Gitarre und Musiklehre, U. Meyer

Kindergitarren

Diese Seite verfolgt das Ziel, Eltern davon zu überzeugen, dass ein Anfängerinstrument gut passen und hochwertig sein sollte. Wenn Sie etwas mehr Geld für das Instrument ausgeben, wird der Unterricht effektiver und damit preiswerter!

Natürlich drehen sich die Gedanken der Eltern zunächst um Fragen wie "Ist unser Kind überhaupt musikalisch?", "Wird unser Kind durchhalten?", "Haben wir einen guten Lehrer gefunden?" und neuerdings "Hat unser Viertklässler überhaupt genug Zeit?", aber man sollte dabei nicht vergessen, dass man Gitarre auf einer Gitarre spielt, aber bitte nicht auf irgend einer!

Ich finde dieses Thema sehr wichtig, und berate Eltern gerne, was die Einstiegsgröße angeht, und auch, wenn es Zeit für den Wechsel zum nächsten Modell ist. Wahrscheinlich bringe ich auf dieser Seite Argumente doppelt und dreifach - es ist nicht einfach, die Sache strukturiert abzuhandeln.
Beginnen wir mit den Fachbegriffen in der Welt der Kindergitarren!

Fachbegriffe

In den letzten Jahrzehnten haben sich Bezeichnungen wie "halbe Gitarre" oder "3/4-Gitarre" fest etabliert. Wenn man auf Ebay oder in Onlineläden sucht, fällt man ständig über diese Begriffe.

Eher unüblich ist es, von der Mensur
Mensur
zu sprechen, also genau anzugeben, wie lang die schwingende Saitenlänge (zwischen den roten Pfeilen) ist.

Woher kommt der Ausdruck "halbe Gitarre"?

Diese Begriffe kommen ursprünglich von den Streichinstrumenten. Hier gibt es seit Jahrhunderten kleine Bauformen. Mozart wird als Vierjähriger kaum auf der Geige seines Vaters gespielt haben, einfach weil seine Arme zu kurz waren! Da man die Violine am Hals ansetzt, braucht man für kleinere Menschen mit kürzeren Armen kleinere Geigen, anders geht es nicht.

Bei den Streichern ist das Verhältnis von Korpus zur Halslänge, und damit zur Mensur, ziemlich standardisiert, sogar bei einer E-Geige.

Die Bezeichnung "Viertelgeige" bedeutet eine ganz bestimmte Korpusgröße in Zentimetern. Der Korpus einer 1/8 Violine ist 27,5 cm, der einer 1/4 Violine 28,5 cm lang, dann ist es richtig.
Eine "halbe Geige" ist übrigens nicht halb so groß wie eine 4/4tel-Geige, sie ist etwa 12 Prozent kleiner.

Durcheinander statt Tradition bei Gitarren

Während es bei den Streichern also seit Jahrhunderten eingeführte Namen für kleinere Bauformen gibt, liegt das Auftauchen von Kindergitarren erst wenige Jahrzehnte zurück. Was läge da näher, als die Begriffe von den Streichern zu übernehmen?

Es gibt keine "Standard-Gitarre"

Gitarren gibt es in sehr unterschiedlichen Bauformen. Viele Westerngitarren haben einen deutlich größeren Korpus als Konzertgitarren, meistens aber den Korpusrand beim 14. Bund des Halses, Jazzgitarren sind auch eher groß, während E-Gitarren für Rockmusik vergleichsweise winzige Körper haben, dafür hat der Hals mehr "frei zugängliche" Bünde. Klassische Gitarren in der Vergangenheit sahen sehr anders aus als heute, und Gitarren für Kinder sind selten maßstabsgenaue Verkleinerungen der großen Exemplare.

Jeder baut, was er will

Im Grunde genommen baut jeder Hersteller seine Kindergitarren so, wie er möchte. Bei einem Modell ist der Korpus eher groß, beim anderen wirklich schmal und kurz. Das bedeutet dann: so eine Gitarre passt einem ziemlich kleinen Kind, das ungewöhnlich große Hände haben muss. Man kann drei Gitarren mit einer Mensur von 52 oder 53cm Länge nebeneinander stellen und sieht sofort die Unterschiede.

