüber nach: beim Lernen der Töne auf dem Griffbrett ein bisschen Zeit investieren, bedeutet einen gewaltigen Zeitgewinn!

Stammtöne würfeln

Aufgabe:

Die vier ersten Töne sind z. B. auf der e - Saite 1: e, 2: f, 3: g, 4: a

Aufgabe: Nimm einen Würfel, nimm die gewürfelte Zahl als die Saite, auf der du Ton 1 nennen musst. Auf der nächsten gewürfelten Saite nennst du Ton 2 usw. Oder Du nennst auf den gewürfelten Saiten feste Reihen wie 1-2-3-4 oder 4-2-3-1. Das ist ein Spiel!

Diese Übung wird dich in kurzer Zeit ziemlich fit machen, also beschäftigen wir uns als nächstes mit den alterierten Tönen, den Tönen mit Kreuzen und s.

alterierte Töne

Alterierte Töne

Die Töne c und d liegen auf der h - Saite im ersten und dritten Bund. Dazwischen befindet sich im zweiten Bund das durch ein erhöhte c und das durch ein erniedrigte d. Die Note heißt cis oder des; es kommt auf den Zusammenhang an, wie der Ton genannt wird.

Selbstverständlich kann man auch dort Töne erhöhen und erniedrigen, wo die Stammtöne nur einen Halbton auseinander liegen, also eigentlich kein Platz zu sein scheint. Es gibt also die Noten ces und his.
Genauso wie die Note "c" einen Leitton namens "h" hat, hat auch die Note "cis" das Recht auf einen Leitton, der "his" heißt und im ersten Bund der h-Saite liegt.

Unten siehst du die Namen aller einfach alterierten Töne. Doppelt erhöhte heißen "cisis, disis...", die zweimal erniedrigten "ceses, deses..." usw. Das doppelt erniedrigte h heißt heses!

Namen der alterierten Töne
C-dur - Cis-dur

Ein "eis" zum Beispiel ist keineswegs eine Absurdität: Wenn du in A-Dur, einer Tonart mit lediglich drei Kreuzen, die Dominante zur Tonikaparallele spielen willst, dann brauchst du den Cis-Dur-Akkord, und dieser besteht aus "Cis - eis - gis", so wie C-Dur aus "C - e - g" besteht. Nein, man kommt nicht durcheinander! Wenn man das "eis" als "f" notieren würde, sähe der Dreiklang überhaupt nicht wie ein solcher aus. (Mehr zu diesem Thema findest du auf den Seiten über Musiklehre.)

Bund 1 - 6 nennen / würfeln

Aufgabe:
Griffbrett

In der folgenden Aufgabe werden die Töne auf Bund 1 - 6 auf den sechs Saiten abgefragt. Wenn du mit der Maus auf den Bund zeigst, erscheint die Antwort.

Du kannst die Aufgabe auch schriftlich machen: Notiere die Ergebnisse in 6 Notenreihen à 6 Takten und lasse dir dann hier die

Lösung 01 Griffbrett
  • E-Saite
  • 4. Bund
  • 2. Bund
  • 5. Bund
  • 3. Bund
  • 1. Bund
  • 6. Bund
  • A-Saite
  • 2. Bund
  • 6. Bund
  • 1. Bund
  • 3. Bund
  • 5. Bund
  • 4. Bund
  • d-Saite
  • 3. Bund
  • 5. Bund
  • 1. Bund
  • 6. Bund
  • 2. Bund
  • 4. Bund
  • g-Saite
  • 4. Bund
  • 1. Bund
  • 5. Bund
  • 2. Bund
  • 6. Bund
  • 3. Bund
  • h-Saite
  • 5. Bund
  • 3. Bund
  • 6. Bund
  • 1. Bund
  • 4. Bund
  • 2. Bund
  • e¹-Saite
  • 1. Bund
  • 4. Bund
  • 6. Bund
  • 3. Bund
  • 5. Bund
  • 2. Bund

Wenn du das Zufallsprinzip magst, kannst du auch "Bünde würfeln":

Aufgabe

Nehme zwei Würfel, einen für die Saite und einen für den Bund, und spiele und benenne den gewürfelten Ton.
Danach verfahre wie oben, aber schreibe was du würfelst. Schreibe alterierte Töne abwechselnd als ♯-Ton und als ♭-Ton. Schreibe einigermaßen ordentlich, dann kannst du später deine Noten als Abspielaufgabe nehmen.

Intervalle finden

Aufgabe

Mit der nächsten Aufgabe wirst du wirklich gequält, aber sie wird dich weiterbringen! Du bekommst von mir ein paar Intervalle, d. h. zwei Töne übereinander, die du auf möglichst viele Arten spielen sollst. Für das erste Intervall z. B. gibt es in dem Bereich des Griffbrettes, den du bisher durchgenommen hast, drei Möglichkeiten:

  1. d-Saite, 1. Bund und h-Saite, 1. Bund
  2. d-Saite, 1. Bund und g-Saite, 5. Bund
  3. A-Saite, 6. Bund und g-Saite, 5. Bund

Alles klar? Diese Aufgabe ist wirklich sehr hart, aber sie trainiert das Denken in Zusammenhängen, und du wirst hinterher mehr über Intervallstrukturen wissen. Bei einigen Intervallen darfst du auch schon über den Rand des 6. Bundes hinausgucken!
Hier ist ein kleiner Text über ein Beispiel aus dem täglichen Leben...

Intervallaufgabe
Griff es - c 1

Die Töne es - c, erste Möglichkeit:
d-Saite, 1. Bund; h-Saite, 1. Bund.

Griff es - c 2

Die Töne es - c, zweite Möglichkeit: d-Saite, 1. Bund; g-Saite, 5. Bund.

Griff es - c 3

Dritte Variante: A-Saite, 6. Bund; g-Saite, 5. Bund.

Griff es - c 4

Die Töne es - c, viertens: A-Saite,
6. Bund; d-Saite, 10. Bund (Variante 4 - 6 sind Bonus, oben nicht abgefragt).

Griff es - c 5

Die fünfte Möglichkeit, es und c zu greifen: E-Saite, 11. Bund; d-Saite,
10. Bund.

Griff es - c 6

Zum Schluss: Die Töne es - c auf der
E-Saite, 11. Bund; und der A-Saite,
15. Bund.