Wie entsteht das erste ♭?
Nach den Kreuztonarten, deren nächste jeweils eine Quinte über dem Grundton der Vorgängerin beginnt, machen wir uns jetzt in die Gegenrichtung auf! Eine Quinte abwärts (eine Quarte aufwärts kommt auf dasselbe heraus) wartet ein neues Problem auf uns: wenn du eine Tonleiter auf f aufbaust, ist wieder eine Stelle falsch! Das zweite Tetrachord von F-Dur entspricht dem ersten von C-Dur und hat schon den richtigen Aufbau, aber von Stufe 3 nach 4 liegt kein Halbtonschritt. Dieser befindet sich zwichen den Stufen 4 und 5.
Die Stammtöne auf f ergeben keine Durtonleiter.
Das Kreuz hilft nicht.
Das Problem kann aber nicht mehr mit einem Erhöhungszeichen gelöst werden: würde ich das
a erhöhen, hätte ich zwar einen Halbtonschritt von 3 nach 4, aber der
Halbtonschritt von 4 nach 5 bliebe, und vor allem entstünde ein Anderthalbtonschritt zwischen
g und ais! Man braucht unbedingt ein Zeichen,
das eine Note um einen Halbtonschritt erniedrigt: Das "♭".
Für wie gut
ich die Idee halte, das deutsche h durch das englische
b und das ♭ dann durch
Bb (b flat) zu ersetzen, versuche ich
hier zu diskutieren.
F-Dur mit dem ersten ♭
Unten siehst du: Das erste
♭ taucht vor der vierten Stufe, der Note h auf,
und diese wird in "b" umgetauft (Die Tonnamen werden im
Deutschen leider nicht
regelmäßig gebildet!). Damit werden die Probleme elegant gelöst.
Hier siehst und hörst du
die "richtige" F-Dur-Tonleiter:
Da b eine reine Quinte unter f liegt, wird es der Grundton unserer nächsten Tonleiter sein. In dieser wird wieder ein "Fehler" bei der vierten Stufe vorliegen. Die im Quintabstand folgenden Tonleitern übernehmen wieder jeweils die ♭s der vorhergehenden. Das zweitletzte ♭ gibt die aktuelle Tonart an, dies funktioniert allerdings bei F-Dur noch nicht, weil es nur eines gibt!
Ausnahmen beim ♭
Bei den Namen der erniedrigten Töne gibt es mehr Ausnahmen als bei den Kreuzen: ces - des - es - fes - ges - as - b.
Eine Aufgabe zum Nennen der Tonleitern findest du beim "Zirkeltraining".
Die Reihe der ♭-Tonleitern
Unbedingt empfehlen würde ich die schriftliche
Aufgabe:
Wie bei den Kreuztonarten bitte die Vorzeichen wieder in der Reihenfolge ihres Auftauchens hinter den Doppelstrich, und das Vorzeichen zu Stufe 1 und 8 dort nur einmal notieren!
Ergebnisse der Aufgabe:
Nachdem du diese Aufgabe gemacht hast, gibt es ähnliche Ergebnisse wie bei den Kreuzen:
- Jede neue ♭-Tonleiter übernimmt die Vorzeichen der vorhergehenden.
- Das zweite Tetrachord jeder neuen ♭-Tonleiter entspricht dem ersten Tetrachord der im Quintenzirkel vorhergehenden.
- Als letztes ♭ kommt das vor der vierten Stufe dazu. Vom vorletzten ♭ kann man auf die Tonart schließen.
- Die vierte Stufe aufwärts hat als Umkehrungsintervall die Quinte abwärts. Das "letzte b" ist also der Grundton der nächsten Tonart und der Subdominante.
- Die Namen der erniedrigten Töne haben im Deutschen viele Ausnahmen: ces - des - es - fes - ges - as - b . Grundsätzlich hängt man die Silbe "es" an, bei e und a nur ein "s", und das b hat einen besonderen Namen.
Zusammenfassung:
Die verschiedenen Tonarten entstehen in einer logischen Reihenfolge, sie sind miteinander verwandt. Jede übernimmt die Vorzeichen der vorhergehenden. Das heißt, die Notierung der Vorzeichen hält sich an eine bestimmte Reihenfolge, es lohnt sich, diese auswendig zu lernen.
Wenn man vor einem Stück 3 Kreuze sieht, kann man sich normalerweise darauf verlassen, dass es sich um fis, cis und gis handelt, und damit um die Tonart A-Dur.
Die folgende Grafik zeigt die Vorzeichen und den Grundton der Durtonleitern in der Reihenfolge der Quintverwandschaft.
Im Kopf üben
Über das Auswendiglernen der Vorzeichenreihen hinaus kann man natürlich noch etwas tiefer einsteigen. Du könntest die Tonleitern im Kopf aufsagen, beginnend mit c-d-e-f-g-a-h-c; c-h-a-g-f-e-d-c, wenn du bemerkst, welcher Ton die Quinte, also der fünfte ist, kannst du nahtlos mit g-a-h-c-d-e-fis-g; g-fis-e-d-c-h-a-g weitermachen.
An anderer Stelle habe ich zugegeben,
dass ich kein Fan von Tonleitern in der ersten Lage auf der Gitarre bin, aber natürlich sind sie
nicht ungesund, weil man dabei die Tonleitern und das Gitarrengriffbrett kennenlernt. Man kann
ja trotzdem zusätzlich Tonleitern ohne leere Saiten üben.
Auf der Altblockflöte aus dem
Kopf eine Ges-Dur-Tonleiter zu spielen ist eine echte intellektuelle Herausforderung, was für
alle Blasinstrumente gelten dürfte, und als Klavierschüler bekommt man (hoffentlich) irgendwann
ein Heft mit Tonleitern in allen Tonarten, weil die teils sehr verschiedene Standardfingersätze
haben.
Jedenfalls wirst du mit den Tonleitern schneller vertraut, wenn du mal die Augen zumachst und sie vor dich hin murmelst, auch wenn es sich wahrscheinlich komisch anfühlen wird im Zimmer im Kreis zu gehen und dabei ces-des-es-fes-ges-as-b-ces; ces-b-as-ges-fes-es-des-ces zu deklamieren!