Korpusgrößen

Drei kleine Gitarren mit fast der gleichen Mensur:
Links: Mensur 52 cm, Korpuslänge 38,5; Korpusbreite unten 29,3.
Mitte: Mensur 53 cm, Korpuslänge 39,8; Korpusbreite unten 29,8.
Rechts: Mensur 53,5 cm, Korpuslänge 43; Korpusbreite unten 33.

Bei den beiden ersten Modellen sind die Verhältnisse von Saitenlänge zum Korpus fast wie bei einer normal großen Gitarre, das Modell rechts hat einen deutlich längeren und breiteren Korpus.
Deshalb scheint es so, als sei die Mensur deutlich länger, aber nicht nur der Sattel liegt höher im Vergleich zum Klavier, auch der Steg ist weiter vom Korpusrand entfernt. Da Kinder sehr verschieden groß sind, ist man froh, die verschiedenen Exemplare zur Verfügung zu haben.

Anprobieren

Die Unterschiede werden noch deutlicher, wenn man sie bei Kindern "anprobiert". Das Kind mit den kräftigeren Oberschenkeln kann die Gitarre mit dem großen Korpus kaum zwischen den Beinen halten, während das lange und dürre Kind mit dem Instrument mit dem kleinen Korpus lustig aussieht. Aber der Fachverkäufer wird alle drei Varianten als "Viertelgitarren" bezeichnen! Und die Gitarre mit der 58er Mensur wird "halbe Gitarre" genannt, im nächsten Laden aber "Dreiviertel".

Die European Guitar Teachers Association Deutschland (Ja, es gibt einen Verein der Gitarrenlehrer!) empfiehlt in einem Beitrag auf ihrer Homepage, die Bezeichnungen "Achtelgitarre etc." nicht zu verwenden, sondern die Mensur zu nennen, um die Größe zu beschreiben.
Trotz des frommen Wunsches, dass man bei Gitarren nicht mehr von Achteln und Vierteln reden sollte - das wird sich nicht mehr verdrängen lassen. Außerdem weiß man, wenn von einer "58er Mensur" die Rede ist auch nicht, wie groß der Korpus ist.

Also bleibt die Aufgabe, für einen bestimmten Menschen einer bestimmten Größe eine passende Gitarre zu finden! Das funktioniert am besten, wenn man die Gitarre am Spieler anprobiert und dann vernünftig entscheidet.
Einfach so online zu kaufen, ohne vorher Informationen bekommen zu haben, ist Glücksache.

Welche Größe ist richtig?

Die Gitarrenverkäufer mögen mir verzeihen, aber - am kompetentesten beraten, was die Größe angeht, kann der gut ausgebildete Gitarrenlehrer! Natürlich kann es sein, dass ein Ladner selber gut spielt oder Gitarre unterrichtet, aber er könnte eben auch Saxophon spielen, oder seine Hauptkompetenz bei Keyboards haben.

Die Eltern kommen mit einem acht Jahre alten Kind in ein Musikgeschäft und möchten eine Gitarre kaufen. Was weiß der Ladner über den Gitarrenunterricht? Geht es um klassische Gitarre? Wird mit Fußbank gespielt? Gibt es vor Ort passende Stühle?

Auch der Lehrer weiß, wenn die Eltern vorab mal zum Hospitieren kommen, nichts darüber, ob das Kind musikalisch ist, eine schnelle Auffassungsgabe und ein gutes Körpergefühl hat, aber er kann vielleicht verschieden große Gitarren "anprobieren" und eine passende Größe empfehlen.

Der Verkäufer schätzt die Eltern ein: "Wieviel Geld werden sie ausgeben wollen?" Ist das Argument "Lieber die größere nehmen, dann brauchen Sie nicht so schnell eine neue kaufen, und ihr Kind wächst da schon 'rein..." gur im Verkaufsgespräch? Er hat vor allem das Interesse, eine Gitarre zu verkaufen, und möchte die Familie ungern zur Konkurrenz schicken. Nach dem Verkauf sieht er die Leute so schnell nicht wieder.

Der Gitarrenlehrer verkauft nichts. Er möchte erfolgreich unterrichten und weiß, dass das mit einer gut passenden Gitarre viel besser läuft. Mit Glück sieht er den Schüler über mehrere Jahre jede Woche, wenn er Pech hat, passt die Gitarre erst nach zwei Jahren richtig gut.

Alle Größen mitnehmen?

Tatsache ist: es gibt viele verschiedene Gitarrengrößen! Aber Kinder sind auch manchmal noch 1,40m groß wenn sie anfangen, und über 1,90m beim Abitur...

Ich kenne nicht alle Modelle, aber ich liste mal auf, was mir so im Laufe der Jahre begegnet ist:
Es geht los mit der 44cm Mensur, dann gibt es 48er, 52er und 53er, 55er (Höfner hat längere Zeit eine gute Gitarre in dieser Größe hergestellt), 58er, 61er, und dann noch 63er, die manchmal als "Señorita-Modell" bezeichnet werden, was zwar verniedlichend klingt, aber für Spielerinnen trotzdem nicht falsch ist, und dann kommen die "normal großen" mit 65cm Mensur, oder die momentan nicht mehr so beliebten 66,5er.
Natürlich gibt es Firmen, deren Modell im Bereich "Ende 50 cm" 57 oder 59cm misst...

Viele Größen

Diese Vielzahl an Größen legt natürlich sofort die Frage nahe, ob ein Schüler wirklich alle davon durchlaufen muss.

Nehmen wir mal an, ein Kind beginnt als Zweitklässler mit dem Gitarrenspiel auf einer 52er Mensur. Das Kind ist motiviert und spielt auch mit 15 Jahren als ausgewachsener Jugendlicher von 1,85m Körpergröße noch, dann auf einer normalen Gitarre. Dazwischen liegen sieben Jahre. Wenn der Schüler mit 11 Jahren auf eine 58er wechselt, und dann später auf die große, wird er dann die meiste Zeit auf einer passenden Gitarre gespielt haben? Mit Sicherheit nicht! Er wird auf jeder der drei Größen lange Zeit komisch ausgesehen haben, weil die Gitarre viel zu klein oder deutlich zu groß war. Er wird seine Wirbelsäule verdreht, seinen langen Oberkörper zusammengekrümmt haben, und mit den Fingern der Greifhand hin- und hergerutscht sein.

Spielt der Schüler in den sieben Jahren eine 52er, dann vielleicht die 53er mit dem großen Korpus, die 58er, die 61er, und, weil gerade eine verfügbar ist auch noch die 63er vor der 65er, wird er deutlich mehr Zeit auf Gitarren geübt haben, die sich für ihn so anfühlten, wie die große Gitarre für den Lehrer.

Kosten

Ob das so viel mehr Geld gekostet haben wird, ist noch die Frage. Wenn man Gitarren gebraucht weitergibt, also Geld dafür bekommt, und auf einer größeren Gebrauchten weitermacht, muss das nicht so viel sein. Wer eine Violine beim Geigenbauer leiht, zahlt dafür monatlich 10-20 €, bei Violoncelli ist das eher mehr. Wer das über Jahre macht, bezahlt einerseits viel Leihgebühren, bekommt aber andererseits normalerweise sukzessive die Achtel, die Viertel, die Halbe und die Dreiviertelgeige als Leihinstrument.
Auf einer gut passenden Gitarre zu spielen ist ein wichtiger Faktor für guten Unterricht - insofern spart man nicht wirklich, wenn man sich um die Zwischengrößen drückt.

Der begabte Fußballnachwuchs würde bei Fußballschuhen sicher nicht viele Größen überspringen - da ist das Verletzungsrisiko auch größer...

Fassen wir die Argumente für passende und teure oder billige Gitarren in Stichworten zusammen:

Hauptargumente in Stichworten

  1. Eine billige Gitarre
    • kostet im Moment wenig
    • ist schlechter wieder zu verkaufen
    • klingt weniger gut
    • kann technische Mängel haben, eine zu hohe Saitenlage macht das Spielen mühsam, eine zu niedrige Saitenlage führt zum Scheppern der Töne, der Hals verzieht sich bei wenig abgelagertem Holz, eine billige Mechanik erschwert das Stimmen...
  2. Eine teurere Gitarre
    • ist erschreckend teuer (wir sind von Billigangeboten umgeben), aber wenn man drüber nachdenkt, was an einer Gitarre so "dran" ist...
    • hat bei Gebrauchtkauf optische Mängel, die sich auf den Klang aber nicht auswirken
    • kann dramatisch besser klingen und damit motivieren
    • hat hoffentlich wenige technische Mängel
    • beim Kauf im Gitarrenladen bekommt man konkrete Hilfe bei Problemen, eventuell ist später Inzahlungnahme möglich
  3. Eine zu große Gitarre
    • man spart die mehrfache Ausgabe, das Kind "wächst schon hinein"
    • ein zu großer Korpus erschwert die Haltung, die Gitarre passt nicht zwischen die Beine, das Instrument wird schräg gehalten, die Wirbelsäule wird verdreht
    • die zu große Mensur erschwert das Greifen, der Spieler kommt mit den 4 Fingern nicht an 4 Bünde heran und gewöhnt sich an, hin und her zu rutschen
    • das Kind wird auf Jahre im Gruppenunterricht den anderen gegenüber benachteiligt
    • setzt den Lehrer unter Stress: er muss Notlösungen finden und schlechte Gewohnheiten später ausbügeln
  4. Eine gut passende Gitarre
    • muss man mehrmals kaufen, wenn die nächste Größe fällig wird
    • die abgelegte Gitarre kann bei guter Qualität gut weiter verkauft werden
    • der Spieler gewöhnt sich eine bessere Körper- und Handhaltung an
  5. Eine Leihgitarre von der Musikschule
    • ist für den Start eine gute Idee
    • wahrscheinlich keine teure Gitarre wegen der Investitionskosten
    • der Lehrer sollte sie "passend" aussuchen
    • sprechen Sie zuerst mit dem Lehrer - der will nichts verkaufen, sondern guten Unterricht geben!

Fehler sind keine gute Idee

Die Qualität des Instruments spielt immer eine wichtige Rolle im Instrumentalunterricht. Bei der Gitarre kann man jahrelang mit groben Fehlern "davonkommen".
Niemand wird ein Kind Altblockflöte spielen lassen, wenn es kaum die Grifflöcher des Soprans gedeckt bekommt, und eine zu große Violine bekommt auch kein Kind, weil man das Instrument am Hals ansetzt, und wenn der Greifarm nicht lang genug ist, kann man nicht spielen. Es gibt Querflöten für Kinder mit umgebogenen Mundstück, damit die Armlänge reicht.
Bei der Gitarre kann man zu große Instrumente nehmen, das Spielen wird zwar deutlich erschwert, aber es ist eben möglich - es ist deshalb aber trotzdem keine gute Idee.

Psychologie beim Kauf

Das Thema "Gitarrenkauf" spielt sich in einem Viereck ab, dessen Ecken der Schüler, der Lehrer, die Eltern und das Musikgeschäft sind. In der Mitte schwebt das Instrument.

Groessenvergleich 1
  1. Der Schüler möchte eine neue Gitarre, die schwarz und cool aussieht.
  2. Der Lehrer möchte erfolgreichen Unterricht machen, ihm ist eine passende, gute Gitarre wichtig.
  3. Die Eltern möchten nicht so viel Geld ausgeben, sie wissen nicht um die Wichtigkeit des Werkzeuges.
  4. Der Verkäufer - ein Geschäftsmann - wirkt auf sie professionell.
  5. Der Lehrer / Musiker ist ein Typ Mensch, an den man sich erst noch gewöhnen muss.
  6. Der Verkäufer empfiehlt ein eher großes Instrument, weil er spürt, dass die Eltern das Argument des "Hereinwachsens" überzeugend finden. Er verkauft jetzt, wie es weitergeht interessiert ihn nicht so.
  7. Der Lehrer ist besorgt, weil die anderen Gruppenmitglieder besser passende Gitarren haben. Seine einzige Hoffnung: dieses Kind muss besonders begabt sein...

So in etwa würde ich die psychologische Situation beschreiben. Wenn man das einkalkuliert, kann man bestimmter vorgehen. Hier gibt es weitere Kauftipps.

Gitarrengröße und Spieler

Groessenvergleich 1

Links im Bild eine wirklich kleine Gitarre mit 44er Mensur, die bei kleinen Erstklässlern zum Einsatz kommt, in der Mitte eine Valdez 58, und rechts die normal große Gitarre mit 65 cm Mensur. Das Klavier im Hintergrund beider Bilder ist das Gleiche. Auf diesem Bild sind die Gitarren viel steiler angelehnt - die 44er würde sonst unter der Tastatur durchfallen...

Groessenvergleich 2

Links eine Toledo 53, die einen recht kleinen Korpus hat, in der Mitte eine Toledo 61, deren Korpus vor allem sehr breit ist, rechts wieder eine normal große Gitarre mit 65 cm Mensur.
Beim Probieren ist das Gelächter immer groß, wenn ein Kind eine deutlich zu große oder kleine Gitarre auf den Schoß bekommt. Danach ist aber die Sensibilität geweckt!

Bilder von Gitarren allein helfen nicht: man braucht einen Menschen dazu. Der kann nicht nur klein oder groß und mehr oder weniger gelenkig sein, sondern auch kräftigere Oberschenkel haben. Die Unterschiede der Korpusgrößen betragen nur wenige Zentimeter - zwei Zentimeter mehr pro Bein machen weitere vier Zentimeter aus, zu große Gitarren sind dadurch noch viel größer! Spielt man mit Gitarrenstütze statt Fußbank, hat man hier weniger Probleme.

Eine Fünftklässlerin und ein Viertklässler haben sich freundlicherweise mit drei Gitarren fotografieren lassen. Beide Kinder haben grundsätzlich eine gute Haltung und eher dünne Beine.

53er

Oben: Die eigene Gitarre - eine Valdez 53, ist vom Korpus her schon groß (43 x 34 cm), das sieht man, wenn man mit dem Bild von mir weiter unten vergleicht.
Die Gitarre, die der Junge im ersten Bild hat würde klein wirken.

61er

Oben: Die Toledo 61 mit ihrem großen Korpus (45,5 x 35,3 cm) sieht schon unbequemer aus, obwohl die gute Haltung vieles wett macht. Die Finger der linken Hand sind noch zu klein für die weiten Abstände (siehe unten).

65er

Meine Gitarre (65er Mensur, 49,8 x 36,8 cm) lässt die Schülerin weiter schrumpfen, besonders beim Greifen würde die Technik leiden. Die Finger werden von Bild zu Bild immer schräger aufgesetzt, und der linke Arm muss weiter gestreckt werden.

Unten: bei diesem Viertklässler sieht die eigene - eine 52er Mensur mit passend verkleinertem Korpus (38,5 x 29,3 cm) - sehr angemessen aus. Mit dem Instrument hat er als Zweitklässler auch begonnen.

52er

Unten: mit meiner normal großen Gitarre - das ist natürlich nur ein Spaß. Tatsächlich kommen immer wieder auch jüngere Kinder mit eigener Gitarre dieser Größe.

65er2

Unten: sieht hoffentlich bequem aus, besonders auch die Haltung des linken Arms. Man beachte auch den Abstand zwischen der Gitarre und dem Kinn.

65er3

 

Hier die Greifhand des Mädchens, einfach aus den drei oberen Bildern vergrößert, nicht gestellt:

Greifhand Valdez 53
Greifhand Toledo 61
Greifhand 65er

Mensur oder Saitenlänge

Versuchen wir doch noch ein paar Zahlen ins Spiel zu bringen, auch wenn alle genauen Angaben zur Saitenlänge, Korpustiefe etc. nie die Frage "Wie lange wird mein Kind denn wohl auf der Gitarre spielen können?" beantworten helfen wird - wie schnell ein Mensch wächst, fällt in den Bereich "Wahrsagen"...

Mensur und Korpus

Wenn man über die Größe von Gitarren redet ist der Begriff "Mensur"
Mensur
etwas Konkretes: die Länge der Saiten von Sattel bis Steg, also das, was schwingt, wenn man die Saite anschlägt.

Ob der Korpus vernünftig, also in etwa maßstabsgerecht verkleinert wurde, kann man sehen oder nachmessen: Ein durchschnittlicher Wert bei großen Gitarren ist:
Mensur durch Korpuslänge = ca. 1,34; Mensur durch größte Korpusbreite = ca. 1,75.

Spieltechnik

Wenn ein Kind eine zu große Gitarre spielen muss, ist es gerade im Gruppenunterricht benachteiligt. Solange im Unterricht noch einstimmige Stücke durchgenommen werden, ist lediglich wichtig, dass der Schüler nach dem c im ersten Bund der h-Saite das d im dritten Bund erreichen kann, ohne die vorige Note loslassen zu müssen. So erlernt er eine ruhige und sichere Grifftechnik.

gegriffene Bässe mit Melodie

Wenn man beim zweistimmigen Spiel mit gegriffenen Bässen angekommen ist, sollte man Basstöne halten und dabei verschiedene Melodietöne spielen können. Ist das Griffbrett zu lang und zu breit, schaffen das nur sehr willensstarke Kinder mit flexiblen Händen. Viele Kinder finden dies generell sehr anstrengend, aber die mit zu großen Instrumenten lassen mit Sicherheit jeden gegriffenen Basston sofort los.

Ist der Korpus zu groß, wird die Haltung erschwert: der Gitarrenkörper passt nicht zwischen die Beine, das Instrument wird schräg gehalten, der Kopf zeigt über die linke Schulter nach hinten, und das Kind sitzt mit verdrehter Wirbelsäule.

Näherungswerte

63er Mensur

Um doch ein paar Zahlen zu nennen: Sehr kleine Erstklässler oder Zweitklässler brauchen schon mal eine 48er Mensur oder gar die oben fotografierte 44er; meist kommt man in dem Alter mit 52/53 cm zurecht (Vorsicht mit der Korpusgröße!).

Ende der Grundschulzeit kann die nächste Größe fällig sein, etwa 58cm; das kann aber auch bis zur 6. Klasse oder 7. Klasse dauern. Dann gibt es Gitarren mit 61er und 63er Mensuren, und dann kommt die "normal" große, aber Achtung: auch wenn viele Mädchen locker 1,80 m groß werden, haben sie nicht unbedingt so große Hände wie Männer, und viele Stücke für Gitarre erfordern große Streckungen der Greifhand.

Es gibt inzwischen sehr gute Gitarren mit normal großem Korpus aber etwas kürzeren Mensuren von 63 oder 64 cm - ein wichtiger Beitrag zur Gleichberechtigung! Der Fahrersitz im Auto ist ja auch verstellbar, weil Beine unterschiedlich lang sind...

Bild rechts: die rechte Gitarre hat einen normal großen Korpus, aber eine Mensur von 63 cm. Wenn man an der Klaviertastatur vergleicht, sieht man, dass der Sattel etwas tiefer liegt. Der Gitarrenbauer erreicht die kürzere Mensur, indem er den Steg einen Zentimeter weiter vom Korpusrand setzt, dann kommt der Sattel auch einen Zentimeter nach unten, und schon hat man eine Gitarre, die für einen großen Menschen bequem zu halten ist, kleineren Händen aber bei weiten Streckungen in der Greifhand sehr entgegen kommt...

Näherungswerte

Nochmals: alle Versuche, Zahlenangaben zu machen, sind nur ganz ungenaue Näherungswerte! Kinder haben lange Beine und Arme oder einen langen Oberkörper, die Hände wachsen nicht so schnell wie der Rest oder umgekehrt, sie sind mit Acht noch etwas pummelig und mit Zwölf dann lang und dürr, gelenkig oder sehr unflexibel...
Kein Weg führt daran vorbei: Man braucht den lebenden Menschen und verschiedene Instrumente, und dann muss man schauen, was passt! Fragen Sie nach, und zögern Sie nicht, die große Gitarre, die sie noch hatten, erst mal auf den Schrank zu legen... Sie müssen zwar im Moment Geld für ein Instrument ausgeben, aber der Unterricht funktioniert so viel besser, dass sich die Ausgabe auf alle Fälle rentiert!

Wenn "Ihr neuer Gitarrenlehrer" behauptet, die Gitarre, die Sie schon haben sei wenig geeignet, können Sie davon ausgehen, dass seine Empfehlung ernst und zum Besten Ihres Kindes gemeint ist. Jede Unterrichtsbeziehung ist im Prinzip darauf angelegt, mehrere Jahre anzudauern, und der Lehrer hat ein starkes Interesse daran, möglichst viel zu erreichen. Deshalb wird er vielleicht überraschend viel Wert auf ein adäquates Instrument legen.